Region: Augsburg Stadt

Trauergruppe Pantherpower: Hilfe für Jugendliche nach Verlust eines Elternteils

Jugendliche, die einen Elternteil verloren haben, können die Trauergruppe Pantherpower am Uniklinikum besuchen.

Jugendliche seien oft schon mit der eigenen Entwicklung überfordert. Käme dann noch Trauer um einen Angehörigen hinzu, gerate ihre Welt aus den Fugen. Wie das Universitätsklinikum Augsburg (UKA) nun mitteilt, gibt es nun ein Angebot für Jugendliche in solchen Situationen: Die Trauergruppe Pantherpower.

Jonas (Name geändert) hatte sowas von Null Bock. Was soll das denn sein: Trauergruppe Pantherpower. "Und überhaupt", dachte er, "trauern kann ich auch alleine, dafür brauch ich keine blöde Gruppe!" Dann bat jedoch der Vater seinen 13-jährigen Sohn inständig, es doch wenigstens einmal zu probieren. „Wenn es dir nicht taugt, lässt du es halt wieder“, sagte er zu Jonas. Jonas ging hin und kam immer wieder. So gelang es ihm nach und nach, den Krebstod seiner Mama zu verarbeiten. Dann kam Corona – und trauern wurde für Jugendliche wieder zum Einzelschicksal.

Seit Mitte September ist die Pantherpower nun zurück – und damit die Möglichkeit für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren, den Tod eines Elternteils, eines Geschwisters oder eines anderen Angehörigen in der Gruppe mit Schicksalsgenossen und Therapeuten zu begreifen und zu verarbeiten. „Gerade für Jugendliche war so ein Angebot überfällig“, sagt Trauerpädagogin Barbara Waibl, „das gab es in Augsburg so bislang nicht.“

An den Start war die Trauergruppe Pantherpower, gegründet vom Palliativzentrum des UKA, bereits im Januar gegangen. Dreimal trafen sich die Jugendlichen, unter ihnen Jonas, in den Räumlichkeiten im Haus Tobias gegenüber vom UKA. Dann war pandemiebedingt erst einmal Schluss. Jetzt startet die Gruppe wieder, wenn auch mit an die Corona-Regeln angepasstem Angebot. Im Fokus der Gruppe sollen indes nach wie vor Austausch und Gemeinschaft minderjähriger Angehöriger von Patienten stehen, die auf den beiden Palliativstationen am UKA und am UKA Süd versterben. Darüber hinaus ist die Gruppe für alle Kinder und Jugendlichen offen, die einen Angehörigen durch Tod verloren haben. Der Name Pantherpower stehe dabei für die Wandlung der Trauer in einen kraftvollen Neubeginn, berichtet das UKA. „Wir begleiten die Kinder und Jugendlichen dabei mit trauer- und traumapädagogischer Anleitung sowie, wenn nötig, mit psychologischseelsorgerischer Betreuung“, erklärt Waibl, die eine von insgesamt drei Therapeuten im Leitungsteam der Gruppe ist. Musik, Bewegung, kreatives Arbeiten und miteinander Kochen gehören ebenso zum Angebot wie gemeinsames Lachen und Freude haben.

„Ich hätte schreien können vor Wut“, sagt Jonas heute. Sein Vater war mit der Trauer um seine Frau überfordert. Die Gespräche sowohl mit den Gleichaltrigen, die in einer ähnlichen Situation waren wie er selbst, als auch mit den Therapeuten hätten ihm damals, als seine Mama starb, sehr geholfen. „Manchmal hat es schon gereicht, dass jemand nur zuhörte.“ Gerade Jugendliche überrolle ein solches Ereignis geradezu. „Sie fühlen sich oft komisch mit ihrem Körper, verstehen das eigene Verhalten und das anderer oft nicht – und müssen dann den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten. Das ist für viele zu viel“, sagt Waibl, die das Leben in seiner solchen Ausnahmesituation gern mit einem Ruderboot beschreibt: „Die Trauer ist das linke Paddel, Spaß und Party das rechte. Beides gehört im Leben dazu. Benutzt du nur ein Paddel, drehst du dich im Kreis.“

Zu den Angeboten von Pantherpower gehören außerdem die Erweiterung der Altersgruppen bei Bedarf, zusätzliche Einzelbegleitungen der Kinder und Jugendlichen bei Bedarf sowie eine Begleitgruppe für die Eltern.

Für die Trauergruppe Pantherpower für Zwölf- bis 17-Jährige ist eine Anmeldung erforderlich per E-Mail an barbara.waibl[at]uk-augsburg[dot]de oder per Telefon unter 0821/400-25 98 sowie telefonisch über das Sekretariat des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin unter 0821/400-25 20. Finanziert wird die Gruppe durch den Förderverein Menschen brauchen Menschen. (Ines Lehmann)

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