Region: Augsburg Stadt

Wie geht es mit dem Projekt Fahrradstadt voran? Verantwortliche ziehen nach einem Jahr Radvertrag Bilanz

Eine Radzählstation in der Konrad-Adenauer-Allee zeigt an, wie viele Radfahrer dort seit Jahresbeginn und pro Tag unterwegs sind.

Ursprünglich hätte Augsburg bereits bis 2020 zur Fahrradstadt werden sollen. Weil nach Ansicht von Aktivisten seit einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2012, laut dem die Infrastruktur attraktiver werden sollte, zu wenig passiert sei, bildete sich das Aktionsbündnis "Fahrradstadt jetzt". Dieses hat vor rund einem Jahr mit der Stadt Augsburg einen Vertrag geschlossen, um die Situation für Radfahrer in Augsburg stetig zu verbessern. Nun haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz gezogen.

In dem Radvertrag verpflichtet sich die Stadt unter anderem dazu, bis 2025 an allen Straßen, auf denen Autos mit mehr als 30 Stundenkilometern fahren dürfen, "durchgehende Radverkehrsanlagen" anzulegen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Radwege oder gemeinsame Geh- und Radwege. Außerdem soll in Zukunft in einigen Straßen Tempo 30 eingeführt werden und ein Netz aus "Rad-Vorrangrouten" durch die Fuggerstadt führen, das alle Stadtteile und Orte des öffentlichen Lebens wie Hochschulen, Bahnhöfe und Kultureinrichtungen mit gut befahrbaren Radwegen verbindet.

„Unsere Stadt soll zum Verweilen und Wohlfühlen einladen, Menschen sollen sich hier gerne aufhalten. Gleichzeitig wollen wir alle auch weiterhin möglichst bequem und schnell von A nach B kommen. Diese Ziele können mit einem ausgewogenen, klugen Mobilitätsmix gut miteinander verbunden werden, sodass niemand auf der Strecke bleibt", sagt Oberbürgermeisterin Eva Weber. Daher gelte es nun, neben dem ÖPNV auch die Möglichkeit, mit dem Rad durch Augsburg zu fahren, weiter auszubauen.

Seit Vertragsschluss vor gut zwölf Monaten hat die Verwaltung eine Reihe von Maßnahmen bereits umgesetzt. So gilt beispielsweise in der Schertlinstraße nun im gesamten Abschnitt zwischen Gögginger Straße und Hochfeldstraße Tempo 30, ebenso wurde in der Pferseer Straße und in der Holzbachstraße die Tempo 30-Beschilderung umgesetzt.

Darüber hinaus wurden in der Annastraße, am Martin-Luther-Platz, am Fischmarkt, in der Heilig-Kreuz-Straße und an der Blauen Kappe am südlichen Eingang zum Verwaltungsgebäude zusätzliche Fahrradständer aufgestellt, ebenso wie am Zoo, wo der Zoologische Garten für Besucher eine neue Abstellanlage umgesetzt hat.

Den ersten Grünpfeil für Radler gibt es bereits seit vergangenen Oktober an der Kreuzung Lechhauser Straße/Radetzkystraße. Dieser erlaubt den Radfahrern das Rechtsabbiegen, auch wenn die Ampel rot zeigt. Voraussetzung ist, dass sie trotzdem erst anhalten, warten bis die Kreuzung frei ist und niemanden gefährden.

Seit Mai dieses Jahres ist zudem der Mängelmelder in Betrieb. Über diesen können Mängel und Störungen aus dem Bereich Radverkehr wie beispielsweise Schlaglöcher, fehlende oder verdeckte Schilder und unklare Verkehrsführungen an einer Baustelle unkompliziert an die Stadt gemeldet werden.

Für heuer stehen unter anderem noch der Ausbau von Radverkehrsanlagen in der Stuttgarter Straße, der Verkehrsversuch Neuburger Straße sowie die dauerhafte Markierung von Radfahrstreifen in der Frölichstraße sowie der zweite Teil des Verkehrsversuchs in der Hermanstraße zur Umsetzung an. Dieser sieht vor, dass der letzte Teilabschnitt der Hermanstraße ab der Beethovenstraße bis hin zur Kreuzung vor dem Königsplatz nun versuchsweise eine Spur für Radfahrer erhalten soll.

Das Aktionsbündnis Radentscheid zieht nach rund einem Jahr jedoch eine gemischte Bilanz. "Einerseits ist etliches angeschoben und viel erledigt worden. Andererseits schiebt die Stadtregierung die großen Themen vor sich her. Das betrifft vor allem die Stellplatzsatzung, die der Stadtrat laut Vertrag letzten Dezember hätte beschließen müssen", wird Sprecher Arne Schäffler in einer städtischen Mitteilung zitiert. „Der Vertrag wurde mit der Stadtverwaltung geschlossen, nicht mit dem Stadtrat", sagt Weber dazu. "Darin wurde vereinbart, dass die Verwaltung dem Stadtrat eine neue Stellplatzsatzung zur Abstimmung vorlegt, was auch geschehen ist. Damit haben wir Wort gehalten. Der Stadtrat trifft seine Entscheidungen unabhängig, das ist sein gutes Recht." Die Satzung werde derzeit überarbeitet. "Ich bin sicher, dass wir auch bei diesem Thema in absehbarer Zeit eine gute Lösung finden", so die Oberbürgermeisterin.

Die Augsburger Grünen bezeichnen den Radvertrag als "Meilenstein für die Mobilitätswende". "Der erste Fortschrittsbericht zeigt: Augsburg hat noch ein gutes Stück vor sich, ist aber auf Kurs in Richtung Fahrradstadt", sagt Deniz Anan, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion. Positiv sehen die Grünen unter anderem, dass bereits 80 Parkplätze weggefallen sind und im Gegenzug viele neue sichere Abstellplätze für Fahrräder geschaffen worden seien. (pb)

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X