Region: Augsburg Stadt

Naturschützer wollen Rodung des Bannwalds bei Meitingen gerichtlich stoppen

Anwohner und Naturschützer protestierten in den vergangenen Monaten immer wieder gegen die Rodung des Lohwaldes in der Nähe des Meitinger Ortsteils Herbertshofen.

Anwohner und Naturschützer kämpfen weiter um den Lohwald bei Meitingen, auch wenn die angrenzenden Lech-Stahlwerke bereits einen großen Teil des Waldes abgeholzt haben. Im Herbst hatte die Regierung von Schwaben dem Stahlwerk eine Ausnahmegenehmigung erteilt, sein Betriebsgelände zu erweitern und dafür den Wald zu roden. Dies sei rechtswidrig, sagt der Bund Naturschutz, der mit Unterstützung der Bürgerinitiative Lech-Schmuttertal und der "Aktionsgemeinschaft zum Erhalt der Lebensqualität im Raum Meitingen (AGL)" eine über fünfzigseitige Begründung zur Normenkontrollklage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München eingereicht hat.

Die Naturschützer halten den Bebauungsplan des Marktes Meitingen für unwirksam und die vorzeitige Rodung des Bannwaldes für rechtswidrig. Am 7. Oktober habe man daher die Normenkontrollklage eingereicht "und jetzt fristgerecht begründet", teilt der Verband mit.

Insgesamt sei mit der Planung für die Erweiterung der Lechstahlwerke eine Rodung "von über 17 Hektar geschützten Bannwaldes verbunden", erklärt Johannes Enzler, Vorsitzender der Augsburger Kreisgruppe des Bund Naturschutz. "Wir hoffen, dass wir mit unseren Klagen und Anzeigen weitere Bannwaldrodungen verhindern können. Leider gehen wir davon aus, dass der neu angepflanzte Wald auch in Jahrzehnten nicht dieselben Waldfunktionen hat, wie der jetzige Bannwald."

Laut der vom Bund Naturschutz beauftragten Rechtsanwältin Lisa Eberlein stellt die Festlegung einer Waldfläche als Bannwald "mit den höchsten Rodungsschutz dar". Die Rodungsvoraussetzungen "liegen hier nicht vor".

In seiner Presseerklärung hebt der Bund Naturschutz die besondere Bedeutung des Lohwalds für den lokalen Klimaschutz, den lokalen Immissionsschutz, den Sichtschutz, den Lärmschutz und das Landschaftsbild sowie als Lebensraum und Biotop hervor. Außerdem sei das Gebiet als Erholungswald ausgewiesen. Ein ausführliches Waldgutachten zeige, dass der neu angepflanzte Wald diese umfangreichen Funktionen auch in Jahrzehnten nicht vollständig erfüllen könne.

"Vorhaben müssen gemeinnützig sein"

Eine Ausnahmegenehmigung komme zusätzlich "laut Begründung zum Waldgesetz nur in Betracht, wenn zwingende Gründe des öffentlichen Wohls vorliegen, wie Krankenhäuser, Energieversorgungsanlagen oder Verkehrswege". Der Bund Naturschutz betont in seiner Stellungnahme: "Vorhaben müssen gemeinnützig sein."

Für Vorhaben privater Natur könne die Ausnahmegenehmigung nicht angewendet werden. Die Erweiterung der Lech-Stahlwerke sei freilich "ein rein privates Vorhaben".

Der Meitinger Lohwald sei wegen seiner Vielfältigkeit aus Artenschutzsicht besonders interessant. "Ein Fachgutachten zeigt, dass die artenschutzfachliche Ermittlung unzureichend war und deswegen zu falschen Ergebnissen führte", so der Bund Naturschutz. Die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen seien bisher kaum erfolgreich. So wurden beispielsweise 142 Fledermauskästen ausgebracht, aber "in nur vier Kästen konnten Tiere angetroffen werden". Laut Bebauungsplan hätte den Naturschützern zufolge "die Rodung im Bereich des ersten Bauabschnittes frühestens drei Fortpflanzungsperioden nach Umsetzung der artenschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen für Vögel, Fledermäuse, die Zauneidechse und das Wald-Wiesenvögelchen erfolgen dürfen". Die Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen habe aber bis in den Herbst 2021 gedauert, "so dass frühestens im Oktober 2024 mit der Rodung hätte begonnen werden dürfen". Daran ändere auch die kurz vor der Rodung erteilte Ausnahmegenehmigung der Regierung von Schwaben nichts, weil sich diese laut Bund Naturschutz nur auf Fledermäuse bezogen habe.

5,6 Hektar Bannwald bereits abgeholzt

Ende Oktober seien bereits 5,6 Hektar Bannwald gerodet worden. Da die Voraussetzungen für die Rodung nicht erfüllt gewesen seien, habe der Bund Naturschutz Anzeige beim Landratsamt Augsburg und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eingereicht, die Ausnahmegenehmigung der Regierung von Schwaben beim Verwaltungsgericht Augsburg beklagt und bei der Regierung von Schwaben einen Antrag auf Sanierung nach Umweltschadensgesetz gestellt. (jaf)

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