Region: Augsburg Stadt

Diskussion um Augsburger Parkanlagen: Stadträtin fordert Rückzugsorte für Jugendliche

Der Basketballplatz im Sheridan-Park ist einer der Orte der Grünanlage, an dem sich Jugendliche gerne aufhalten.

Die Diskussion um mögliche Kompromisse für den Augsburger Reese- und Sheridan-Park, die sowohl den dort häufig anzutreffenden Jugendlichen als auch Anwohnern und Familien einen angemessenen Aufenthaltsort bieten sollen, geht weiter. Nachdem CSU-Stadtrat Bernd Zitzelsberger vor kurzem deutliche Worte für die Jugendlichen gefunden hatte, die sich nicht an die Regeln der Parks hielten oder sich gar gewaltbereit verhielten, hat nun Stadträtin Lisa McQueen (Die Partei) für die jungen Parknutzer Partei ergriffen. Und auch das Ordnungsreferat sucht weiterhin nach Wegen, um die Situation in den Parks zu entspannen.

Auslöser für die aktuelle Diskussion waren zwei Vorfälle mit Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in den vergangenen Monaten die Polizei beschäftigten. Im Februar war es zu einer Messerstecherei im Reese-Park zwischen zwei Jugendgruppen gekommen, im März gingen mehrere Jugendliche, die sich zuvor trotz der Corona-Maßnahmen mit insgesamt rund 60 jungen Menschen im Sheridan-Park versammelt hatten, Polizisten an.

Es folgten Reaktionen der Polizei und des Ordnungsamts, die die Örtlichkeiten stärker kontrollierten. Das Ordnungsreferat startete nach Beschluss des Allgemeinen Ausschusses außerdem ein Verfahren, das ermitteln soll, was die verschiedenen Nutzergruppen von den Parks erwarten, und wie zwischen diesen Vorstellungen vermittelt werden kann, um für alle eine bessere Aufenthaltsqualität zu erreichen. Schließlich meldete sich der Pferseer Stadtrat Bernd Zitzelsberger mit seinen Vorstellungen für den Sheridan-Park zu Wort und forderte unter anderem, Jugendliche, die wiederholt negativ auffielen, mit langen Betretungsverboten für den Park zu bestrafen. Außerdem wünschte der CSU-Politiker sich ein Alkoholverbot auf dem gesamten Gelände und Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner.

McQueen: In einem anderen Park beginnt "der Hickhack" von vorne

Auf Zitzelsbergers Vorschläge reagierte nun Stadträtin Lisa McQueen mit der Forderung, in den Parks auch Rückzugsorte für die Jugend zu schaffen. "Für viele hier im Stadtrat liegt die eigene Jugend schon ein bisschen zurück, dennoch sollte in jedem von uns die Fähigkeit stecken, sich in die heutige junge Generation hineinversetzen zu können", heißt es im Antrag der Stadträtin, die für die Satire-Partei "Die Partei" im Stadtrat sitzt. Man könne etwa in Zusammenarbeit mit dem Verein "Die Bunten" zur Förderung der Graffiti-Kultur jeweils eine Schwabenwand im Sheridan- und im Reese-Park anlegen, die "die Anwohner vor dem Lärm der sich dahinter aufhaltenden Jugendlichen schützt". Ausgestattet mit einer Tischtennisplatte, Sitzgelegenheiten und ausreichend Mülleimern könne die Stadt Aufenthaltsqualität für die Jugendlichen schaffen. Oder "wenn man jetzt in 2021 denkt", so McQueen, könne man in die Mauern Handyladestationen und Lautsprecher einlassen, die eine Lautstärkenbegrenzung haben und sich um 22 Uhr automatisch abschalten.

"Die Idee eines mehrjährigen Parkverbotes für auffällige Jugendliche von Kollege Zitzelsberger hätte ich eher von einer satirischen Kleinst- und Splitterpartei erwartet", schreibt McQueen in ihrem Antrag. "Sollte man so ein Verbot wirklich mit Polizeikontrollen durchsetzen, gehen die Jugendlichen einfach, gerade im Sommer, in einen anderen Park und der Hickhack beginnt von vorne." Bestrafungen durch Geldstrafen, die oft schwierige Zustände zuhause verschärfen könnten, Sozialstunden oder Jugendarrest, falls die Verbote nicht eingehalten werden, seien laut McQueen außerdem nicht zielführend. Stattdessen müsse die Stadt die Jugend "gerade in diesen schwierigen Zeiten, abholen, mitnehmen und sie aufklären".

Ordnungsreferat bringt mögliche neue Aufenthaltsplätze ins Spiel

Auf Dauer könne man Jugendliche weder voneinander noch von bestimmten Örtlichkeiten fernhalten. Stattdessen könne die Stadt freiwillige Teststationen anbieten und durch Dialog Möglichkeiten zur Kontaktverfolgung schaffen. "Hier geht es um Heranwachsende, die einfach nur abhängen möchten, Freunde treffen, Musik hören, die erste Kippe heimlich rauchen, das erste Bier trinken, ihre Grenzen finden wollen", so McQueen. "Auch wenn es manchen aufgrund der langen Zeit schwerfällt, sich das vorzustellen, aber wie hätten sie damals reagiert, hätte man ihnen all das als Teenager einfach genommen?"

Auch Ordnungsreferent Frank Pintsch betont, dass die Jugendlichen nicht aus den Parks verdrängt werden sollen und brachte nun mögliche Aufenthaltsplätze für die Jugend in Teilen der Parks ins Spiel, an denen Konflikte mit den Anwohnern besser umgangen werden könnten. Das Ordnungsreferat will künftig außerdem auf ein vorläufiges Platzmanagement setzen, das unter anderem mit Streetworkern, der Polizei und dem Ordnungsdienst zusammenarbeiten soll. (lat)

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