Region: Augsburg Stadt

Das Land, in dem der Bär los ist

Profilbild vonLeserReporter Thorsten Frank
Slowenischer Botschafter Franc But aus Berlin zu Gast in Augsburg v.l.n.r. Bürgermeister Bernd Kränzle, S.E. Botschafter Franc But, Generalkonsulin Maša Šiftar, Stadträtin Franziska Wörz; Thorsten Frank Landesvorsitzender Europa-Union Bayern
Slowenischer Botschafter zur EU-Ratspräsidentschaft zu Gast in Augsburg

Hoher Besuch war am Di. 19.10.21 zu Gast in Augsburg. Der slowenische Botschafter Franc But aus Berlin höchstpersönlich stellte in der Friedensstadt in der Stadtbücherei auf Einladung der Europa-Union Augsburg das Land und die EU-Ratspräsidentschaft vor. Ebenfalls zu Gast war die slowenische Generalkonsulin Maša Šiftar aus München und Thorsten Frank, Vorsitzender der Europa-Union Bayern und Augsburg. Die Stadt Augsburg würdigte den Besuch seiner Exzellenz mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Da es dem Botschafter wichtig war, sich Zeit für die Fuggerstadt zu nehmen, besichtigte der hochrangige Gast und die Generalkonsulin auf Einladung der Stadt auch bedeutsame Orte in der Schwabenmetropole.

Der Botschafter war zum dritten Mal in Augsburg, erstmals sei er mit 16 Jahren in der Stadt gewesen. Für Slowenien ist es die zweite EU-Ratspräsidentschaft. But rief dazu auf, Slowenien nicht gleich Polen oder Ungarn zu setzen „90% der Presse in unserem Land sind gegen den Ministerpräsidenten und wir haben auch keine Probleme im Bereich der Minderheitenrechte LGBTIQ“. Slowenien respektiere demokratische Strukturen und stimmte bislang immer für Europa.

Sein Land sei dafür mehr miteinander und weniger übereinander zu reden.

Neben den drei Kernthemen Resilienz, Erholung und strategische Autonomie der Europäischen Union als Schwerpunkte der Ratspräsidentschaft führte But weitere wichtige Themen ins Feld. Zum einen, was die Entscheidungsstrukturen in der EU betreffe und zum anderen was die Entwicklung im westlichen Balkan angehe.

So könne sich Slowenien durchaus mehr Mehrheitsentscheidungen auf Europäischer Ebene vorstellen. But machte das an einem konkreten Beispiel deutlich. Kaum war der Konflikt zwischen Griechen und Nordmazedonien nach 14 Jahren gelöst, erhebt nun plötzlich Bulgarien Einwände gegen eine Annäherung des Landes an Europa und blockiert damit als nur eines von 26 den gesamten Prozess für Nordmazedonien. Gleichzeitig gab es in Bulgarien innerhalb kurzer Zeit gleich drei Regierungswechsel, sodass es schwer sei, überhaupt passende Ansprechpartner zu finden.

West-Balkan Länder nicht vergessen

Nach seiner Wahrnehmung werde die Jugend in den West-Balkan-Ländern ungeduldig und glaube nicht mehr an eine Perspektive des eigenen Landes in der EU. Das führe dazu, dass gerade junge gebildete Menschen zuhauf ihr Glück in Europa statt im eigenen Land suchen, was wiederum fatal für die Entwicklung der Ursprungsländer wäre. But konnte aber auch positives berichten: So zeichne sich in den aktuellen Bemühungen um eine Annäherung zwischen EU und Albanien eine Lösung ab.

Thorsten Frank erläuterte, dass die Aufnahme weiterer Länder auch aus den Erfahrungen mit den Entwicklungen in einigen aufgenommenen Ländern derzeit skeptisch betrachtet werde. „Einige Länder haben nach der Unterzeichnung der Verträge eher den Rückwärtsgang in Sachen europäische Grundwerte eingelegt“ fasst Frank die Bedenken zusammen. Dadurch werde die Gefahr gesehen, dass bei weiteren Aufnahmen mit unveränderten Strukturen die Stabilität in der EU insgesamt ins Wanken geraten könne, so der Vorsitzende der Europa-Union Augsburg weiter.

Beide waren sich einig, dass die Länder eine Perspektive bräuchten und es zwischen 0 und 100 % Zusammenarbeit es ja durchaus Möglichkeiten dazu gäbe. „Europa hat mit weit weniger demokratisch geführten Ländern auf „Wandel durch Handel“ gesetzt, dann sollten im wirtschaftlichen Bereich auch Lösungen innerhalb Europas möglich sein, sahen Franc But und Thorsten Frank Lösungsansätze um die Entwicklung im westlichen Balkan zu fördern.

Der Botschafter stellt auch das zwei Millionen Einwohner zählende und reizvoll gelegene Land zwischen Alpen und Adria vor.

So erfuhren die Interessierten, dass rund 60 % der Landesfläche bewaldet sind, 37% des Landes als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, und es 10.000 km Wanderwege in Slowenien gibt. Das Land, dass rund 12 % seiner Wirtschaftskraft aus dem Tourismus schöpft hat sein Bruttoinlandsprodukt seit seinem Beitritt verdreifacht, während andere Balkanstaaten deutlich schlechter abschnitten. Das Land sei nicht nur für Erholungssuchende eine wahre Goldgrube mit gleich fünf UNSESCO Welterbe Stätten. Es sei auch im wahrsten Sinne des Wortes der Bär los. Genauer gesagt leben rund 1.200 Bären in Slovenien, informierte seine Exzellenz.

Neben dem Dank an den Botschafter und die Generalkonsulin war es dem Augsburger Vorsitzenden der Europa-Union auch wichtig dem deutsch-slowenischen Kulturverein drava zu danken. Deren Aktive sorgten auch musikalisch zum Beginn und Abschluss für Stimmung. Außerdem dankte Frank der Stellvertretenden Vorsitzenden Isabella Fetzer und den weiteren ehrenamtlich Aktiven der Europa-Union Augsburg sowie den Partnern Europe Direct Augsburg, der Stadt Augsburg, der VHS Augsburg und den Jungen Europäischen Föderalisten Augsburg sowie der Bürgerdialogreihe der Europa-Union Deutschland für die gute Zusammenarbeit. Nur dieses Breite Bündnis ermögliche das runde Angebot für Gast und Interessierte gleichermaßen. Denn nur dadurch sei es möglich hochrangige Vertreter Europas in der Stadt begrüßen zu können, die sie sonst eher selten persönlich direkt befragen können, so Frank weiter, der auch Landesvorsitzender der Europa-Union Bayern e.V. ist. Augsburg sende darüber hinaus als Friedensstadt ein weiteres positives Signal an die Gäste und die Länder, die diese vertreten, fasst der Vorsitzende der Europa-Union Augsburg das Motiv der ehrenamtlich Engagierten und der Zusammenarbeit zusammen.

Vor Slowenien hatte bis 30.06.21 Portugal die EU-Ratspräsidentschaft inne. Am 01.01.2022 folgt Frankreich.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der bundesweiten Bürgerdialogreihe „Europa – Wir müssen reden!“ statt. Diese wird von der Europäischen Union kofinanziert. Die Europa-Union Augsburg plant auch im ersten Halbjahr 2022 einen Abend zur EU-Ratspräsidentschaft, die dann Frankreich inne haben wird. Traditionell veranstaltet die Europa-Union Augsburg halbjährlich derartige Abende. Die Europa-Union Augsburg wurde 1948 gegründet. Der gemeinnützige Verein wurde 2018 mit dem Bürgerpreis des Bayerischen Landtags ausgezeichnet. Die Europa-Union bietet zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen, damit sich Europa im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Die Europa-Union besteht aus Gliederungen vom Kreisverband bis hin zur europäischen Ebene. Weitere Infos zur Europa-Union Augsburg e.V. sind auf www.europaunion-augsburg.de zu finden.

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