Region: Augsburg Stadt

Augsburg streitet über Monitore im Schaufenster

Zwei Monitore des Geschäfts "Sportkind" am Augsburger Rathausplatz sorgen für Diskussionen.

Zwei Monitore sorgen in der Augsburger Stadtpolitik aktuell für Diskussionen: Die Geräte sind etwa einen auf zwei Meter groß, stehen in den Schaufenstern des Mitte Juni am Rathausplatz eröffneten Geschäfts "Sportkind" – und verstoßen gegen den Denkmalschutz. Entfernen wollen die beiden Inhaberinnen die Bildschirme, die wechselnde Bilder der Kollektion zeigen, nicht. Sie schalteten einen Anwalt ein und drohten damit, mit dem Laden doch in eine andere Stadt zu ziehen. 

Der Bauausschuss erarbeitete daraufhin einen Kompromiss-Vorschlag, laut dem die Gründerinnen einen der Monitore weiter betreiben dürften, allerdings in einem Schaufenster, das nicht direkt am Rathausplatz liegt. In Richtung Rathausplatz dürfte nur ein kleinerer Bildschirm zum Einsatz kommen. Zu dem Kompromiss hat sich das Geschäft bislang noch nicht öffentlich geäußert, wohl aber Oberbürgermeisterin Eva Weber, die dafür nun Kritik aus der Opposition erntet.

Nach der Entscheidung im Bauausschuss kündigte Weber an, weitere Gespräche mit den Stadtratsfraktionen führen zu wollen, um den den Sportkind-Gründerinnen eventuell doch noch entgegen kommen zu können. Eigentlich könnte Sportkind eine Augsburger Erfolgsgeschichte sein: Zwei Augsburgerinnen gründeten das Label für Sportklamotten und vertrieben diese zunächst übers Internet, ehe sie beschlossen, in ihrer Heimatstand das erste Geschäft zu eröffnen. Sie zogen damit an eine prominente Stelle in der Innenstadt, die Ecke des Rathausplatzes zur Philippine-Welser-Straße, und in eine Ladenfläche, die zuvor rund zwei Jahre leer stand. Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle sprach von einer "gezielten Förderung eines inhabergeführten lokalen Unternehmens" und freute sich über ein "individuelles Ladenkonzept als physische Anlaufstelle für die Besucherinnen und Besucher". Eine Schließung des erst vor wenigen Wochen eröffneten Geschäfts dürfte in der Stadtpolitik wohl niemanden erfreuen.

Allerdings gibt es unterschiedliche Ansichten, wie mit der Situation umgegangen werden sollte. Während sich OB Weber wohl eine Duldung der Monitore vorstellen konnte, sah der Bauausschuss die rechtlichen Hürden dafür als zu groß an. In einer ersten Sitzung lehnten die Ausschussmitglieder die Monitore komplett ab, ehe sich die Inhaberinnen an die Öffentlichkeit wandten und es in einer weiteren Sitzung zumindest zu dem Kompromissvorschlag kam. Mehr ist laut Meinung vieler Fraktionen nach den aktuellen rechtlichen Vorgaben allerdings nicht machbar. Die Bildschirme sind nach Ansicht der Denkmalschutzbehörde schlichtweg zu groß.

Für Unmut sorgt nun, dass Weber trotz der Entscheidung des Bauausschusses weiter nach einer anderen Lösung suchen will. Die Oberbürgermeisterin schrieb unter anderem auf den Sozialen Medien, man dürfe nicht "Tag um Tag jammern, dass das Geld für Schulen, Bäder, neue Verkehrsformen und Klimaschutz fehlt" und gleichzeitig denen, die "im wahrsten Sinne des Wortes dafür bezahlen, mit bürokratischen Fallstricken das Leben schwer machen". Die Stadt brauche mutige Unternehmer, die als Steuerzahler zum Gemeinwesen beitrügen. "Deswegen werde ich mich beim Stadtrat in aller Deutlichkeit und Klarheit dafür einsetzen, hier eine gute Lösung für Sportkind und eine noch bessere Lösung für unsere Innenstadt zu finden", so Weber.

Offiziell diskutiert wird das Thema wohl erst wieder in der nächsten Bauausschusssitzung im September – nach der Sommerpause. Doch bereits jetzt haben einige Oppositionsfraktionen ihre Meinung abgegeben. SPD und Linke schreiben in einer Pressemitteilung, Webers Vorgehen zeige, "wie wenig Respekt die OB gegenüber den demokratischen Beschlüssen des Fachausschusses, ihres Baureferenten Merkle und den Stadträten und Stadträtinnen" habe. "Auch wir wollen die Innenstadt stärken, deshalb haben wir im Bauausschuss ja lange diskutiert", wird SPD-Stadtrat Gregor Lang zitiert. "Die Verwaltung, deren Chefin die OB ist, hat klar gemacht, dass es keine andere rechtliche Möglichkeit gibt. Da würde mich interessieren, was zur nun geänderten Rechtsauffassung führt." Noch härtere Worte findet die Stadtratsfraktion aus Freien Wählern, FDP und Pro Augsburg. Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) wirft Weber ein Vorgehen wie in "Bananenrepubliken" vor: "Soll der Bauausschuss solange Entscheidungen treffen, bis eine der Oberbürgermeisterin genehme Entscheidung erfolgt?", fragt die Fraktionsvorsitzende.

Die Oppositionsfraktionen fordern eine allgemeine Überarbeitung der Denkmalschutzvorschriften. Auch die Oberbürgermeisterin hat diese Möglichkeit bereits ins Spiel gebracht. Ob die Sportkind-Inhaberinnen darauf warten wollen, ist allerdings ungewiss.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X