Region: Augsburg Stadt

Ungebremst bis 2023: Wann kommt das A8-Tempolimit?

Unfallursache auf der A8 ist laut Polizei häufig zu schnelles Fahren. Ein Tempolimit könnte laut Experten Schlimmes verhindern.

Ab Mai nächsten Jahres sollen auf der A8 zwischen Eschenried und Neusäß 61 Telematikanlagen errichtet werden. Bürgermeistern entlang der Autobahn dauert das zu lange – sie fordern jetzt bereits ein generelles Tempolimit.

Mindestens bis Mai 2023 können Auto- und Motorradfahrer auf der A8 zwischen der Eschenrieder Spange und Neusäß noch aufs Gaspedal treten. So lange dauert es, bis die Bauarbeiten an den sogenannten Streckenbeeinflussungsanlagen beginnen sollen. Die Schilderbrücken werden laut Angaben der Autobahn GmbH ab diesem Zeitpunkt entlang der jeweils rund 50 Kilometer langen Richtungsfahrbahnen aufgestellt werden. 61 solcher Bauwerke regeln dann das Tempo auf der Fernstraße, können etwa während der Stoßzeiten die Höchstgeschwindigkeit herabsetzen oder vor Staus, Nebel und glatter Fahrbahn warnen.

Wirklich zu sehen ist bis heute nichts

Von der sogenannten Telematik sprechen die Verantwortlichen schon seit Jahren. Der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz (CSU) spricht sich eigenen Angaben zufolge immer wieder für die Anlagen aus. Der ehemalige Neusäßer Bürgermeister berichtet in lockeren Abständen von den Fortschritten entlang der Fernstraße. Nur: Wirklich zu sehen ist dort bis heute nichts. Und das, obwohl seit Herbst 2020 die Zusage aus Berlin vorliegt, das Vorhaben umzusetzen.

Den Bürgermeistern der Anliegergemeinden dauert der gesamte Prozess zu lange. Sie haben sich vergangene Woche in einer Resolution für ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern zwischen Dachau/Fürstenfeldbruck und Ulm sowie ein Überholverbot für Lkw an Steigungen ausgesprochen. Den neun Gemeindechefs, die das Papier unterzeichnet haben, geht das 2021 eingeführte Tempolimit von 120 Stundenkilometern bei Sulzemoos und hinter Friedberg in Richtung Augsburg-West nicht weit genug. Noch immer, heißt es in der Erklärung, sei die Zahl der Unfälle zu hoch, die Belastung der örtlichen Feuerwehren und sonstiger Rettungskräfte zu groß. Lorenz Braun, Bürgermeister von Adelzhausen, hatte sich bereits in der Vergangenheit häufig über die Situation auf der A8 aufgeregt. Rund 80 Prozent der Einsätze der Adelzhausener Feuerwehr, überschlägt Braun, fänden auf der Autobahn statt. Bei gut 100 Einsätzen in jedem Jahr sei das definitiv „viel zu viel“.

„Die Schilder einfach selbst aufstellen“

2020 gab Braun in einer Gemeinderatssitzung genervt an, „die Schilder einfach selbst aufzustellen“, damit „Ruhe ist“. Mit „den Schildern“ meinte er die Einführung eines Tempolimits, bis die Streckenbeeinflussungsanlagen Realität sind.

Dass man aber nicht einfach nach Lust und Laune Tempolimits ausweisen kann, macht Katharina Holzapfel von der Autobahn GmbH auf Nachfrage deutlich. Hierfür seien verschiedene Kriterien ausschlaggebend. Die Unfallkommission, bestehend aus Vertretern der Autobahn GmbH, der Autobahnpolizei sowie der Betreiberfirmen Autobahnplus und Pansuevia, entscheidet dann, wo derartige Maßnahmen notwendig sind. Zum Sinn eines generellen Tempolimits äußert sich die Autobahn GmbH auf Nachfrage nur folgendermaßen: „Die Bürgermeister haben es jetzt gefordert und das Thema wird seinen politischen Weg gehen, über den wir uns auch später wieder mit dem generellen Tempolimit zu befassen haben.“ Bis dahin heißt es also: Abwarten, was das Bundesverkehrsministerium unter Minister Volker Wissing (FDP) aus der Resolution der A 8-Gemeinden macht.

Zumindest in Teilen bewegt sich allerdings etwas, wie auch der Christsoziale Durz noch einmal betont. Seit Juli 2021 stehen westlich von Augsburg, im Raum Adelsried, mobile LED-Tafeln, die das Tempo zeitweise auf 120 Stundenkilometer oder weniger drosseln. Für Durz ist das ein kleiner Erfolg, eine „relativ kurzfristig realisierte Maßnahme“, wie er sagt, ebenso wie einige Umbauten westlich von Augsburg, wo der Asphalt aufgeraut worden ist.

Durz räumt aber auch ein, dass das noch nicht reiche und ihm der ganze Planungs- und Realisierungsprozess der Telematik zu lange dauere. „Ich kann aber leider nicht mehr tun, als immer wieder nachzuhaken und Druck zu machen“, meint er dazu.

Die Dringlichkeit der Angelegenheit sei „offensichtlich“, sagt der 50-Jährige. Immerhin gab es im Jahr 2019 laut Verkehrsstatistik 984 Unfälle allein zwischen Adelzhausen und Günzburg. Das sind mehr als zwei pro Tag, und die Hauptursache bleibt laut Polizei, damals wie heute, überhöhte beziehungsweise nicht angepasste Geschwindigkeit. (bb)

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