Region: Augsburg Stadt

Fallen auch die übrigen Bäume am Augsburger Hauptbahnhof? Stadtrat verschiebt die Entscheidung

Wie geht es weiter mit den Bäumen auf dem Bahnhofsvorplatz? Noch hat der Augsburger Stadtrat nicht entschieden.

Am Augsburger Hauptbahnhof sollen im Zuge des Umbaus voraussichtlich zahlreiche weitere Bäume gefällt werden. Dagegen regt sich Widerstand von der Baumallianz und dem Augsburger Klimacamp. Der entsprechende Beschluss zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und dessen Umfelds wurde nun in der jüngsten Sitzung des Augsburger Stadtrats vorerst abgesetzt.

Laut der Beschlussvorlage des Stadtplanungsamts weisen viele der Bäume im Umfeld des Hauptbahnhofs "einen hohen Schädigungsgrad auf" und sollen deshalb, nach einer weiteren Prüfung, möglicherweise durch neue Bäume ersetzt werden. Dies betrifft laut der Vorlage sowohl die übrigen Bäume auf dem Bahnhofsvorplatz als auch den Baumbestand in der Viktoriastraße und die Allee in der Bahnhofstraße.

Vor allem auf der südlichen Seite des Vorplatzes wurden im Zuge der Baumaßnahmen zum neuen Hauptbahnhof und Straßenbahntunnel bereits die meisten Bäume gefällt – unter anderem, um Platz für die Container zu schaffen, in die übergangsweise das DB-Kundencenter und die Geschäfte aus der Empfangshalle ausgelagert sind.

Ob die übrigen Bäume auf der Nordseite des Bahnhofsvorplatzes erhalten werden können, sei für die aktuelle Planung noch einmal vertieft begutachtet worden, unter anderem auch im Hinblick auf die Anforderungen des Verkehrs. Aufgrund von Beschädigungen an mehreren Bäumen, weil Wurzeln teilweise Gehwege und Straße angehoben haben, und aufgrund der "bautechnischen Anforderungen" der auf dieser Seite des Vorplatzes geplanten Autostellplätze geht die Beschlussvorlage aktuell aber davon aus, dass die Baumgruppe im nördlichen Bereich "neu aufgebaut" werden muss. Ob einzelne Bäume erhalten werden könnten, soll nochmal ein Gutachter untersuchen.

Auch für die Bäume in der Viktoriastraße und der Bahnhofstraße empfiehlt die Beschlussvorlage nach aktuellem Stand Neupflanzungen. In der Viktoriastraße liegt das dem Stadtplanungsamt zufolge unter anderem daran, dass sich die Bäume aufgrund des naheliegenden Hotels nur in eine Richtung entwickeln können und dadurch Statik und Wuchs beeinträchtigt sind. Zudem sei die Erreichbarkeit des Hotels für die Feuerwehr aufgrund der Platanen beeinträchtigt.

In der Allee in der Bahnhofstraße wird es unter anderem als störend angesehen, dass unregelmäßig Bäume verschiedener Arten und Größen gepflanzt wurden und deshalb "ein uneinheitliches Pflanz- und Erscheinungsbild entstanden ist". Zudem seien die Bäume unterschiedlich gesund. Laut Beschlussvorlage sollen die Bäume der Allee durch eine krankheitsresistente Ulmenkreuzung ersetzt werden.

Kritik an der Beschlussvorlage kommt von der Baumallianz Augsburg, der auch Stadtrat Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) angehört. Der Verein rief den Bauausschuss des Stadtrats mit einem Schreiben dazu auf, sich "für den Erhalt des Baumbestandes am Bahnhofs-Vorplatz einzusetzen". Er stellte dabei unter anderem die Gutachter-Ergebnisse (die dem Bauausschuss zumindest laut der Baumallianz nicht im Original vorlagen) in Frage, nach denen die Bäume in ihrer Vitalität eingeschränkt seien.

"Unserem Kenntnisstand nach und nach mehreren Begehungen, sind die Platanen keineswegs von einem 'hohen Schädigungsgrad' betroffen", schreibt der Verein. "Es hat den Eindruck, dass der Baureferent einen Protest abmildern will, indem er mehr Neupflanzungen als der bisherige Bestand verspricht. Dies ist aus unserer Sicht vorgeschoben, da eine komplette Rodung die bauliche Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes einfacher macht, da nicht um den Bestand herumgebaut werden muss."

Im Stadtrat beantragte Bruno Marcon, den Beschluss in der aktuellen Sitzung noch nicht zu fassen. "Die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt muss nicht herbeigeführt werden, da die Baumaßnahmen erst Mitte der 20er-Jahre begonnen werden können", begründete das Marcon. Es sei "unverantwortlich", angesichts der Klimadebatte einer vorgezogenen Fällung von mehr als 30 Bäumen zuzustimmen. Zudem könne das Thema in der letzten Sitzung vor der Sommerpause – mit einer umfangreichen Tagesordnung – nicht angemessen diskutiert werden. Zur Abstimmung kommen musste Marcons Antrag nicht, denn das Thema wurde vor Beginn der Sitzung abgesetzt.

Auch das Klimacamp hat sich nun in die Diskussion eingeschaltet und für den Montagabend einen "Kletterworkshop" am Hauptbahnhof angekündigt. Das Ziel sei es, Anwohner und Bürger "zu ermächtigen, im Notfall selbstständig die Bäume zu ihrem Schutz zu besetzen und so der Stadtgesellschaft Zeit für eine Debatte zum Schutz der Bäume zu geben", schreibt das Klimacamp.

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