Region: Augsburg Stadt

Tunnel am Augsburger Hauptbahnhof wird später als geplant fertig

Der Rohbau am Augsburger Hauptbahnhof ist inzwischen fertiggestellt. Die Verteilerebene soll ab kommendem Sommer genutzt werden können – die Fertigstellung der Straßenbahnhaltestelle ein Stockwerk tiefer verzögert sich hingegen.

Die Eröffnung der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle am Augsburger Hauptbahnhof wird sich wohl verzögern. Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza am Mittwoch im Stadtrat erklärte, seien dafür vor allem Lieferkettenprobleme aufgrund der Corona-Krise und des Krieges in der Ukraine verantwortlich. Der Rest des Gebäudes soll laut Casazza wohl plangemäß im August 2023 fertiggestellt werden.

Im kommenden Sommer in Betrieb gehen könnten dann also die neue Empfangshalle und das erste Tunnel-Untergeschoss, in dem sich die Zugänge zu den Bahnsteigen mit Rolltreppen und Aufzügen und der Fußgängertunnel Richtung Westen ins Thelottviertel befinden. Der Rohbau des gesamten Bahnhofstunnels ist inzwischen fertiggestellt. Für Fahrgäste des Zugverkehrs werde der Hauptbahnhof also ab Mitte 2023 "voll funktionsfähig" und barrierefrei nutzbar sein.

Wann die Straßenbahnhaltestelle im zweiten Untergeschoss eröffnet werden kann, ist laut den Stadtwerken derzeit hingegen noch unklar. Es könnte sich lediglich um eine Verzögerung um einige Monate handeln, womöglich können die Straßenbahnen den Tunnel aber auch erst im Jahr 2024 anfahren. Fest stehe inzwischen auf jeden Fall, dass die Zeitverzögerung "nicht mehr komplett aufgeholt werden" könne, so Casazza.

Verantwortlich für die Verzögerung sei unter anderem die Corona-Pandemie, die vor allem in China weiterhin zu Problemen in der Logistik führe. Die Fertigstellung der Tramhaltestelle sei dabei "technisch anspruchsvoll", betonte Casazza, und deshalb auf zahlreiche Lieferanten angewiesen. Zu den Problemen in der Logistik seien nun auch noch weltweite Lieferengpässe für technische Bauteile aufgrund des Ukraine-Kriegs hinzu gekommen.

Durch den Tunnel fahren sollten die Straßenbahnen im kommenden Jahr ohnehin noch nicht, denn die Straßenbahntrasse im Anschluss an den Tunnel, auf der künftig vor allem die neue Linie 5 fahren soll, wird ebenfalls erst später fertiggestellt werden. Das Projekt befindet sich nach Verzögerungen weiterhin im Planungsstand – aktuell läuft bei der Regierung von Schwaben das Planfeststellungsverfahren, durch das auch entschieden werden soll, auf welcher Trassenvariante die Stadtwerke bauen dürfen. Das Anschlussstück vom Hauptbahnhof zum Bestandsgleis der Linie 6 an der Luitpoldbrücke ist Teil des Verfahrens. Die Linie 6 sollte deshalb vorerst weiterhin durch die Pferseer Unterführung fahren.

Die Linien 3 und 4 sollten hingegen ab August 2023 bereits die Haltestelle im Tunnel anfahren und in diesem wieder wenden. So sollte der Anschluss von Straßenbahn zu Zug und umgekehrt bereits vor der vollständigen Fertigstellung der neuen Gleise erleichtert werden. Diese Möglichkeit des direkten Umstiegs werde nun laut Casazza "noch ein bisschen auf sich warten lassen".

Laut den Stadtwerken wird mit der teilweisen Inbetriebnahme der Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof, wenn zwei der Straßenbahnen die unterirdische Haltestelle anfahren, ein Großteil des Gesamtprojekts "Mobilitätsdrehscheibe" abgeschlossen sein. Im Zuge dessen ging 2010 die Straßenbahnlinie 6 in Betrieb, wurde bis 2013 der Königsplatz umgebaut und die Linie 3 2021 bis nach Königsbrunn verlängert. Die neue Linie 5 soll das letzte Projekt der Mobilitätsdrehscheibe sein. Der Hauptbahnhofsumbau sei laut den Stadtwerken allerdings das größte Einzelprojekt. Kosten sollte er der letzten Schätzung vor vier Jahren zufolge 230 bis 250 Millionen Euro. Da die meisten Aufträge bereits vergeben seien, gehen die Stadtwerke aktuell noch davon aus, dass der Kostenrahmen von 250 Millionen Euro trotz aktueller Kostensteigerungen nicht überschritten werden muss. Zu 83 Prozent wird der Bahnhofsumbau von Bund und Freistaat bezuschusst.

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