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Bahnstrecke Augsburg-Ulm: Kein barrierefreier Ausbau der Bahnhöfe?

Mit den Planungen für die Bahnstrecke zwischen Augsburg und Ulm ist auch die Zukunft der Bahnhöfe an der Bestandsstrecke verknüpft. Inzwischen gibt es Zweifel, ob die Bahn den barrierefreien Ausbau umsetzt.

Eigentlich sollten mit dem Bau eines dritten Bahngleises zwischen Augsburg und Dinkelscherben auch die Bahnhöfe ertüchtigt und vor allem barrierefrei ausgebaut werden. Inzwischen haben sich die Pläne der Bahn geändert und es kommen Zweifel auf an der Zusage zum barrierefreien Ausbau.

Die Bahnstrecke zwischen Augsburg und Ulm steht momentan auf dem Prüfstand. Um im Deutschlandtakt zu funktionieren, muss die Fahrzeit für den ICE-Fernverkehr zwischen den beiden Städten drastisch gesenkt werden, auf 26 Minuten. Noch wird nach der optimalen Variante gesucht: Ausbau des Bestands, ein Teilneubau oder doch gleich ganz neu? Ein weiteres Ziel scheint allerdings aus dem Fokus geraten zu sein. Die Gemeinden entlang der Bestandsstrecke hatten gehofft, dass im Zuge eines Ausbaus auch die Bahnhöfe neu gestaltet würden – vor allem die Barrierefreiheit ist an vielen Haltepunkten nicht gewährleistet. Doch vieles deutet bereits jetzt darauf hin, dass sich das Fahrtzeitenziel mit einem bloßen Ausbau des Bestands nicht realisieren lassen wird. War es das also mit der Barrierefreiheit an den Bahnhöfen?

So scheint es, denn die Äußerungen vom Leiter des Bahnprojekts Ulm-Augsburg, Markus Baumann, während einiger Gemeinde- und Stadtratssitzungen in der Region können nicht anders verstanden werden. Auf Nachfrage von Gemeinderäten, wie es denn nun um den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe bestellt sei, gab Baumann unter anderem die Auskunft, dass der Ausbau nicht mehr garantiert sei.

Das wiederum irritiert den Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz. „Der Projektleiter der Bahn hat den Auftrag, eine Fernverkehrsstrecke zwischen Ulm und Augsburg zu planen. Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, dass er sich in jeder Gemeinderatssitzung gegen den Ausbau der Bestandsbahnhöfe positioniert“, so Durz. "Es gibt eine klare und hinterlegte Zusage aus dem März 2020 seitens des Infrastrukturvorstandes der DB AG, Ronald Pofalla, gegenüber mir und meinem Kollegen Ulrich Lange, dass im Zuge des Bahnprojekts Ulm-Augsburg auch die Barrierefreiheit an den Bahnhöfen entlang der Bestandsstrecke geplant wird“, sagt der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz klar.

Tatsächlich ist in einer Pressemitteilung der DB AG aus dem März 2020 nachzulesen: "Im Zuge des Bahnprojekts Ulm–Augsburg wird in den kommenden Jahren auch die Barrierefreiheit an allen Bahnhöfen der bestehenden Strecke geplant."

Zwar kann Durz verstehen, dass für die von der Bahn eingesetzte Projektgruppe „Ulm-Augsburg“ die Planung der Streckenführung Priorität habe. „Für die Realisierung dieses Jahrhundertprojekts benötigen wir jedoch die Akzeptanz und Unterstützung der Menschen vor Ort. Hierzu gehört neben der Realisierung des nötigen Lärmschutzes zwingend auch die Modernisierung und der barrierefreie Umbau der Bestandsbahnhöfe“, ist er überzeugt.

Auch Äußerungen, der Bund habe die Zusage für die Planung der Bestandsbahnhöfe zurückgenommen, kann Durz nicht nachvollziehen. Bei einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium mit dem parlamentarischen Staatssekretär, Enak Ferlemann, und dem Leiter der Abteilung Eisenbahn, Hugo Gratza, sei auf ausdrückliche Nachfrage bestätigt worden, dass das Bundesverkehrsministerium die barrierefreie Planung der Bestandsbahnhöfe nicht zurückgenommen habe. Für Durz gebe es deswegen keinen Grund, an der Zusage der DB AG zur Planung der Bahnhöfe entlang der Bestandsstrecke zu zweifeln.

Spätestens wenn eine Vorzugsvariante für die künftige Fernverkehrsstrecke zwischen Augsburg und Ulm gefunden ist, muss die Bahn Farbe bekennen, wie es mit den Bahnhöfen weitergehen soll. Das wird voraussichtlich aber erst 2024 der Fall sein.

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