Region: Augsburg Stadt

Ministerium reagiert auf Zugausfälle im Raum Augsburg

Der Wintereinbruch sorgt im Netz von Go-Ahead für massive Startschwierigkeiten.

Auf die vermehrten Zugausfälle nach dem Start des Unternehmens Go-Ahead auf den Nahverkehrsstrecken im Großraum Augsburg hat nun das bayerische Verkehrsministerium reagiert. In einer Pressemitteilung kritisiert das Ministerium nicht nur die Firma Siemens für für die Auslieferung von mutmaßlich "nicht wintertauglichen" Zügen, sondern auch Go-Ahead für mangelhafte Fahrgastinformationen.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert – und somit Auftraggeber von Go-Ahead ist – führe bereits Krisengespräche mit allen Beteiligten, heißt es von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter. Es sei "schlichtweg inakzeptabel, dass fabrikneue Schienenfahrzeuge nicht wintertauglich sind und bei Minusgraden auf offener Strecke liegen bleiben". Auch den Fahrzeughersteller Siemens habe die BEG in direkten Gesprächen aufgefordert, die Probleme "so schnell wie möglich zu lösen".

Nach Wintereinbruch blieben zunächst zahlreiche Fahrzeuge der neuen Flotte liegen, insbesondere im Raum Augsburg. Mehrere der Züge waren laut Go-Ahead auch wegen Blitzeis an den Oberleitungen beschädigt worden und mussten vor einer weiteren Fahrt erst einmal repariert werden. Weiterhin ist laut dem Ministerium nur rund die Hälfte der insgesamt 56 Fahrzeuge von Go-Ahead einsatzfähig, da Mängel noch nicht abschließend geklärt seien.

Die BEG unterstütze Go-Ahead nun auch bei kurzfristig einberufenen Gesprächen mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen, um Ersatzfahrzeuge für die defekten Siemens-Züge zu beschaffen. "Leider gab es in den vergangenen Jahren überall in Deutschland immer wieder technische Probleme bei Neufahrzeugen", so Bernreiter. "Das wächst sich zunehmend zu einem strukturellen Problem der gesamten Branche aus, was am Ende die Fahrgäste ausbaden müssen."

Die BEG hatte im Dezember 2018 den Zuschlag an Go-Ahead im Vergabeverfahren für die Augsburger Netze erteilt, bei dem das Unternehmen das beste Angebot in Bezug auf Qualität und Preis abgegeben habe. Die BEG legte im Verfahren die Mindeststandards fest, die die Züge erfüllen müssen, beispielsweise in Bezug auf Kapazität und Ausstattung. Die Beschaffung der Züge inklusive der Auswahl des Herstellers liegt in der Verantwortung von Go-Ahead. Für Verkehrsleistungen, die nicht erbracht werden, erhält Go-Ahead von der BEG keine Zahlungen. Wenn Züge ausfallen, weil Personal fehlt oder Fahrzeuge nicht verfügbar sind, wird zusätzlich eine Vertragsstrafe fällig. Entsprechend hoch ist auch der finanzielle Anreiz, einen möglichst störungsfreien Betrieb sicherzustellen.

"Völlig inakzeptabel ist auch die Fahrgastinformation von Go-Ahead in der aktuellen Krisensituation", kritisiert der Minister auch. "Weder in den Zügen noch auf den digitalen Informationskanälen erhielten die Fahrgäste zuverlässige Informationen. Bei diesen kalten Temperaturen ist das ein besonderes Ärgernis. Im Rahmen unseres Qualitätsmesssystems drohen Go-Ahead auch hier für die Versäumnisse Strafzahlungen."

Bereits seit Dezember 2021 ist Go-Ahead in Bayern für die Regionalzuglinien im E-Netz Allgäu zwischen München und Lindau verantwortlich. Dort habe sich der Betrieb nach kleineren Startschwierigkeiten relativ schnell stabilisiert, so das Verkehrsministerium. Go-Ahead fährt dort mit Zügen des Schweizer Herstellers Stadler.

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