Region: Augsburg Stadt

Aus für Leuchtturmprojekt der "Fahrradstadt"? Automatisches Parkhaus wird wohl nicht gebaut

Einen besseren Schutz für geparkte Fahrräder sollten künftig automatische Parkhäuser bieten. Nun könnte es aber stattdessen doch auf doppelstöckige Fahrradständer hinauslaufen.

Am Bahnhof Haunstetter Straße sollte eigentlich ein besonderes Fahrradparkhaus entstehen: Automatisch und computergesteuert sollten die Räder in der turmförmigen Garage geparkt und wieder ausgegeben werden. Nun steht das Projekt allerdings vor dem Aus. Laut einem Bericht zum aktuellen Stand im Bauausschuss gibt es bei der Umsetzung des Leuchtturmprojekts Probleme. Für das Projekt "Fahrradstadt" könnten so einige geplante Fahrradabstellplätze wegfallen.

Ursprünglich hatte sich die Stadt 2018 mit einem Grundsatzbeschluss für automatische Fahrradparkhäuser entschieden, weil durch die Anordnung der Räder im Turm auf einer kleinen Fläche deutlich mehr Fahrräder geparkt werden könnten, und man damit ein Zeichen für den Radverkehr setzen wollte. Zwei solche Parkhäuser sollten an der Haunstetter Straße entstehen, ein weiteres am Stadtmarkt. Sollte diese Möglichkeit nun wegfallen, wäre man wieder auf reguläre Lösungen angewiesen – und könnte so wohl etwas weniger Räder an der Umstiegsstelle Haunstetter Straße unterbringen. Ein Problem für die hinter der Maßnahme stehende Strategie der Stadt, sichere Fahrradabstellanlagen an Haltestellen zu errichten, um die Fahrradnutzung attraktiver zu machen, soll das nicht werden. Das Baureferat zeigt sich überzeugt, dass auch mit der konventionellen Lösung eine Zahl an Abstellplätzen untergebracht werden kann, die den 120 geplanten automatisierten Plätzen zumindest nahe kommt.

Eigentlich ging das erste automatische Parkhaus an der Haunstetter Straße bereits 2020 in die Umsetzung – die Stadt sicherte sich vom Freistaat eine 75-prozentige Förderung und Vergab den Auftrag für das Parkhaus im Juli 2020. Seitdem ist laut dem Baureferat allerdings nicht viel passiert. Da die beauftragte Firma bis Anfang März dieses Jahres keine konkreten Arbeiten zur Realisierung des Projekts aufgenommen habe, habe man den Vertrag zwischenzeitlich aufgelöst, heißt es im Bericht. Doch auch eine Neuausschreibung will man nun eher nicht starten. Denn bei der Bearbeitung des Projekts und der Abstimmung mit der vorgesehenen Firma habe man "weitergehende Erkenntnisse" erlangt, die sich "auch von den Erfahrungen bei bereits realisierten Projekten in anderen Städten teilweise erheblich unterscheiden".

Wenig überraschend dürfte sein, dass die Investitionskosten für ein automatisches, elektronisches Parkhaus höher ausfallen als für normale, überdachte Fahrradständer. Sorgen machen dem Baureferat aber vor allem auch die laufenden Kosten für Wartung und Betrieb. Noch gar nicht klar sei, wie viele Kosten durch Bereitschaftsdienste, Störungsbeseitigung, Kostenerstattungen oder Ersatzteile entstehen würden. Allein die Ausgaben für Wartung und Betrieb würden aber wohl trotz der Einnahmen durch Parkgebühren für ein Defizit von mindestens 20 000 Euro pro Jahr sorgen. Dieser Fehlbetrag steige, wenn die Fahrradgarage nur teilweise ausgelastet ist.

Neben dieser finanziellen Seite ergebe sich durch die Kundenbetreuung voraussichtlich auch ein hoher organisatorischer Aufwand. Es müsse 24 Stunden am Tag Personal wegen möglicher Störfälle, Kundenfragen oder Bedienfehler bereitstehen. In anderen Städten mit vergleichbaren Projekten würden diese zum Beispiel von den Stadtwerken oder kommunalen Parkhausgesellschaften betrieben. Solche Strukturen bestehen in Augsburg allerdings noch nicht.

Die Stadtverwaltung war deshalb im Bauausschuss regulären, überdachten Stellplätzen eher zugewandt. Durch Doppelstock-Fahrradständer könne man annähernd die gleiche Zahl an Fahrrädern unterbringen wie durch den automatischen Fahrrad-Turm. Auch die Vertreter der verschiedenen Stadtrat-Fraktionen folgten der Argumentation des Baureferats. Die Grünen wiesen unter anderem auf die Möglichkeit hin, Autoparkplätze in der Innenstadt in Radabstellplätze umzuwandeln, um so mehr Platz für die Räder zu schaffen. Zu einer solchen Umwandlung hat sich die Stadt im Vertrag zur Umsetzung des Radbegehrens sowieso bereits verpflichtet. Vor allem dürfte die Stadt durch eine Abkehr von den automatischen Fahrradgaragen also eines verlieren: Den Anspruch, etwas besonderes zu haben – einen Blick in die mögliche Zukunft des Radverkehrs.

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