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Wie teuer sollte Fleisch sein? Augsburger Wissenschaftler veröffentlichen Studie über Klimafolgen

Zu billig? Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass insbesondere konventionell hergestellte Lebensmittel tierischen Ursprungs deutlich teurer werden müssten, wenn die aus der Produktion resultierenden Klimafolgen verursachergerecht auf den Preis aufgeschlagen werden würden

Wissenschaftler der Uni Augsburg forschen über Kosten für Umweltschäden durch Produktion tierischer Nahrungsmittel.

Wie viel mehr müssten Fleisch und andere tierische Nahrungsmittel kosten, wenn man alle Umweltschäden, die bei der Produktion entstehen, mit einrechnet? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Universität Augsburg schon seit einigen Jahren nach. Im Herbst des vergangenen Jahres machte das Team der Uni gemeinsam mit einem Penny-Markt in Berlin die Preise für die Kunden öffentlich. Nun hat die Gruppe um den Augsburger Ökonomen Dr. Tobias Gaugler die Ergebnisse ihrer Studien im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.

Der 'European Green Deal', der vorsieht, die Netto-Emissionen von Treibhausgasen der Europäischen Union bis 2050 auf null zu reduzieren, lasse sich nur unter Einbeziehung der Landwirtschaft verwirklichen. Zu diesem Schluss kommen Gaugler und sein Team. Die neu erschienene Studie der Augsburger Wissenschaftler zeichnet nun ein differenziertes Bild landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen. Für unterschiedliche Anbau- beziehungsweise Haltungsformen hat sie ermittelt, an welchen Stellen der Lebensmittelproduktion welche Emissionen auftreten und will diese unterschiedlichen Lebensmitteln verursachergerecht zuordnen. Neben Kohlenstoffdioxid- beziehen die Autoren auch Lachgas- und Methanemissionen sowie die klimatischen Auswirkungen der Landnutzungsänderung in ihre Berechnungen ein. Aus der Landnutzungsänderung resultierende Klimafolgen ergeben sich primär aus der Trockenlegung von Mooren sowie der Abholzung von Regenwaldflächen, die dann zur Produktion von Tierfutter genutzt werden.

Um das Ausmaß dieser Klimaschäden zu verdeutlichen, erfolgt neben der Ermittlung der Emissionsmengen auch deren Monetarisierung, also eine Umrechnung in lebensmittelspezifische Folgekosten. In einem letzten Schritt setzen die Autoren diese Folgekosten in Bezug zu den aktuell am Markt beobachtbaren Lebensmittelpreisen.

Sie weisen in ihrer Publikation nach, dass insbesondere konventionell hergestellte Lebensmittel tierischen Ursprungs deutlich teurer werden müssten, wenn die aus der Produktion resultierenden Klimafolgen verursachergerecht auf den Preis aufgeschlagen werden würden. Eigentlich müssten Milchprodukte um 91 Prozent teurer sein, als dies heute der Fall ist. Fleischprodukte müssten - Klimakosten inklusive - sogar um 146 Prozent teurer werden. Beim Vergleich der Anbauformen zeige sich, dass die Emissionsmengen der biologischen Landwirtschaft ertragsbereinigt leicht unter der konventionellen Produktionsweise liegen. Aufgrund des höheren Preisniveaus von Biolebensmitteln resultieren hieraus jedoch geringere Preisaufschläge von 40 Prozent für Biomilchprodukte und 71 Prozent für Bio-Fleisch. Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs sind mit einem relativ geringen "Klimarucksack" assoziiert, der sich in beiden Anbauformen im einstelligen Cent-Bereich bewegt.

"Uns selbst überrascht hat der große Unterschied zwischen den untersuchten Lebensmittelgruppen und die daraus resultierende Fehlbepreisung insbesondere tierischer Lebensmittel", berichtet Tobias Gaugler über die Ergebnisse. "Würden diese Marktfehler nicht mehr bestehen oder zumindest verringert, hätte dies große Auswirkungen auch auf die Nachfrage nach Lebensmitteln. Ein Lebensmittel, das deutlich teurer wird, wird auch deutlich weniger nachgefragt", ergänzt Co-Autorin Amelie Michalke.

Die aktuelle Studie bezieht sich primär auf Klimafolgen, die aus der Produktion und dem Konsum von Lebensmitteln resultieren. Nun wollen die Autoren weitere landwirtschaftliche Umweltfolgen untersuchen, die unter anderem aus der Emission von reaktiven Stickstoffverbindungen oder dem Energiebedarf des Agrarsektors stammen. "Hierbei sehen wir unsere Aufgabe als Wissenschaftler primär darin, Daten und Informationen über die Klimawirkung von Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Basis können und - wenn ich es mit einem gewissen Normativitätsanspruch der Nachhaltigkeitswissenschaften so sagen darf - sollten sowohl Bürger als auch ordnungspolitische Akteure ihr Handeln ausrichten", resümiert Gaugler.

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