Region: Augsburg Stadt

Plan B für Augsburgs Römer: Freiluftmuseum am Pfannenstiel

Mit dem Fest Augusta im Jahr 2015 gab es in Augsburg Römer zum Anfassen. Das Konzept des Aktionsbündnisses AKSQ könnte solch eine Nähe zur römischen Vergangenheit in Augsburg dauerhaft herstellen.

Mit einer Machbarkeitsstudie soll im kommenden Jahr geprüft werden, ob ein Neubau für ein Römermuseum am Predigerberg in Augsburg möglich wäre. Ein Aktionsbündnis bietet ein alternatives Konzept an und bittet um einen transparenten Vergleich.

Augsburg ist in puncto Römer zweifellos die bedeutendste Stadt in Bayern. Ein römisches Museum gibt es allerdings nicht – zumindest nicht mehr, seit die Dominikanerkirche, die zuvor als Museum diente, im Jahr 2012 aus statischen Gründen geschlossen werden musste. Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, wie ein neues Museum neben dem alten Standort verwirklicht werden könnte. Doch: Mit einem "Römerpark" am Pfannenstiel liegt ein alternatives Konzept vor, das in der öffentlichen Diskussion um Augsburgs römisches Erbe weitgehend ausgeblendet wurde.

Die Idee des Römerparks hat das Aktionsbündnis für kulturelles Erbe und Soziales im Quartier (AKSQ) entwickelt. Sie sieht auf der momentan brach liegenden Fläche "Am Pfannenstiel", wo unter der Oberfläche Überreste aus der römischen Vergangenheit in hoher Zahl schlummern, eine Art Freiluftmuseum vor. Auch ein neues Römermuseum würde das Aktionsbündnis hier gerne errichtet sehen, genauer auf einem vorgelagerten Areal, das zuletzt als Parkplatz verwendet wurde.

Die Idee ist dabei keineswegs neu, doch fand sie in der Vergangenheit nicht ausreichend Unterstützung. Mit der neu aufgeflammten Diskussion um das Römische Erbe und der nun beschlossenen Machbarkeitsstudie für den Standort Predigerberg sehen die Mitglieder des Aktionsbündnisses eine Chance, ihren Vorschlag noch einmal vorzustellen. "Wir möchten eine transparente Gegenüberstellung und einen Kostenvergleich der beiden Konzepte", sagt Werner Heim, Zweiter Vorstand des AKSQ.

Zu den Ideen für einen Römerpark gehören ein Lehrpfad mit Relikten aus der Römerzeit und ein Bodenradar, das Einblick auf die noch in der Tiefe liegenden archäologischen Schätze ermöglichen soll. Angehende Archäologen der Universität Augsburg könnten auf dem Gelände das Graben üben – und Besucher wiederum sie dabei beobachten, wie der Forschernachwuchs Überreste aus der Augsburger Geschichte freilegt. Vorbild ist der Archäologische Park Xanten. Auch hier sind Römermuseum und Freilichtmuseum kombiniert. Besondere freigelegte Funde sind dort durch Pavillons geschützt vor schädlichen Umwelteinflüssen und so zugänglich für die Öffentlichkeit. Besonders spektakulär in Xanten sind die rekonstruierten Gebäude. Besucher können dort etwa eine römische Herberge mit Badehaus zur Entspannung nutzen, im Amphitheater Gladiatoren zujubeln und einen teilweise aufgerichteten Hafentempel bestaunen.

Ähnliches könnte auch in Augsburg möglich sein. Hier stellen sich Heim und seine Mitstreiter ein Militärlager mit Wachturm und Holzpalisaden vor, das auf eventuell noch vorhandenen Grundfundamenten in der Tiefe errichtet werden könnte. In einem Geländeplan für ihr Konzept hat das Aktionsbündnis innerhalb des Lagers ein Stabsgebäude, Mannschaftsquartiere, Stallungen und eine Taverne eingetragen. Die Gebäude könnten bewirtschaftet und von historischen Vereinen sowie Lehrenden und Studierenden genutzt werden, so die Vorstellung. Außerhalb des Militärlagers befindet sich auf dem Plan ein Theater antiker Bauweise, aber auch ein Kinderspielplatz ist in der weitläufigen Parkanlage vorgesehen. "Wir wollen hier kein Disneyland machen", betont Heim. Vielmehr soll ein "Lehr- und Erlebnispark mit Niveau für alle Menschen" entstehen.

Wie ernst es dem Aktionsbündnis ist, zeigt die weitere Planung. Im Juni und Juli soll eine stadtweite Umfrage Aufschluss darüber geben, wie die Augsburger zu den beiden Vorschlägen stehen. 4000 Fragebögen will die AKSQ in den Stadtteilen verteilen. Die Befragung laufe nach branchenüblichen Standards ab, macht Heim deutlich. Entsprechend sei die Aussagekraft zu bewerten. Abhängig vom Ergebnis der Umfrage, ist das Aktionsbündnis aber auch bereit, ein Bürgerbegehren zu starten.

Einen ersten Erfolg können er und seine Mitstreiter schon verbuchen. Verena von Mutius-Bartholy, kulturpolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende der Grünen, hat sich jüngst für die Untersuchung der Idee ausgesprochen: "Auch der Römerpark am Pfannenstiel als Freilichtmuseumsfläche sollte weiterhin geprüft werden." Mehr erwartet Heim erstmal nicht: eine transparente und ehrliche Prüfung.

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