Region: Augsburg Stadt

Augsburger Staatstheater wird erneut teurer und später fertig

Seit 2019 läuft der Umbau des Großen Hauses des Augsburger Staatstheaters. Die Wiedereröffnung verschiebt sich nun wohl auf Ende 2027.

Die Fertigstellung des Augsburger Staatstheaters wird sich wohl um ein Jahr nach hinten verschieben, und auch die geschätzten Kosten für das Sanierungs- und Bauprojekt steigen weiter. Das hat das Baureferat am Montag auf einer Informationsveranstaltung für Stadträte bekannt gegeben. Der bislang beschlossene Kostenrahmen, der 2020 bei 320 Millionen Euro lag, kann wohl nicht eingehalten werden. Stattdessen könnten es bis zu 340 Millionen Euro werden.

Selbst diese Schätzung ist laut Referent Gerd Merkle und einem Unternehmen für Kostenkontrolle aktuell kaum belastbar. Es sei "unseriös" zu sagen, man wisse, wie sich die Preise weiter entwickeln, betonte Kostenkontrolleurin Elisabeth Krön. Vor 2020 habe man mit Preissteigerungen zwischen 2,5 und 5 Prozent gerechnet. Inzwischen sei die Entwicklung "deutlich volatiler". Gründe hierfür seien die Pandemie und der Ukraine-Krieg und daraus folgende Lieferkettenprobleme sowie erhöhte Energiepreise.

Von Materialknappheit sei das Staatstheater laut Merkle bislang weitgehend verschont geblieben. Diese könne aber noch "massive Auswirkungen" haben. So soll in diesem Jahr der Auftrag für eine große Stahlkonstruktion im Bühnenturm ausgeschrieben werden. "Da habe ich Respekt davor", sagte Merkle. Stahl sei "momentan eine Mangelware".

Großes Haus wird ein Jahr später als geplant fertig

Die Schätzung auf 340 Millionen Euro geht laut Merkle davon aus, dass die Baupreisindexierung nicht weiter steigt. Sollten die Kostensteigerungen exponentiell weitergehen und in der Folge für einzelne Aufträge keine wirtschaftlichen Angebote mehr vorliegen, müsse man künftig womöglich Ausschreibungen zurücknehmen und entweder umplanen oder europaweit ausschreiben.

Ein Teil der Kostensteigerung ergibt sich bereits jetzt aus der Verzögerung der Fertigstellung. Das Große Haus soll Ende 2027 fertig werden, ein Jahr später als geplant. Schuld daran ist laut Stadt eines der Planungsunternehmen, das seine Leistungen nicht erbracht habe. Die Aufgaben hat nach einer erneuten Ausschreibung ein lokales Ingenieurbüro übernommen.

Bauteil 2 verzögert sich um eineinhalb Jahre

Auch beim Bauteil 2, der zwei Neubauten – das Kleine Haus und das Betriebsgebäude – umfasst, kommt es zu Verzögerungen von rund eineinhalb Jahren. Das Kleine Haus soll im Dezember 2028 eröffnen. Ein Grund für den späteren Termin ist die Umplanung, die nach einem extremen Kostensprung im Jahr 2019 nötig wurde. Durch das aktualisierte Konzept drückte Architekt Walter Achatz die Gesamtkosten auf prognostizierte 321 Millionen Euro. Ursprünglich hätte das Staatstheater höchstens 186 Millionen Euro kosten sollen.

Weitere Verzögerungen werden das Projekt aufgrund der Baukostensteigerung insgesamt teurer machen – laut Merkle um circa 17 Millionen Euro pro Jahr. Einsparungsmaßnahmen, die erneute Umplanungen erfordern, empfehlen die Kostenkontrolleure deshalb nicht. Die Weiterführung des Projekts wie geplant sei laut Elisabeth Krön in der aktuellen Situation "das Richtige". Sie könne als unabhängige Instanz eine "hohe Sorgfalt auf Ebene aller Beteiligten bestätigen".

Schwarz-Grün steht weiter hinter dem Großprojekt

Architekt Walter Achatz stellte den Stadträten am Montag den aktuellen Stand der Planungen und neue Visualisierungen vor. Im Kleinen Haus sollen sich demnach zwei mehrstöckige Glasfoyers zum Kennedy-Platz und zur Volkhartstraße öffnen. In dem Gebäude mit seiner dreieckigen Form, wird ein hexagonförmiger Bühnenbereich untergebracht. "Diese Form ist meines Wissens nach einzigartig", sagte Staatsintendant André Bücker. Die Bühne sei "ein großer Wurf" und lade zum experimentieren ein. "Es ist kein Geheimnis, wenn ich sage: Ich hätte es mir schneller gewünscht", sagte Bücker aber auch über das Gesamtprojekt.

Im Juni soll der Stadtrat seine Zustimmung zu den nächsten Sanierungsschritten geben. Die Regierungskoalition aus CSU und Grünen gab bereits bekannt, dass man hinter dem Projekt stehe. "Die Debatte um steigende Kosten ist nachvollziehbar und wir versichern, dass wir die Belastung des städtischen Haushalts nicht auf die leichte Schulter nehmen", wird CSU-Fraktionsvorsitzender Leo Dietz in einer Presseerklärung im Nachgang der Veranstaltung zitiert. Es entstehe ein Baudenkmal für Generationen. "Deswegen lohnt es sich, für dieses Projekt zu kämpfen", so Dietz.

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