Region: Augsburg Stadt

Mehr als 375.000 Überstunden: Stadtrat beschließt digitales Zeiterfassungssystem

Die Langzeitkonten der Stadt Augsburg für die Überstunden der rund 6800 Mitarbeiter sorgten zuletzt für Kritik. Der Stadtrat hat nun ein digitales Zeiterfassungssystem beschlossen.

Für viel Aufsehen und Empörung hatte zuletzt die Überstunden-Regelung bei der Stadt Augsburg gesorgt. Aus einer nichtöffentlichen Sitzung des Personalausschusses war an die Öffentlichkeit gedrungen, dass Baureferent Gerd Merkle seine mehr als 4500 Überstunden, die er in leitender Position der Bauverwaltung zwischen 1994 und 2008 angesammelt hatte, nun ausbezahlt haben möchte. Dabei geht es um mehr als 200.000 Euro.

Um künftig die Mehrarbeit der städtischen Mitarbeiter besser im Blick zu haben, hat der Stadtrat nun die Einführung eines elektronischen Zeiterfassungssystems beschlossen. Dieses soll aber nicht nur zur simplen Stundenkontrolle dienen, sondern durch Vereinfachungen und Automatisierungen zu einer spürbaren Entlastung aller Beschäftigten in Zeitbewirtschaftungs- und Personaldispositionsprozessen führen.

Wie Personalreferent Frank Pintsch erklärt, würde die Stadt Augsburg mit dem neuen digitalen System dem sich wandelnden Arbeitsmarkt und den zunehmend flexibler werdenden Arbeitsplätzen Rechnung tragen. Seiner Ansicht nach soll es künftig "auch mal möglich sein, am Abend E-Mails zu schreiben, aber dann muss das ordentlich dokumentiert werden", so Pintsch.

Gerade während der Corona-Krise, als 200 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen im Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung aushalfen, hätte man oft nicht gewusst, wo die Angestellten am nächsten Tag tätig seien. Im nun beschlossenen Zeiterfassungssystem soll sichergestellt werden, dass man "die benötigte Anzahl an Beschäftigten mit den notwendigen Qualifikationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort einsetzen" könne, heißt es in der Beschlussvorlage.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Überstunden der etwa 6800 städtischen Mitarbeiter stetig gestiegen. Lag die Gesamtzahl im Jahr 2015 noch bei knapp unter 300.000, so seien es nach Angaben des Personalreferenten im Jahr 2017 bereits 313.117 Überstunden und Ende 2020 gar 376.657 Stunden an geleisteter Mehrarbeit gewesen. "Das ist ein Problem", sagt Pintsch in Anbetracht der Gesamtsumme.

Generell sehe der Personalreferent bei der Stadt jedoch kein Überstundenproblem. Im Durchschnitt komme man auf etwa 50 bis 55 Überstunden pro Mitarbeiter. Vor allem bei Führungskräften würden sich laut Pintsch aber viele Überstunden sammeln.

Bei der Stadt Augsburg gibt es Dienstvereinbarungen von 2004 und 2011, die es den Mitarbeitern erlauben, unbegrenzt Überstunden auf Langzeitkonten zu horten. Die einzige Limitierung besteht darin, dass jährlich nur 120 Stunden übertragen werden dürfen. Einige Angestellte würden die so angesammelten Stunden dafür nutzen, um früher in den Ruhestand zu gehen, andere jedoch würden sich mal ein halbes Jahr lang um einen Pflegefall in der Familie kümmern, so der Personalreferent. Die individuelle Arbeitszeitgestaltung würde die Stadt als Arbeitgeberin attraktiv machen.

Die Dienstvereinbarungen will Pintsch dennoch angehen und gemeinsam mit dem Personalrat überarbeiten. Inwiefern es eine Begrenzung der Mehrarbeit oder dergleichen geben soll, wollten Pintsch und Oberbürgermeisterin Eva Weber nicht beantworten. Abhilfe soll aber auch das digitale Zeiterfassungssystem schaffen, das sich die Stadt bis 2026 mehr als 2,6 Millionen Euro kosten lässt. In anderen Städten hätten sich die Kosten durch Automatisierungsprozesse "relativ schnell" amortisiert, erklärt Pintsch. In Augsburg, so die Hochrechnungen, soll sich das neue System etwa ab dem Jahr 2030 rechnen. (pb)

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