Region: Augsburg Stadt

Augsburg soll "Blue City" werden

Im Biomasse-Heizkraftwerk in Lechhausen erzeugen die Stadtwerke CO2-neutrale Wärme und Strom aus Holzresten, die bei Waldarbeiten übrigbleiben. Das vom Stadtrat beschlossene Klimaschutzprogramm sieht unter anderem den Bau eines weiteren solchen Kraftwerks vor.

Der Augsburger Stadtrat hat in seiner Sommersitzung am Donnerstag das "Blue City Klimaschutzprogramm" beschlossen. Dieses beinhaltet konkrete Maßnahmen, wie Augsburg klimaneutral werden kann, und beruht auf den Ergebnissen einer Klimastudie, die bereits 2020 in Auftrag gegeben wurde.

Das Urteil der beauftragten Kommunalberatung fiel im November vergangenen Jahres durchaus ernüchternd aus. Die Einhaltung des Anfang 2021 im Stadtrat beschlossenen Restbudgets von 9,7 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 – so viel bliebe Augsburg, gemessen am prozentualen Anteil an der Weltbevölkerung, bis zur Klimaneutralität übrig, um weltweit das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen – sei "nicht realistisch. Zumindest bis zum Jahr 2040 könnten laut den Experten die CO2-Emissionen jedoch so weit reduziert werden, dass das zweite Budget von 20 Millionen Tonnen und damit das 2-Grad-Ziel eingehalten werden könnten.

Auf Basis der Studienergebnisse beauftragten die Stadträte Ende 2021 die Verwaltung mit der Erarbeitung eines „Augsburger Klimaschutzprogramm 2030“. Dieses hat der Stadtrat nun in der letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen. Es trägt künftig allerdings den Namen "Blue City Klimaschutzprogramm“. Blue City sei die Idee einer Stadt, in der „klimafreundlich“ mehr ist als nur grün: In der ressourcenschonende Innovationen, digitale Technologien und gemeinsames Handeln das Klima zusätzlich verbessern, heißt es von der Stadt.

Als 7-Säulen-Modell konkretisiert das Programm unter Berücksichtigung bereits bestehender Beschlüsse wie dem Augsburger Standard für nachhaltiges Bauen oder einer Solarpflicht für städtische Gebäude den Augsburger Fahrplan für Klimagerechtigkeit. Es beinhaltet konkrete Ziele und Maßnahmen mit möglichst hohem CO2-Minderungspotenzial, die auf den Empfehlungen der Klimastudie in den Handlungsfeldern Stromversorgung, Wärmeversorgung und Mobilität basieren. Dazu zählen etwa eine bis 2035 klimaneutrale Stadtverwaltung, was im Bereich Wärme 86.625 Tonnen CO2 einspart, der Bau eines weiteren Biomasse-Heizkraftwerkes, um den Anteil erneuerbarer Energien an der Fernwärmeversorgung zu steigern, oder die Renaturierung von Mooren, die als effektive CO2-Senken eine wichtige Rolle spielen.

"Das Programm kann den Klimaschutz maßgeblich beschleunigen und die Zukunftsfähigkeit der Kommune sichern, wenn es kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt wird", sagt Peter Rauscher, Fraktionsvorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion.

Das Konzept wurde unter Federführung der Klimaschutzabteilung der Stadt Augsburg gemeinsam mit Fachämtern, städtischen Tochtergesellschaften, dem Augsburger Klimabeirat, lokalen Umweltverbänden und -organisationen sowie Bürgern entwickelt.

Entscheidend sei aber auch die Mitwirkung der Augsburger Unternehmen etwa im Rahmen des Klimapakts Augsburger Wirtschaft. "Das Bilanzierungstool Klimaschutz-Planer zeigt: Über 50 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen in der Stadt werden in den Bereichen ,Industrie' und ,Gewerbe, Handel, Dienstleistungen' verursacht", teilt die Stadt mit.

Die Umsetzung der anstehenden Klimaschutzmaßnahmen setzt neben den notwendigen personellen Ressourcen auch entsprechende finanzielle Mittel voraus. Daher war am Donnerstag die Verteilung einer gebildeten Rücklage in Höhe von sechs Millionen Euro für den Klimaschutz Thema im Stadtrat.

Einige Räte zeigten sich unzufrieden damit, wie die Verwaltung gedenkt, die Gelder einzusetzen. Roland Wegner (V-Partei³) sprach gar von "haushaltstechnischen Tricks", da es teils um Maßnahmen gehe, die ohnehin nötig wären und nun unter Klimaschutz laufen würden. "Sie wollen uns doch nicht erzählen, dass Sie ein Jahr alte Lampen in den Straßenlaternen austauschen wollen", kritisiert Wegner. Vielmehr würden jene Leuchtmittel erneuert, die in die Jahre gekommen sind und routinemäßig ausgewechselt werden müssten. Als unnötig erachteten mehrere Stadträte außerdem die Umsetzung eines städtischen Förderprogramms für (E-)Lastenräder.

"Wir diskutieren und diskutieren. Wir müssen endlich was tun", sagte CSU-Fraktionschef Leo Dietz. Er verstehe nicht, wieso immer nur kritisiert werde, wenn sich die Verwaltung auf den Weg mache und Konzepte entwickle. (pb)

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