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Augsburger Stadtrat beschließt Luftfilter in Klassenzimmern

Für die Klassenzimmer der Jahrgansstufen 1 bis 6 will die Stadt Augsburg nun Luftfilter beschaffen.

Für die Klassen der Jahrgangsstufen 1 bis 6 will die Stadt Augsburg nun mobile Luftreinigungsgeräte beschaffen. Das hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen, obwohl die Stadtregierung und die Fraktionen eher skeptisch sind, was die Wirksamkeit der Luftfilter angeht. Dennoch habe man sich laut Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) aus "großer Sorge davor, dass ab einer bestimmten Inzidenz Schulen geschlossen werden müssen, die keinen Luftfilter haben", zu diesem Schritt entschieden.

Vor rund drei Wochen hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, dass in jedem bayerischen Klassenzimmer ein Luftreinigungsgerät stehen müsse. Weber sprach von einem "Ei, das wir nun ausbrüten müssen", welches der Freistaat den Kommunen gelegt habe. Obwohl der Freistaat die Kommunen im Zuge der Pandemie stets gut unterstützt habe, hätten Söders Äußerungen für Verunsicherung gesorgt und gerade bei Eltern eine gewisse Erwartungshaltung geweckt. Wie Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne) beteuerte, sei man sich durchaus bewusst, dass es sich um "ein sensibles und emotionales Thema" handle, weil es um die Gesundheit der anvertrauten Kinder und Lehrkräfte geht.

Weber warnte Eltern vor dem Trugschluss, dass nun alles gut sei, nur weil künftig Technik in den Klassenzimmern stehe. "Es gibt keine einzige Studie, die die Wirksamkeit der Luftfilter zu 100 Prozent bestätigt", betonte die Rathauschefin. Zudem könne auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit keine konkreten Empfehlungen geben, welche Geräte angeschafft werden sollen. Derzeit werde die Stadt regelrecht mit Angeboten überflutet, so Wild. Man wolle allerdings keine falschen Geräte in die Klassenzimmer stellen. Obwohl die Stadt seit Wochen mit Herstellern in Kontakt steht, sei unklar, ob die Luftfilter bis Schulstart geliefert werden können. "Europaweite Ausschreibungen sind da nicht das adäquate Mittel", kritisierte Wild den Freistaat.

Insgesamt benötigt Augsburg für die öffentlichen Schulen etwa 750 Geräte, die insgesamt knapp 2,45 Millionen Euro kosten sollen. Bis zu 50 Prozent davon möchte der Freistaat fördern. Geplant sind Luftfilter zunächst für die Räume der 1. bis 6. Klassen, da für Kinder unter zwölf Jahren bislang kein Impfangebot gemacht werden kann. In höheren Jahrgangsstufen, deren Schüler geimpft werden können, sowie in Kindergärten, wo Abstände ohnehin nicht eingehalten werden, wird es vorerst keine Geräte geben.

„Luftfilter sind kein Allheilmittel, aber ein Baustein", sagte Tatjana Dörfler (SPD) und warf der Stadtregierung vor, zu spät zu handeln: "Es gab bereits zwei Förderprogramme des Freistaats. Beim ersten gab es 100 Prozent Förderung für nicht belüftbare Klassenräume, beim zweiten Förderprogramm gab es 50 Prozent Förderung für alle Klassenzimmer." Die Stadt habe im Rahmen des ersten Programms gerade einmal 35 Geräte beschafft und im Zuge der zweiten Förderrunde keinen einzigen. "Das ist für mich nahezu fahrlässig", so Dörfler.

Weber erwiderte, dass eine falsche Handhabung der Luftreinigungsgeräte den umgekehrten Effekt haben könnte. Denn die Luftfilter allein würden nicht viel bringen. Ausschlaggebend sei die Kombination aus allen Hygienemaßnahmen. Weber warnte vor einem massiven Infektionsgeschehen in den Schulklassen, wenn die Lüftungsdisziplin aufgrund der Geräte schleifen gelassen wird. Denn das Lüften sei nach wie vor am wirksamsten, darin waren sich die Fraktionen einig. Weil im Winter trotz klarer Regelungen nicht in allen Klassen stoßgelüftet werde, sei die Anschaffung der Geräte wichtig.

Mit Beschluss vom Donnerstag will die Stadt unverzüglich in die Ausschreibung gehen. Einzig die AfD-Fraktion stimmte gegen die Beschaffung der Luftfilter, da die Wirksamkeit bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden könne. Entsprechende Förderprogramme für die Filter gibt es bislang ausschließlich in Bayern und Baden-Württemberg. "Die anderen Bundesländer werden folgen", sagte Wild. (pb)

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