Region: Augsburg Stadt

Neue öffentliche Toiletten geplant: Absage für kostenlose Hygieneartikel erteilt

Die Stadt plant neue öffentliche Toiletten in Augsburg.

Neue öffentliche Toiletten sollen künftig in Augsburg entstehen. Die Fortentwicklung eines entsprechenden Toilettenkonzepts hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Diskussionsbedarf gab es jedoch hinsichtlich der Thematik um die Ausgabe kostenloser Hygieneartikel für Frauen.

Die Stadt Augsburg will die Errichtung von öffentlichen Toiletten in der Hallstraße, am Roten Tor, auf dem Plärrergelände sowie im Reese Park, Sheridan Park und Wittelsbacher Park prüfen. Diese Standorte hätten sich aus der Auswertung von Fragebögen und aus den Erfahrungen des Amts für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen mit mobilen Toilettenanlagen in öffentlichen Parkanlagen ergeben. Mit dem nun getroffenen Stadtratsbeschluss soll die jeweilige Umsetzung genauer untersucht werden. Bereits das vorherige Toilettenkonzept sah die Einrichtung von Toiletten etwa in der Annastraße vor. Dieses Vorhaben scheiterte laut Beschlussvorlage jedoch an fehlenden Immobilien.

Die Integration in bestehende Gebäude beispielsweise in der Maximilianstraße sei laut dem Konzept nur bedingt möglich und könne organisatorisch nicht empfohlen werden. "Es handelt sich um Einzeldenkmäler, in deren Substanz nicht eingegriffen werden kann." Die Nutzung zum Beispiel in einem Untergeschoss wäre zwar denkbar, sei jedoch bezüglich getrennten Zugangs zum Hauptgebäude äußerst kompliziert und kostenintensiv. Zudem wäre eine Überwachung mittels Toilettenfrau oder Überwachungskamera unabdingbar, "da in den Nachtstunden hohe Besucherzahlen zu erwarten sind, die zum großen Teil alkoholisiert sind und zum Randalieren neigen", heißt es in dem Toilettenkonzept der Stadt.

Für die sechs neuen Standorte, die nun geprüft werden sollen, stehen zwei mögliche Varianten im Raum. So könnte ein gemauertes Gebäude mit je einer behindertengerechten Damen- und einer Herren- oder gegebenenfalls einer Unisextoilette errichtet werden. Zwar könnten bei dieser Lösung mit einer längeren Lebensdauer nachhaltige Baustoffe verwendet werden, allerdings könne aufgrund des festen Standorts nicht auf wechselnde Besucherströme reagiert werden. Bei Stilllegung würden zudem nicht unerhebliche Abbruchkosten entstehen.

Die zweite Variante sieht jeweils die Aufstellung eines Toilettencontainers vor. Wie die erste Option auch, soll der Container über eine behindertengerechte Damen- und Herren- oder gegebenenfalls Unisextoilette verfügen. Mit circa 25 Jahren hat diese Lösung in Sachen Lebensdauer im Vergleich zur ersten Variante das Nachsehen, jedoch könnte laut Beschlussvorlage mit dem Container auf wechselnde Besucherströme reagiert werden. Außerdem bestünden optisch vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Ein weiterer Vorteil sind die Kosten, die etwa bei rund 25.000 Euro liegen würden. Ein gemauertes Toilettenhäuschen würde die Stadt schätzungsweise 120.000 Euro kosten.

Neben der Untersuchung der geplanten neuen Standorte sieht der Beschluss vor, dass das Projekt "Nette Toilette" verstärkt beworben und kommuniziert werden soll. Gastronomen und Firmen stellen dabei ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung und werden im Gegenzug von der Stadt finanziell bei der Pflege unterstützt. Derzeit wird das Programm in den Stadtteilen Lechhausen, Hochzoll und der Innenstadt angeboten. "Ziel ist dabei, die Anzahl der zur Verfügung stehenden Toiletten (insbesondere Innenstadt) zu erhöhen", heißt es in der Beschlussvorlage.

Eine Absage hingegen haben die Stadträte in der Sommersitzung der Bereitstellung von kostenlosen Binden oder Tampons erteilt. "Wir schreiben das Jahr 2021 und gefühlt sind wir mit der Gleichberechtigung noch im Mittelalter", schreibt Die Partei in ihrem Antrag aus dem vergangenen Jahr. In der jüngsten Stadtratssitzung erneuerte Lisa McQueen die Forderung nach kostenlosen Damenhygieneartikeln.

Seitens der Stadt befürchte man jedoch eine erhöhte Gefahr von Vandalismus, Diebstahl oder verstopften Toiletten. Um dem entgegen zu wirken, müsste laut Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle während den Öffnungszeiten Personal eingesetzt werden, was in keinem wirtschaftlichen Verhältnis steht. "Zudem stehen bei den meisten Toilettenanlagen in fußläufiger Entfernung Drogeriemärkte oder Tankstellen zur Bedarfsdeckung zur Verfügung", so die Verwaltung in der Beschlussvorlage. Letztlich wurden die Hygieneartikel mehrheitlich gegen sieben Stimmen abgelehnt. (pb)

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