Region: Augsburg Stadt

Attraktives Wohnquartier statt maroden Einkaufszentrums? Bauausschuss stimmt Plänen für das Schwabencenter zu

Das Schwabencenter an der Friedberger Straße soll in den kommenden Jahren modernisiert und erweitert werden. Ein vierter Turm wird wohl nicht entstehen, ein weiteres Hochhaus ist allerdings geplant.

Das Schwabencenter im Augsburger Stadtteil Herrenbach hat schon bessere Tage gesehen. Der markante Baukomplex an der Friedberger Straße beinhaltet drei Wohntürme, ein Parkhaus und eine in die Jahre gekommene Einkaufspassage. Aufgrund der immer wieder aufgeschobenen Sanierung haben viele Geschäfte Letztere inzwischen verlassen – Leerstände sind die Folge. Seit 2019 hat die Ladenpassage einen neuen Eigentümer, der versprochen hat, zeitnah Verbesserungen umzusetzen. Der neue Investor, die Firma Solidas, plant nicht nur, das Schwabencenter wieder zu einem attraktiven Nahversorger zu machen, sondern auch die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers auf Teilen der Park- und Ladenflächen. Einem entsprechenden Konzept hat der Bauausschuss des Augsburger Stadtrats am Donnerstag zugestimmt.

Die Stadtteile Herrenbach und Spickel sind besonders auf das Schwabencenter als Nahversorger angewiesen. Momentan sei die Ladenpassage allerdings "in einem Zustand, auf den keines der beiden Stadtviertel besonders stolz sein kann", sagte Baureferent Gerd Merkle am Donnerstag. Er stellte dem Bauausschuss die Pläne vor, die die Solidas im vergangenen Jahr, unter "intensiven Gesprächen" mit der Bauverwaltung, entwickelt habe. Die drei Wohnblöcke sind dabei nicht Teil der Planungen, da diese mehreren anderen Eigentümern gehören.

Der Solidas gehören dagegen die Ladenpassage und die Parkdecks. Künftig will das Immobilien-Unternehmen auf diesen Flächen sowie auf weiteren Flächen im Osten des Geländes Wohnbebauung schaffen. Bis zu 150 neue Wohnungen könnten laut Einschätzung der Bauverwaltung auf dem Gelände an der Friedberger Straße entstehen. Um dies zu erreichen, sollen unter anderem die bisherigen Einzelhandelsflächen im westlichen Teil der Passage laut Merkle "sinnvoll komprimiert" werden.

Kein vierter Turm, aber ein weiteres Hochhaus geplant

Vorgesehen ist laut der Bauverwaltung eine "attraktive, urbane Bebauung", die Gewerbe, Dienstleistungen sowie Studenten- und reguläre Wohnungen beinhalten soll. Auch eine neue Grünfläche muss laut städtebaulichem Vertrag in dem neuen Quartier entstehen. Ein vierter Turm in der Höhe der vorhandenen Wohnblocks sei zwar nicht geplant, wohl aber eine "hochwertige Architektur, die auch die Grenze eines Hochhauses reißen könnte", so Merkle. Städtebaulich möglich wäre für den neuen Turm eine Höhe von 30 Metern, das entspricht etwa zehn Stockwerken.

Neben dem Wohngebiet will der neue Besitzer auch die Funktion des Schwabencenters als Nahversorger wiederherstellen und ein "attraktives Stadtteilzentrum" entwickeln. Circa 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche mit einem neuen Angebot strebt der Investor an. Das Nahversorgungszentrum soll außerdem auch optisch aufgewertet werden, unter anderem durch mehr Tageslicht und Ausblicke ins Freie.

Keine Nahversorgung während zweijähriger Bauphase?

Problematisch werden könnte für die Anwohner allerdings die Bauphase. Denn der Edeka-Supermarkt, der aktuell größte Anziehungspunkt des Schwabencenters, muss dann seine Verkaufsfläche verlassen – diese soll abgerissen werden. Nach dem Umbau ist zwar wieder ein Supermarkt im Schwabencenter vorgesehen, dennoch war die in der Zwischenzeit fehlende Nahversorgung auch ein Thema im Bauausschuss.

Allgemein reagierten die Ausschussmitglieder durchgehend positiv auf die vorgestellten Planungen und stimmten deren Weiterführung einstimmig zu. Es sei wichtig, "dass es hier endlich eine Neukonzeption gibt", sagte etwa Astrid Gabler (CSU). Allerdings bräuchten die Anwohner auch weiterhin eine Nahversorgung. Gabler regte an, mit dem Investor zu verhandeln, wie der Einzelhandel möglichst lange erhalten werden kann. Ihr Parteikollege Peter Uhl schlug einen Wochenmarkt im Freien mit regionalen Produkten als mögliche Alternative vor. Ein solcher könne zusätzlich für mehr soziales Miteinander sorgen und schaffe "für das ganze Quartier einen Mehrwert ohne Ende".

Ähnlich sah es die Oppositionsfraktion aus SPD und Linken. Er freue sich auf das neue Schwabencenter, sagte Gregor Lang (SPD). Eine "Nahversorgungspause" von zwei Jahren während des Baus gehe aber gar nicht. "Das ergäbe ähnliche Schwierigkeiten, und noch viel mehr, wie über die Jahre am Zwölf-Apostel-Platz in Hochzoll", betonte er. Denn viele ältere Anwohner seien auf den Supermarkt angewiesen. "Da muss mit dem Investor eine Lösung gefunden werden", forderte Lang.

Nach der positiven Entscheidung des Bauausschusses kann nun ein Architekturwettbewerb für das neue Quartier sowie ein entsprechender Bauantrag vorbereitet werden. Mit der Umsetzung könnte dann womöglich 2022 begonnen werden.

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