Region: Augsburg Stadt

Energiekrise: Wie die Stadtwerke Augsburg mit Kunden umgehen, die nicht zahlen können

Das Gas soll im kommenden Winter möglichst keinem Augsburger Haushalt abgedreht werden. Die Stadtwerke und die Stadt Augsburg haben aufgrund der steigenden Preise eine Arbeitsgruppe gegründet.

In Folge der Energiekrise befinden sich die Stadtwerke Augsburg aktuell zwar nicht in einer bedrohlichen, aber in einer angespannten Lage. Wie Geschäftsführer Alfred Müllner am Donnerstag im Augsburger Stadtrat erklärte, gehe man nicht davon aus, dass es im kommenden Winter in Deutschland zu einem Gasmangel kommen wird. Aufgrund der "unglaublich" stark gestiegenen Strom- und Gaspreise werden sich aber wohl deutlich mehr Augsburger als üblich die nächste Rechnung des kommunalen Energieversorgers nicht mehr leisten können.

Ein Augsburger Durchschnittshaushalt hätte im Juni 2021 laut Müllner noch 885 Euro für Strom gezahlt. Im Januar 2023 läge der Preis für dieselbe Strommenge voraussichtlich bei 1548 Euro. Deutlich extremer könnte der Preisanstieg beim Gas ausfallen: Wer in Augsburg mit Gas heizt, zahlte im Juni 2021 rund 1152 Euro pro Jahr. Im Januar hätte der Betrag bereits bei 4180 Euro liegen können. Im Rechenbeispiel der Stadtwerke war allerdings die inzwischen beschlossene Gaspreisbremse noch nicht berücksichtigt. Mit diesem Deckel werden die Kosten für die Verbraucher wohl "deutlich weniger" werden, sagte Müllner voraus. Eine tatsächliche Prognose sei aktuell noch nicht möglich.

Auch mit der Einführung des Gaspreisdeckels und der Abschaffung der Gasumlage wird es künftig wohl vermehrt Haushalte geben, die Probleme haben, ihre Strom- oder Gasrechnungen zu bezahlen. Am generellen Vorgehen der Stadtwerke, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden, soll sich dabei nichts ändern: Es gebe drei Mahnungen und dann Sperrungsankündigungen. Erfahrungsgemäß komme man nach diesem Schritt meistens mit den Kunden ins Gespräch und könne das Problem durch kurzfristige Stundungen oder Ratenzahlung lösen. Wird weiter gar nichts gezahlt, kommt es zur Sperrandrohung, und schließlich könnten Strom oder Gas abgedreht werden.

Stadt will Hotline für Betroffene einrichten

"Wir versuchen immer, dafür zu sorgen, dass der Kunde wieder versorgt wird", sagte Müllner. Es werde zudem niemand "lange gesperrt": Meistens gehe es dabei um einige Tage. Natürlich sei es aber "die erste Maxime, dass niemand ohne Strom und Wärme ist". Neben den Angeboten der Stadtwerke wie der Ratenzahlung könne man sich auch weitere Unterstützung suchen.

So planen das städtische Sozialreferat und die Stadtwerke, die zusammen eine Arbeitsgruppe zur Energiepreis-Problematik gegründet haben, einen Härtefallfonds mit Hilfe der Wohlfahrtsverbände. Die städtische Armutsprävention bietet Haushalten in finanziellen Notlagen Beratungen an, der SKM unterstützt mit seinem Stromsparcheck beim Energiesparen. Das Sozialreferat will zudem eine zentrale Telefonhotline einrichten. Denn bei der Stadt und den Stadtwerken geht man davon aus, dass nun auch Personen in eine finanzielle Misslage geraten könnten, die sich bisher noch nie Sorgen machen mussten, ob sie ihre Rechnungen bezahlen können. Diese Personen kennen sich dann gegebenenfalls im Sozialsystem nicht so gut aus, oder schämen sich, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese Unsicherheiten müssten in Gesprächen abgebaut werden.

Verbrauchern raten die Stadtwerke wo möglich zum Stromsparen. Augsburgs Sozialreferent Martin Schenkelberg betonte allerdings auch, dass in Haushalten mit niedrigeren Einkommen ohnehin oft schon viel gespart werde, "weil gespart werden muss". Von den Rettungskräften habe das Sozialreferat inzwischen die Rückmeldung erhalten, dass einige Menschen sich scheuen, die Heizung anzuschalten – trotz sinkender Temperaturen. Das führt teilweise zu Unterkühlungen.

Stundung komme nicht in Frage

Nicht geben soll es laut dem Stadtwerke-Geschäftsführer eine generelle Stundung der Zahlungen, wie es einige Oppositionsparteien im Stadtrat gefordert hatten. "Die Schulden bleiben, und die Schulden wachsen", meinte Müllner. Den Menschen sei damit nicht geholfen, im schlimmsten Fall würden sie "in die Schuldenfalle" laufen. Zudem sei es auch für die Stadtwerke nicht leistbar, auf die Einnahmen zwischenzeitlich komplett zu verzichten.

Darüber, dass sie selbst in eine finanzielle Schieflage kommen und gegebenenfalls sogar einen Rettungsschirm benötigen könnten, machen sich die Augsburger Stadtwerke aktuell noch keine Sorgen. Die Risiken für die kommunalen Energieversoger hätten allerdings deutlich zugenommen. So werde es wahrscheinlicher, dass gekaufter Strom nicht geliefert wird oder größere Kunden wie Unternehmen nicht mehr zahlen können. Zudem seien die zusätzlichen Belastungen durch Preisanstiege inzwischen nicht mehr kontrollierbar.

Einen Engpass bei der Energieversorgung werde es aber nicht geben, glaubt Müllner. Aktuell befinde man sich in der "Alarmstufe". Das bedeutet, dass nicht geschützte Großkunden, vor allem Unternehmen, über die Möglichkeit informiert werden, dass sie in der Notfallstufe weniger oder im schlimmsten Fall gar kein Gas mehr bekommen könnten – "wovon wir aber nicht ausgehen", so Müllner. Es gebe genug Gas in Deutschland, die Speicher seien ausreichend gefüllt. Problematisch könne es laut dem Stadtwerke-Geschäftsführer dann werden, wenn es in ganz Deutschland gleichzeitig über einen längeren Zeitraum sehr kalt wird. Geschützte Kunden wie Haushalte, medizinische Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen wären aber auch in der Notfallstufe von den Einsparungen nicht betroffen.

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