Region: Augsburg Stadt

Klimastudie: Einhaltung des CO2-Restbudgets in Augsburg "nicht realistisch"

Kein Individualverkehr, dafür ein besserer ÖPNV: Eine Studie gibt der Stadt Augsburg Handlungsempfehlungen für den Weg zur Klimaneutralität.

Bis 2050 sollen Augsburgs Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 95 Prozent reduziert werden. Eine 2020 in Auftrag gegebene Studie sollte untersuchen, welche Schritte die Stadt bis 2030 gehen muss, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen. Am Montag wurden die Ergebnisse nun im Umweltausschuss vorgestellt. In der kommenden Woche soll der Stadtrat die Verwaltung beauftragen, auf Basis der Studie ein Klimaschutzprogramm zu entwickeln.

Den Auftrag für die Studie erhielten die Kommunalberatung KlimaKom und das Thüringer Institut Think. Sie sollten der Stadt klare Schritte vorgeben, um ihre Emissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. Nach Kritik aus dem Klimabeirat beschloss der Stadtrat, die Reduktionsziele weiter zu verschärfen, um das der Stadt zur Verfügung stehende CO2-Restbudget nicht zu überschreiten. Laut den Klimaberatern ist es aber aktuell "nicht vorstellbar, dass sich die notwendigen Maßnahmen so weit beschleunigen ließen, dass dieses Ziel noch erreicht werden könnte".

Als Restbudget nahm die Studie 9,7 Millionen Tonnen CO2 an – so viel bliebe Augsburg, gemessen am prozentualen Anteil an der Weltbevölkerung, bis zur Klimaneutralität übrig, um weltweit das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Die Stadt sei allerdings bereits davon ausgegangen, dass das Ziel allein durch die kommunalen Einflussmöglichkeiten nicht zu erreichen sei. Als zweiter "Meilenstein" wurde deshalb ein Budget von 20 Millionen Tonnen angenommen, durch die das 2-Grad-Ziel erreicht werden könne.

Halbierung der Emissionen bis 2027 möglich

Laut den Klimaberatern ist eine Halbierung der Emissionen bis 2030 machbar, wenn sich die "bisherigen Trends fortsetzen", geplante Maßnahmen umgesetzt und insbesondere beim Verkehr verstärkt werden. Für die Einhaltung des 9,7-Millionen-Tonnen-Restbudgets reicht das aber nicht. Laut einer Prognose der Studie kann mit einer Halbierung der Emissionen bis 2027 gerechnet werden. Bereits 2026 hätte die Stadt aber 9,3 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, bis 2030 wären es rund 13,2 Millionen.

Die Anforderungen, um das Budget einzuhalten, sind anspruchsvoll. So müsste laut der Studie bis spätestens 2030 die gesamte Augsburger Stromversorgung auf erneuerbaren Energien basieren. Die Einwirkungsmöglichkeiten der Stadt seien dabei aber gering, da sich diese nur "in begrenztem Umfang" selbst mit erneuerbaren Energien versorgen könne. Wichtig sei eine "drastische Beschleunigung" der bundesweiten Ausbauziele und ein Ausstieg aus der Braunkohle bis 2025.

Im Bereich Wärme macht Erdgas mit 73,5 Prozent den größten Teil der Versorgung aus. Um das CO2-Budget einzuhalten, müsste in den kommenden zehn Jahren die Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt werden, in Verbindung mit "sehr hohen Energieeinsparungen". Es sei aber absehbar, dass der Umbau der Wärmeversorgung und die energetische Sanierung von Gebäuden "sowohl Zeit als auch hohe Investitionen in Anspruch nehmen wird". Der Zeitplan hänge auch von personellen und finanziellen Kapazitäten ab. "Vor diesem Hintergrund erscheint die Einhaltung des CO2-Budgets nicht realistisch", heißt es in der Studie.

Reihe von Maßnahmen nötig

Am ehesten könnte die Stadt die Klimaneutralität im Bereich der Mobilität erreichen, doch auch hier dürfte die Umsetzung bis 2030 schwierig werden: Um das CO2-Budget einzuhalten, dürften die Augsburger ab 2032 keine Verbrenner mehr fahren. "Dazu wären weitgehend unrealistische Rahmenbedingungen wie ein sofortiges Verbot des Verkaufs von Verbrennungsmotoren auf Bundesebene notwendig", betonen die Klimaberater. Die Stadt könne durch planungs- und ordnungsrechtliche Maßnahmen Einfluss nehmen. Vor allem seien aber auch die Akzeptanz und "aktive Mitwirkung" der Bevölkerung ausschlaggebend. "Dafür müssen die gesteckten Ziele für alle voraussehbar und umsetzbar sein", so die Studie.

Zumindest bis zum Jahr 2040 könnten laut den Experten die CO2-Emissionen so weit reduziert werden, dass das zweite Budget von 20 Millionen Tonnen und damit das 2-Grad-Ziel eingehalten werden könnten. Nötig sei hierfür eine Reihe von Maßnahmen, für die die Studie Empfehlungen gibt. Dazu gehören der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft sowie der Fernwärmeversorgung. Neubaugebiete müssten klimaneutral gebaut werden, für neue Gebäude sollte der Passivhausstandard gelten.

Bei der Mobilität müsse ein Gesamtkonzept für die Elektromobilität erstellt werden, der Individualverkehr könne eingeschränkt und der ÖPNV dadurch attraktiver gemacht werden. Wichtig sei dabei aber auch ein "schnelles und einfaches Mobilitätssystem" in der Stadt und der Region. Weitere Vorschläge sind eine wohnortnahe Nahversorgung und ein Klimafonds, der nachhaltige Projekte im Stadtgebiet fördert.

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