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Wie "Fridays for Future" in Augsburg für die Einhaltung der Klimaziele kämpft

Gegen Tierleid: Rund 600 Augsburger beteiligten sich an einer Demonstration auf dem Augsburger Plärrer-Gelände. Sie wollen den Druck auf die Politik erhöhen, sich an die Umsetzung der Klimaziele zu machen.

Keine weiteren leeren Versprechen aus der Politik, das ist das Hauptanliegen von gut 600 Demonstranten, die am Freitag in Augsburg zusammengekommen sind. Sie beteiligen sich am globalen Klimastreik der Bewegung Fridays for Future und wollen sich dafür einsetzen, dass Politik und Wirtschaft Klimaziele ernsthaft verfolgen, statt nur darüber zu reden.

Es ist anfangs still auf dem Plärrer-Parkplatz, dafür, dass sich hier so viele Menschen versammelt haben. Durch den Sicherheitsabstand und die Masken ergeben sich nur wenige Unterhaltungen. Die Leute sind in Blöcke aufgeteilt. Je sechs Personen sind verbunden durch rot-weißes Absperrband, das sie in der Hand halten. So wollen die Veranstalter die Kontaktnachverfolgung gewährleisten. Jede dieser Gruppen hat eine Nummer bekommen. Sollte nach der Demonstration jemand positiv auf das Coronavirus getestet werden, können die Veranstalter die Nummer veröffentlichen und die Menschen, die im selben Block standen, wissen dann Bescheid, dass sie sich auch testen lassen sollten.

Als die Veranstaltung dann offiziell beginnt, wird es doch laut. Unter der Leitung der Organisatoren machen die Demonstranten mit Parolen hörbar, was sie fordern: Erneuerbare Energien, einen attraktiveren Bahnverkehr, respektvolleren Umgang mit Tieren, das Ende der Kohlekraft, eine Zukunft für den Planeten und für die Menschen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", tönt es aus 600 Kehlen, "Wir sind hier, wir sind viele, haltet euch an Klimaziele".

Die Demonstration in Augsburg ist Teil des globalen Klimastreiks von Fridays for Future. Unter dem Motto "#NoMoreEmptyPromises" gehen weltweit Menschen auf die Straße, um die Politik aufzufordern, keine leeren Versprechen mehr zu machen, sondern konkret an der Umsetzung der Klimaziele zu arbeiten. Zum Beispiel die Erderwärmung im Vergleich zum Zeitalter vor der Industrialisierung auf 1,5 Grad zu beschränken, wie Klima-Aktivistin Paula Stoffels erklärt. "Die Politik hat bislang nicht alles getan, um dieses Ziel ambitioniert und ernsthaft zu verfolgen. Dabei ist es wichtig, jetzt den richtigen Pfad einzuschlagen, um dieses Ziel zu erreichen. Sonst drohen uns lebensbedrohliche Gefahren wie Hitzewellen, Brände und Pandemien." Deswegen habe sich Deutschland noch ein eigenes Motto für den Streik gesetzt: #AlleFür1,5Grad. "Denn wir brauchen alle. Die Schüler, die heute deshalb nicht in der Schule waren, die Leute, die deshalb heute nicht gearbeitet haben, aber eben auch die Politik", sagt Stoffels.

Demozug durch Innenstadt wurde nicht genehmigt

Die jungen Augsburger Klimaschützer haben viel Zeit und Energie in die Planung der Demonstration gesteckt. Ursprünglich war ein Demozug durch die Innenstadt geplant, wie Stoffels berichtet. "Wir hatten uns ein ausgeklügeltes Hygienekonzept überlegt, das die Versammlungsbehörde und die Polizei aber leider nicht als ausreichend angesehen haben", erzählt die 18-Jährige. Erst eine Woche vor der Veranstaltung hätten sie erfahren, dass die Demonstration nicht wie geplant stattfinden könne, und noch einmal kurzfristig umplanen müssen. So gebe es nun nur eine Standkundgebung, etwas außerhalb.

Auf der kleinen Bühne auf dem Plärrer-Gelände singt nun der Augsburger Musiker Max über die Auswirkungen der aktuellen Pandemie. Neben verschiedenen musikalischen Beiträgen sind auch immer wieder Reden zu hören. Etwa von dem 18-jährigen Klimaschützer Levin Hasselmeyer, der erklärt, wie jeder einzelne durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder die richtige Ernährung seinen Teil zum Klimaschutz beitragen kann. "Trotzdem brauchen wir auch politische Veränderungen gegen die Klimakrise", schließt er. "Und wir als Individuen können uns zusammentun, um den Druck auf die Politik zu erhöhen."

Enttäuscht von der Augsburger Politik

Bislang sei die Reaktion der Politik in Augsburg auf die Klimastreiks "sehr sehr enttäuschend", wie Paula Stoffels sagt. Es habe von der Stadt nur geheißen, die Forderungen der Klimaschützer würden geprüft. Im Januar sei zwar ein CO2-Budget festgesetzt worden, aber bisher ohne konkrete Schritte, wie dieses erreicht werden soll. Zur Erklärung: Die Stadt hat dafür eine Studie in Auftrag gegeben, die im Herbst Ergebnisse liefern soll. Festgelegt wurde, dass Augsburg insgesamt in Zukunft nicht mehr als 9,7 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen soll. Läuft alles weiter wie bisher, ist dieses Volumen in ein paar Jahren aufgebraucht. Stoffels und ihre Mitstreiter hoffen nun erstmal auf den 12. April, dann ist eine Sondersitzung des Stadtrates zum Klimaschutz geplant. Denn aufgeben wollen die Augsburger Klimaaktivisten so schnell nicht: "Wir setzen uns jetzt seit zwei Jahren und eine Pandemie hindurch für unsere Ziele ein. Und der Streik heute mit der großen Beteiligung hat einmal mehr gezeigt, wie stark diese Bewegung ist", sagt Paula Stoffels.

Weitere Bilder der Demonstration gibt es hier.

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