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Bund Naturschutz fordert "Jahrzehnte der Renaturierung" für den Lech

So könnte sich etwa der Stausee Lechbruck nach Vorstellung des Bund Naturschutz entwickeln: Ein Wasserkraftwerk am linken Flussarm, frei fließendes Wasser auf der rechten Seite.

Über weite Strecken hat der Lech in Bayern heutzutage wenig gemein mit dem wilden Alpenfluss, der sich eigentlich mit enormer Kraft seinen Weg durch die Landschaft bahnen könnte. Der Fluss wurde begradigt, aufgestaut und mit zahlreichen Wasserkraftwerken ausgestattet. Das kritisiert der Bundnaturschutz. Der Lech sei der "begradigste, verbauteste und geschundenste Fluss" im Freistaat, sagte Christine Margraf, Gewässerexpertin beim Bund Naturschutz Bayern, in der vergangenen Woche. Die Naturschützer fordern eine Veränderung und haben deshalb am Donnerstag ein Zukunftsprogramm für den Lech vorgestellt.

Sie möchten den Lech wieder in einen naturnäheren Zustand versetzt sehen. Gute Gründe dafür gibt es laut dem Bund Naturschutz viele. Zum einen habe sich der Lech inzwischen stark eingetieft, unter anderem weil Geschiebe wie Sand und Gestein durch die vielen Staustufen nicht im Fluss weitertransportiert werden kann. Die Eintiefung hat eine Absenkung des Grundwassers zufolge – auch in Augsburg, wie der Vorsitzende der Augsburger Kreisgruppe, Johannes Enzler, betonte. Das führe etwa dazu, dass die Stadtbäche immer öfter trocken fallen.

Der Lech habe durch die Verbauung viel seiner Dynamik verloren, betont der Bund Naturschutz auch. "Wir sehen, wie sehr der Lech seinen Flusscharakter verloren hat", sagte Folkhart Glaser, Vorsitzender der Kreisgruppe Landsberg am Lech. Dies habe sich etwa am Blaualgen-Befall im Mandichosee an der Staustufe 23 gezeigt, durch den im Jahr 2019 mehrere Hunde starben.

Durch die Begradigung des Flusses gibt es außerdem immer weniger Auenlandschaften, die einen der artenreichsten Lebensräume in Europa darstellten, so Margraf. Intakte Auen seien nicht nur wichtig für die Biodiversität, sondern auch für den Menschen, dank Beiträgen zum Klimaschutz, zum Hochwasserschutz und einer "ganz anderen Naherholungsqualität".

"Nach Jahrzehnten der Verbauung sind nun Jahrzehnte der Renaturierung angesagt", forderte Margraf. Im Zukunftsprogramm "Lech 21" macht der Bund Naturschutz Vorschläge, wie sich der Lech verändern soll. Eine der Forderungen ist eine verbesserte Geschiebedurchgängigkeit, die der Bund Naturschutz durch strengere Auflagen für Energieerzeuger erreichen will. Mehrere Konzessionen für Staustufen laufen ab 2034 aus, etwa in Landsberg und Gersthofen. Die Staatsregierung müsse künftig dafür sorgen, dass nur Staustufen eine Genehmigung erhalten, durch die der Fluss Geschiebe transportieren kann.

Außerdem wünscht sich der Bund Naturschutz eine Renaturierung des Flussbettes. Das Renaturierungs-Projekt "Licca Liber", das zwischen der Staustufe 23 bei Merching und der Mündung in die Donau realisiert wird, sei zwar schön – da müsse man das verantwortliche Wasserwirtschaftsamt Donauwörth "durchaus mal lobend erwähnen", sagte Johannes Enzler – allgemein sei der Fortschritt am Lech jedoch deutlich zu langsam. Im Landkreis Aichach-Friedberg könne man etwa "wertvolle Naturschutzgebiete" wie die Kissinger Heide oder den Lech-Auwald bei Todtenweis ausweiten, schlug Ernst Haile, Vorsitzender der Kreisgruppe Aichach-Friedberg, vor. Die Uferverbauung müsse zurückgebaut werden, damit das Wasser wieder in die Fläche fließen kann. Dadurch könne die Eintiefung des Lechs gestoppt und auch ein besserer Hochwasserschutz erreicht werden.

Der Freistaat müsse schnell ein Konzept für einen lebendigeren Lech aufstellen, betonte der Bund Naturschutz. Deiche müssten verlegt, Staumauern zurückgebaut, Auen an den Fluss angebunden und die Lebensräume entlang des Flusses miteinander verbunden werden. Dies seien nicht nur Wünsche, betonte Margraf. Durch die europäische Wasserrahmenrichtlinie und die europäische Naturschutz-Richtlinie sei Bayern zu Wiederherstellungsmaßnahmen an Flüssen und Seen verpflichtet. Bis Ende Juni 2021 war die Öffentlichkeit im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie aufgerufen, Vorschläge für Maßnahmen einzureichen. Diese Beteiligungsphase habe der Bund Naturschutz genutzt, um mit den am Lech liegenden Ortsgruppen das "Lech 21"-Programm zu entwickeln.

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