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Augsburger SPD will den Neuanfang: Dirk Wurm übernimmt Vorsitz von Ulrike Bahr

Profilbild vonFreier Mitarbeiter Hans Blöchl aus Augsburg-Lechhausen
Anna Rasehorn, Dirk Wurm, Lara Hammer und Julian Enders (von links) führen künftig die SPD in Augsburg.

Nach über elf Jahren hat die Augsburger SPD einen neuen Vorsitzenden gewählt. Dirk Wurm übernahm das Amt am Freitag von der Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr. Der ehemalige Augsburger Ordnungsreferent will etwas tun gegen den Rückgang der Augsburger Wählerzahlen in den vergangenen Jahren.

„Mit Mut in die Zukunft“ lautete das Motto des Leitantrags bei der Jahreshauptversammlung der SPD Augsburg am Freitag. Dieser wohl eher zur Selbstaufmunterung dienende Titel drückte auch ein wenig die Stimmung auf dem Parteitag aus. An einen dauerhaften Erfolg nach dem Sieg der SPD bei der Bundestagswahl scheint die Partei in Augsburg noch nicht so richtig zu glauben. Zwar ist man in Augsburg froh, dass mit Ulrike Bahr erneut eine SPD-Abgeordnete aus der Stadt im Bundestag vertreten ist – Euphorie kam ob dem Ergebnis der Augsburger SPD am Wahlabend dennoch nicht auf. So fiel die Verabschiedung von der scheidenden Augsburger SPD-Vorsitzenden nun zwar freundlich, aber etwas verhalten aus. Das Wahlergebnis ihres Nachfolgers Dirk Wurm war mit 80 Prozent Zustimmung ohne Gegenkandidat dann auch kaum Grund zur Freude.

Schleichender Niedergang der Partei in der Ära Bahr

Bahr hatte nach über elf Jahren den Vorsitz der Partei abgegeben, weil sie "nicht mehr den vollen Rückhalt im Vorstand spürte“, wie sie in ihrem Rechenschaftsbericht sagte. Sie hatte das Amt 2010 vom damaligen Vorsitzenden Heinz Paula nach einer schweren Niederlage bei der Kommunalwahl 2008 übernommen. Damals löste Kurt Gribl (CSU) den amtierenden Oberbürgermeister Paul Wengert (SPD) ab. Seitdem hat die SPD keinen Bürgermeister mehr gestellt, Dirk Wurm war zuletzt Eva Weber unterlegen.

Bahr wurde 2013 erstmals und nun im September zum dritten Mal in den Bundestag gewählt. Den schleichenden Niedergang der Augsburger SPD, der sich unter anderem in der Reduzierung von damals 23 auf heute neun Mitglieder im Stadtrat ausdrückt, konnte sie aber nicht aufhalten. In Bahrs Amtszeit ging der Augsburger Partei auch das zweite Landtagsmandat verloren.

Niemand kreidete ihr diese Niederlagen beim Parteitag offen an – die Kritik an einer möglicherweise "zu geringen Strahlkraft" wurde höchstens in privaten Gesprächen angebracht. Denn Bahr galt und gilt unter Parteikollegen sowohl im Wahlkreis als auch im Bundestag als sehr engagiert, was sich zuletzt auch in ihrer Wahl in den Vorstand der SPD-Landesgruppe im Bundestag niederschlug. Die Augsburger Partei krankt zudem seit Jahren daran, dass sie ihre früheren Hochburgen wie den Bärenkeller oder Oberhausen mehr und mehr verliert. Die Stadtgesellschaft in der Innenstadt wendet sich dagegen immer mehr den Grünen zu.

Schwerpunkt innerparteiliche Erneuerung

Dirk Wurm will mit der Augsburger SPD nun wieder zu alter Stärke zurückfinden und macht sich die Erneuerung der Partei zur Aufgabe. In seiner Antrittsrede betonte er, er wolle die Probleme der Partei "in einem Team" angehen. Der Leitantrag beinhaltet weniger politische Positionen als Arbeitsaufträge für den neuen Vorstand der SPD-Unterbezirks. Diese betreffen etwa die Überprüfung der Parteistruktur, die Mitgliederentwicklung und die interne Kommunikation.

Als politische Aufgaben werden die „sozial-ökologische Erneuerung der Wirtschaft“, das „Miteinander sicher, sozial und solidarisch“ und „Wohnen, Mobilität und Bildung in der Stadt“ genannt. Dazu will die Partei bis in spätestens zwei Jahren zum Landtagswahlkampf 2023 grundlegende Position erarbeiten. Als Ziel wird die Wiedererringung eines zweiten Landtagsmandates ausgegeben.

Wenig Raum blieb beim Parteitag für die Auseinandersetzung mit den politischen Konkurrenten. Nur der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Florian Freund, kritisierte vehement die derzeitige Stadtregierung aus Grünen und CSU. Er warf der Stadtspitze etwa vor, die Stadt „nur zu verwalten und nicht zu gestalten“. Versäumnisse im Zuge der Pandemie, die Verzögerung beim Bahnhofsumbau und die zu erwartende Kostenexplosion beim Theater nannte er unter anderem als Beispiele für das „Versagen von Schwarz-Grün“.

Vorstand erneuert und verkleinert

Der gewünschte Neuanfang in der Partei zeigt sich neben der Wahl von Dirk Wurm auch in Veränderungen beim restlichen Unterbezirksvorstand. Neben Ulrike Bahr schieden unter anderem auch der Gewerkschafter Michael Knuth, Bezirksrat Volkmar Thumser und der ehemalige Ortsvereinsvorsitzende Christian Gerlinger aus dem Vorstand aus. Das Gremium wurde verkleinert. Als Stellvertreter fungieren nun Julian Enders aus Göggingen, Stadträtin Anna Rasehorn aus Pfersee und Lara Hammer. Letztere hatte in den vergangenen Jahren die Wahlkämpfe der Partei geleitet.

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