Region: Augsburg Stadt

Kritik an geplanten Baumfällungen: Polizei stoppt Kletteraktion des Klimacamps

Mit der Frage, ob die noch übrigen Bäume am Hauptbahnhof gefällt werden sollen, damit muss sich nach der Sommerpause der Augsburger Stadtrat beschäftigen.

Ein vom Augsburger Klimacamp angekündigter "Kletterworkshop" am Augsburger Hauptbahnhof ist am Montagabend von der Polizei unterbunden worden. Mit der Aktion wollten die Aktivisten sich für den Erhalt der Bäume am Bahnhofsvorplatz einsetzen, die womöglich im Zuge des Bahnhofsumbaus gefällt werden sollen.

Die in der aktuellen Beschlussvorschlag geplante Vorgehensweise, die übrigen Bäume am Hauptbahnhof offenbar wegen des "größtenteils schlechten Zustands" der Pflanzen zu fällen und durch Neupflanzungen zu ersetzen, stieß in der Stadtgesellschaft zunächst auf Kritik vonseiten der Bürgerinitiative "Baumallianz Augsburg". Im Stadtrat wurde der entsprechende Beschluss jüngst vertagt. Der Kritik der Baumallianz hat sich nun auch das Klimacamp angeschlossen.

Die Aktivisten kritisieren, wie auch die Baumallianz, dass der Bahnhofsvorplatz und die dort stehenden Bäume über viele Jahre vernachlässigt worden seien. Die geplanten Ersatzpflanzungen – angekündigt sind mehr Neupflanzungen als Fällungen – bezeichnet Klimacamperin Charlotte Lauter als "Ersatzpflanzungsexperimente" mit ungewissem Ausgang. Die Klimacamper fordern stattdessen einen Erhalt und eine bessere Pflege des Baumbestands. Durch eine "ansprechende Bepflanzung und Sitzgelegenheiten" könne der Platz, der aktuell nur "eine ungepflegte Fläche und Lagerplatz für Schrottfahrräder" sei, zu einem schönen Verweilort für Menschen werden.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatten die Aktivisten für Montagabend zu einem "Kletterworkshop" am Hauptbahnhof eingeladen. Man wolle Anwohnern und Bürgern ermöglichen, die Bäume im Notfall zu besetzen, falls es tatsächlich zu den Fällungen kommen sollte, hieß es in der Ankündigung der Aktion.

Laut Klimacamp fanden sich am Montag etwa 15 Menschen für den Workshop ein, zur Durchführung sei es aber nicht gekommen. Die Polizei verhinderte die Kletteraktion. Als Grund nannten die Beamten gegenüber den Aktivisten wohl die Gefahrenabwehr. Demnach sollten die Bäume und die Aktivisten vor möglichen Beschädigungen beziehungsweise Verletzungen geschützt werden.

Das Klimacamp kritisiert nun auch das Eingreifen der Polizei: Es sei ob der in Deutschland erlaubten Klettersteige und Risikosportarten fraglich, ob ein reines Besteigen von Bäumen eine abzuwehrende Gefahr bedeute. Die 19-Jährige zog stattdessen das Fazit "Fällen erlaubt, Beklettern verboten".

Laut dem Klimacamp leitete die Polizei am Montag auch ein Verfahren gegen die Baumallianz ein. Diese hatten wohl Hinweisschilder an den Bäumen befestigt, ohne auf diesen, wie rechtlich vorgeschrieben, eine Ansprechperson anzugeben. Voraussichtlich droht der Bürgervereinigung hierfür ein Bußgeld. (pm/lat)

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