Region: Augsburg Stadt

Erste Flüchtlinge aus Moria sind in Augsburg angekommen

Die Stadt Augsburg nimmt insgesamt fünf Flüchtlinge aus Moria auf.

Stadt Augsburg bekommt insgesamt fünf Geflüchtete von dem Lager auf Lesbos zugeteilt

Wie die Stadt Augsburg nun berichtete, werden seit Dezember eine 22-jährige Mutter und ihr neun Monate altes Kind in der Stadt betreut, die zuvor im Flüchtlingscamp in Moria lebten. Drei weitere Flüchtlinge von der Insel Lesbos sollen in nächster Zeit noch der Stadt Augsburg zugeteilt werden.

Die beiden bereits eingetroffenen Flüchtlinge aus dem Kongo wurden im Rahmen des Bundesprogrammes "Neustart im Team" (Nest) in Augsburg aufgenommen, das sich an besonders schutzbedürftige Geflüchtete wendet. In dem Programm werden die Neuankömmlinge von ehrenamtlichen Mentoren unterstützt. Die Augsburger Mentoren hätten bereits Ende 2019 ihre Bereitschaft erklärt, schreibt die Stadt, dann sei Nest aufgrund der Pandemie ausgesetzt worden.

Am 10. Dezember reisten nun aber die ersten beiden Flüchtlinge nach Deutschland ein. Nach einer Quarantäne in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Friedland kamen die beiden kurz vor Weihnachten in Augsburg an. Die Stadt hatte sich nach dem Brand im Lager in Moria an den Bund und den Freistaat gewandt und ihre Aufnahmebereitschaft signalisiert. Das bayerische Staatsministerium teilte schließlich mit, dass der Freistaat 100 Geflüchtete aus Moria aufnehmen werde und fünf davon auf das Angebot hin nach Augsburg kommen würden.

„Das ist zwar nicht die von der Stadt Augsburg ad hoc angebotene Personenzahl von 20, aber es ist ein erster wichtiger Schritt", sagt Oberbürgermeisterin Eva Weber nun. "Soweit uns bekannt ist, wurde die Aufnahmebereitschaft von Kommunen in einem solchen humanitären Programm zum ersten Mal berücksichtigt."

Das Nest-Programm, durch das 500 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus Erstaufnahmeländern nach Deutschland kommen sollen, biete laut Weber zahlreiche Anknüpfungspunkte, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Besonders die Mentoren zeigten, wie stark das zivilgesellschaftliche Engagement für Flüchtlinge in der Stadt sei. "Wir sehen hier eine große Chance für uns als Kommune und für die Stadtgesellschaft, um für die am stärksten gefährdete Gruppe der Geflüchteten konkrete Unterstützung leisten und ein Zeichen der Mitverantwortung setzen zu können", so Weber.

Bislang steht noch nicht fest, wann die weiteren drei Flüchtlinge aus Moria in Augsburg ankommen sollen. Gespräche hierzu fänden allerdings bereits statt.

Der Augsburger Flüchtlingsrat begrüßte die Ankunft der beiden ersten Geflüchteten. "Wir heißen jede schutzsuchende Person, die nach Augsburg kommt, herzlich willkommen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Allerdings müsse laut dem Flüchtlingsrat "mehr passieren".

Zwar respektiere man den Einsatz der Ehrenamtlichen und der Stadtverwaltung für das Nest-Programm. "Die Aufnahme über das Nest-Programm bleibt jedoch Augenwischerei, weil über das Programm nicht mehr Geflüchtete nach Deutschland oder Augsburg kommen", kritisiert der Flüchtlingsrat. Die Anzahl der durch Nest hinzukommenden Personen werde sowohl auf das Gesamtvolumen der deutschen Resettlement-Programme als auch auf den Königssteiner Schlüssel angerechnet. Außerdem werde die finanzielle Verantwortung privatisiert, da die Mentoren für zwei Jahre die Miete ihrer Schützlinge übernehmen müssen.

Zudem verwies der Flüchtlingsrat auf den Stadtratsbeschluss zum "Augsburger Dreiklang", der die Aufgaben der Stadt in den Bereichen Flucht und Asyl regeln soll. In diesem hatte die Stadt 2020 ihre Bereitschaft erklärt, auch über den Königssteiner Schlüssel hinaus Flüchtlinge aufzunehmen. Davon sei in der aktuellen Pressekommunikation der Stadt keine Rede mehr. "Darin werden lediglich Aktivitäten gelobt, die sich im Rahmen der ohnehin aufzunehmenden Anzahl an Geflüchteten bewegen", betont der Flüchtlingsrat.

Der Augsburger Dreiklang klinge damit zwar derzeit noch "eher leise", dennoch freue sich auch der Rat über den "ersten wichtigen Schritt", wie die Oberbürgermeisterin es ausgedrückt habe. (lat)

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