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Kampf um Augsburger Premium-Aerotec-Werk: IG Metall kündigt Warnstreiks an

Ein Werk des Augsburger Premium-Aerotec-Standorts soll verkauft werden. Unter anderem deswegen finden nun erneut Warnstreiks statt.

Die künftige Struktur von Airbus und der Tochtergesellschaft Premium Aerotec führt erneut zu Konflikten zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. In Augsburg sollen nach den Plänen des Konzerns im Zuge der Umstrukturierung zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut werden. In den Augsburger Werken finden deshalb auf Aufruf der IG Metall seit Mittwoch bis zum Samstag Warnstreiks statt.

Während große Teile von Premium Aerotec künftig wieder Teil des Hauptkonzerns werden sollen, will das Unternehmen das Werk 4 in Augsburg und das Werk in Varel in Niedersachsen weiterhin verkaufen. In diesem Zusammenhang sollen an den beiden Standorten in den kommenden Jahren wohl rund 750 Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Betriebsrat sei bereits aufgerufen worden, das Okay zu diesem Personalabbau in den kommenden drei bis vier Jahren zu geben, sagte am Mittwoch Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste und Verhandlungsführer, auf einer Pressekonferenz. Die IG Metall will das allerdings verhindern. Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag, der den Beschäftigten aller Standorte Sicherheit bietet.

In Augsburg würden sich auch die Werksteile 1, 2, und 3 "mit großer Energie" an den Warnstreiks beteiligen, kündigte Sebastian Kunzendorf, Betriebsratsvorsitzender des Augsburger Premium-Aerotec-Standorts, an. Man lasse sich nicht spalten, habe "nur als gemeinsames Werk eine Chance für die Zukunft".

Zwar ist noch nicht bekannt, wie viele der 750 Stellen genau am Standort Augsburg und wie viele in Varel abgebaut werden sollen, doch Kunzendorf geht davon aus, dass der Stellenabbau im Augsburger Werk 4 wohl jeden dritten bis vierten Mitarbeiter betreffen würde. Dass man heute nun schon Zusagen machen solle zu einem so massiven Stellenabbau in den kommenden Jahren mache den Betriebsrat "sehr, sehr wütend".

Dass für das Werk 4, wo Kleinteile für den Flugzeugbau gefertigt werden, aktuell sogar noch neue Mitarbeiter gesucht würden, um die Aufträge erfüllen zu können, mache das ganze "zusätzlich paradox". "Da können Sie sich auch vorstellen, wie die Kollegen darauf reagieren", betonte der Betriebsratsvorsitzende.

Trotz der aktuell guten Auftragslage macht die IG Metall sich Sorgen, dass irgendwann der gesamte Augsburger Standort bedroht sein könnte – diesen Eindruck könne man laut Kunzendorf zumindest bekommen. Denn auch für die anderen Augsburger Werke gebe es bisher keine Zusage für künftige Aufträge, wenn der aktuelle ausläuft.

Die IG Metall hofft, dass die Geschäftsführung sich letztendlich doch noch überzeugen lässt, alle Standorte in den Mutterkonzern zu integrieren und an den Zukunftsplänen zu beteiligen. Denn so sei das auch in Frankreich, wo die Sparte für Zivilflugzeuge ihren Sitz hat, der Fall. Letztlich müsse sich nun entscheiden, ob Airbus ein französisches Unternehmen "mit ein paar Standorten in Deutschland" sei, oder ein gemeinsamer, europäischer Konzern, so Daniel Friedrich. Deshalb muss sich aus Sicht der IG Metall auch die neue Bundesregierung "klar an unserer Seite positionieren" und etwa die Luftfahrtindustrie stärker fördern.

Viel, was Airbus in den Verhandlungen angeboten habe, halte man auch durchaus für richtig, gestand Friedrich ein. Doch am Ende sichere der Konzern dadurch vor allem die bereits geplante Produktion und das "Brot- und Butter-Geschäft" ab, während die Zukunft ungeklärt bliebe. Denn das aktuelle Airbus-Geschäftsfeld sei endlich, es müssten neue Flugzeuge mit neuen Antrieben entwickelt werden - und daran sollen nach dem Wille der IG Metall alle deutschen Standorte beteiligt werden. Wenn es nicht bald für alle Beschäftigten "Zukunftstarifverträge" für die kommenden zwölf Jahre gebe, dann laufe die Auseinandersetzung im kommenden Jahr wohl "auf einen Großkonflikt zu", betonte Friedrich.

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