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Für ein gutes Sterben – Caritas Augsburg stellt Projekt und Positionspapier vor

Peter Hell (Referatsleiter Teilhabe und Pflege), Caritasdirektor Domkapitular Andreas Magg (Mitte) und die Projektkoordinatorin Susanna Tot wollen dafür weiterarbeiten, dass alle erwachsenen Menschen Zugang zur gesundheitlichen Versorgungsplanung haben.

Der Caritasverband für die Diözese Augsburg stellte am Montag in einer Pressekonferenz sein abgeschlossenes Projekt zur gesundheitlichen Versorgungsplanung vor. In einem daraus entstandenen Positionspapier fordert der Verband von der Politik unter anderem neue Finanzierungskonzepte, die eine Öffnung des "Advance Care Planning" für alle Menschen ermöglichen.

"Advance Care Planning" bedeutet "gesundheitliche Versorgungsplanung". Dabei geht es um das rechtzeitige Planen und Vorsorgen für die letzte Lebensphase, also die Zeit im Leben eines Menschen, in der er gegebenenfalls seine persönlichen Wünsche und Anliegen nicht mehr äußern kann. Geklärt werden müssen hierbei nicht nur rein medizinische Angelegenheiten. Zu der Vorsorge für ein "gutes Sterben" gehört laut Caritasverband auch die Beschäftigung mit Fragen wie: Wen möchte ich in meiner letzten Lebensphase um mich haben? Wie möchte ich gegebenenfalls meine Abschiedsfeier gestaltet haben? Welche besonderen Ängste oder Wünsche habe ich?

Durch die gesundheitliche Versorgungsplanung soll Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich mit Hilfe von gut geschulten Gesprächsbegleitern über all diese Fragen rechtzeitig Gedanken zu machen. "Es geht darum, vorzeitig mit einem Bewohner, einem Klienten zu besprechen, wie er seine Lebensphase gestaltet wissen möchte, was ihm wichtig ist“, sagte Peter Hell, Leiter des Referates Teilhabe und Pflege des Augsburger Diözesan-Caritasverbandes.

Die momentan geltende Rechtslage erachtet der Caritasverband allerdings noch als ausbaufähig, da beispielsweise die Kosten der Gesprächsbegleiter bisher nur für einen bestimmten Personenkreis von den Krankenkassen übernommen werden, nämlich für Menschen, die in Pflegeheimen oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe gepflegt werden. Advance Care Planning sei jedoch für alle Menschen sinnvoll und notwendig.

Der Diözesan-Caritasverband Augsburg nahm sich deshalb des Themas an und führte von 2019 bis 2021 das Projekt Advance Care Planning durch. Das Projekt bestand aus den zwei Säulen "Schulung" und "Implementierung". Letzteres meint, dass Organisationen wie Einrichtungen der ambulanten oder stationären Altenhilfe befähigt werden, die Ergebnisse der gesundheitlichen Versorgungsplanung auch umzusetzen, also die Wünsche und Anliegen der Klienten auch berücksichtigen können. Nur so könne das Advance Care Planning Teil einer gelebten Hospiz- und Palliativkultur werden.

Im Rahmen des Projekts entstanden unter anderem ein eigenes Konzept zur Ausbildung von Gesprächsleitern sowie ein Implementierungshandbuch, welches weiteren Einrichtungen ermöglichen soll, Advance Care Planning durchzuführen. Die am Projekt beteiligten Einrichtungen gaben alle an, die gesundheitliche Versorgungsplanung fortführen zu wollen. Auch ein Positionspapier mit Forderungen an die Politik ist aus dem Projekt heraus entstanden. In diesem fordert der Verband neue Finanzierungsmodelle, damit die gesundheitliche Versorgungsplanung in Zukunft für alle Menschen zugänglich sein kann.

Besonders wichtig ist dem Caritasverband beim Advance Care Planning ein personenzentrierter Ansatz. Das bedeutet zum einen, dass die Autonomie der Klienten stets an erster Stelle steht und als höchstes Gut erachtet wird, wie Diözesan-Caritasdirektor Andreas Magg bei der Pressekonferenz betonte. Zum anderen heißt dies, dass die gesundheitliche Versorgungsplanung über eine reine Beratung zur Patientenverfügung hinausgehen und auch vermehrt nicht-medizinische Aspekte in den Blick nehmen sollte. Mehr Informationen zum Thema finden sich unter www.caritas-augsburg.de/acp-download. (cr)

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