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"Forum für unsägliche Angebote": Tierschützer kritisieren Augsburger Messe

Leoparden und Nashörner zum Abschuss: An der „Jagen und Fischen“ nahmen auch Aussteller teil, die Großwildjagden in Afrika anbieten. Daran gibt es Kritik.

Nach der Messe "Jagen und Fischen", die am vergangenen Wochenende in Augsburg stattfand, ist ein Streit entbrannt über den Umgang mit Ausstellern, die Trophäenjagdreisen nach Afrika anbieten. Tierschützer und ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger fordern, dass die Stadt Augsburg und die Messe "diesen verwerflichen Praktiken keine Plattform bieten" sollen. Messe und Stadt verweisen darauf, keine Veranstalter abzuweisen, die nicht gegen Gesetze verstoßen.

Rund 25.000 Besucher waren laut Veranstalter von Freitag bis Sonntag im Messezentrum zu Gast. 300 Aussteller präsentierten ihr Angebot. Darunter waren allerdings auch eine Handvoll Unternehmen, die Trophäenjagden in Afrika veranstalten. Wie ÖDP-Stadtrat Pettinger erklärt, können dabei Touristen, die nicht einmal über eine Jagdausbildung verfügen müssen, "je nach Geldbeutel alle nur erdenklichen geschützten Tierarten für sich zum Abschuss aussuchen". Das Angebot reiche von Antilopen über Leoparden, Löwen, Geparden, Elefanten, Nashörner bis zu Zebras.

Diese Praxis des Jagdtourismus steht seit Jahren in der Kritik der Tier- und Artenschutzverbände weltweit. Im Voraus der "Jagen und Fischen" hatten daher 26 Tierschutzorganisationen einen Brief an Oberbürgermeisterin Eva Weber geschrieben und ein Verbot für Aussteller gefordert, die Trophäenjagdreisen anbieten.

Trophäenjagd unterminiere Artenschutzbemühungen, sei unethisch und nicht tierschutzkonform, betonen die Verfasser. Die Angebote stünden dem im Tierschutzgesetz verankerten Grundsatz entgegen, Tiere nur mit "vernünftigem Grund" zu töten. Töten zum Spaß, als Sport oder zur Erlangung einer Trophäe verurteilen die Verfasser aufs Schärfste.

Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife, die den Brief im Namen der Organisationen unterzeichnet hat, betont, dass sich in Südafrika, dem größten Jagdtrophäenexporteur Afrikas, über zwei Drittel der in einer repräsentativen Umfrage befragten Bevölkerung gegen die Trophäenjagd positioniert hätten. Einige der weltweit größten Reiseagenturen hatten im Sommer von der südafrikanischen Regierung ein Ende der Trophäenjagd gefordert. "Ich möchte den Aufschrei aus der deutschen Jägerschaft nicht hören, wenn hier in unseren Wäldern ausländische Touristen nach Belieben die größten und schönsten Tiere abknallen könnten", sagt Pettinger.

Wolfgang Hübschle, Wirtschaftsreferent der Stadt Augsburg, hält dagegen, dass Stadt und Messe Veranstalter nur abweisen, wenn diese gegen Gesetze verstoßen. Bei den betreffenden Reiseanbietern hätten "keine Anzeichen auf illegale oder unrechtmäßige Handhabungen" vorgelegen. Die Messe agiere sensibel und prüfe jeden Aussteller vor der Zulassung.

Alle Anbieter hätten zudem benötigte Bescheinigungen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen vorlegen können.

Pettinger spricht von einem "Umwelt-Deckmäntelchen". In der Praxis würden Abschussquoten häufig nicht kontrolliert, Gelder flößen in falsche Kanäle und die naturschutzfachliche Betreuung sei mehr als mangelhaft. Die Stadt Augsburg sei – zumindest moralisch – mitverantwortlich für die auf der Messe vorgestellten Angebote.

Er werde sich jedenfalls weiterhin dafür einsetzen, dass künftig keine Trophäenjagden mehr im Augsburger Messezentrum verkauft werden dürfen, sagt Pettinger. Hierfür biete sich etwa ein Artenschutzkodex oder eine Artenschutzsatzung für die Messe an, wie dies beispielsweise auf der Dortmunder Jagdmesse der Fall sei. Zudem brauche es ein generelles Verbot auf europäischer Ebene, damit den Anbietern nirgendwo – "also auch nicht hier in Augsburg – ein Forum für ihre unsäglichen Angebote" geboten werde, so Pettinger. (jaf)

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