Region: Augsburg Stadt

7,5-Minuten-Takt: "Schlag ins Gesicht" für die Mobilitätswende

Die Straßenbahnen sollen in Augsburg nach der Pandemie wieder im Fünf-Minuten-Takt fahren.

Nachdem die Augsburger Stadtwerke auf eigene Faust einen Vorstoß gewagt und angekündigt hatten, die Straßenbahnen auch nach Corona im 7,5-Minuten-Takt fahren zu lassen, hat Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber am Donnerstagabend im Stadtrat Kritik geübt.

"Die Einzigen, die entscheiden können, ob die Stadtwerke zum Fünf-Minuten-Takt zurückkehren oder nicht, das sind Sie", sagte Weber in Richtung ihrer Stadtratskollegen. Um die Stadtwerke in Zeiten der Corona-Pandemie finanziell zu entlasten, wurde der reguläre Fünf-Minuten-Takt für die Straßenbahnen vorübergehend abgeschafft. Derzeit fahren die Trams theoretisch alle 7,5 Minuten.

Wenn es nach den Stadtwerken geht, soll auch nach dem Ende der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen ein "bedarfsorientierter Takt" gefahren werden. Konkret bedeute das aus Sicht des Verkehrsunternehmens, dass zwischen 7 und 20.30 Uhr ein Sechs- oder 7,5-Minuten-Takt herrscht, der bei Bedarf verkürzt werden könne.

"Riesiger Rückschritt für einen zukunftsfähigen ÖPNV"

Die Pläne der Stadtwerke sind nach Ansicht von Michael Leimböck, Verkehrspolitischer Sprecher der ÖDP Augsburg-Stadt, "ein Schlag ins Gesicht" für die Mobilitätswende sowie "ein riesiger Rückschritt für einen zukunftsfähigen ÖPNV in unserer Stadt". Vor dem Hintergrund, weniger Autos in der Stadt haben zu wollen, sei dieser Schritt das falsche Signal. "Der Fünf-Minuten-Takt in Augsburg hat geradezu die Leute angezogen und in den ÖPNV gebracht", so Leimböck.

Schwarz-Grün gegen "vorschnelle Streichung" 

Auch das Regierungsbündnis aus CSU und Grüne sprach sich gegen die "vorschnelle Streichung" des bisherigen Takts aus. „Die Ausgestaltung der Fahrzeiten ist über den Betrauungsakt geregelt und muss vor einer Veränderung in jedem Fall in den politischen Gremien geklärt werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Wir sprechen uns klar gegen diesen Vorstoß aus und erkennen nicht die Notwendigkeit dieses vorschnellen und nicht abschließend diskutierten Vorschlags", sagte Verena von Mutius-Bartholy, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Insgesamt bräuchte Augsburg demnach mehr und nicht weniger Fahrten, um das Ziel der Mobilitätswende zu erreichen und vor Ort Emissionen spürbar zu verringern.

Laut Weber habe es zwischen der Stadt und den Stadtwerken schon öfter Gespräche über den Takt gegeben. Demnach forderte die Stadt konkrete Zahlen, warum das Verkehrsunternehmen vom Fünf-Minuten-Takt abweichen möchte. Die Oberbürgermeisterin stellte im Stadtrat schließlich klar: "Bevor das nicht hier diskutiert wurde, wird sich daran gar nichts ändern." (pb)

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