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Rechtsextremismus vorbeugen: Stadt Augsburg wird "Modellkommune Deradikalisierung"

Die Stadt Augsburg wird Teil eines bundesweiten Projekts zur Deradikalisierung. Es soll präventiv gegen Rechtsextremismus vorgehen.

Die Stadt Augsburg ist als eine von bundesweit sechs „Modellkommunen Deradikalisierung“ ausgewählt worden, die vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat gefördert werden. Das teilt die Stadt nun mit. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, gefährdete junge Menschen darin zu unterstützen, rechtsradikalen und verschwörungstheoretischen verfassungsfeindlichen Ideologien zu widerstehen und soll einen wichtigen Beitrag zur Extremismusprävention auf kommunaler Ebene leisten.

Das Büro für Kommunale Prävention der Stadt hat gemeinsam mit seinem Projektpartner Violence Prevention Network dem Fachbeirat des Bundesinnenministeriums ein Konzept für ein starkes Präventionsnetzwerk vorgelegt. Dieses sieht vor, das Handeln von Akteuren "auf verschiedenen Ebenen passgenau mit pädagogischer Distanzierungsarbeit zu verknüpfen", erklärt die Stadt. Grundüberlegung des Projekts sei, dass in einer immer komplexer werdenden Welt, in der von jedem und jeder Einzelnen täglich viele Entscheidungen erwartet werden, einfache Erklärungen einen besonderen Reiz hätten. Dabei könnten Schuldzuweisungen und stark vereinfachte Opfer-Täter-Muster zu einer radikalen Vereinfachung der sozialen und politischen Situation führen und rechtspopulistische Gesinnungen für immer mehr Menschen attraktiv machen.

Wie das Büro für Kommunale Prävention ausführt, würden gerade durch gesamtgesellschaftliche Herausforderungen wie etwa die Corona-Pandemie und damit verbundene Einschränkungen des gewohnten Alltages verstärkt Tendenzen der Polarisierung auftreten. Im Zentrum der Arbeit als ausgewählte Modellkommune steht in Augsburg daher das Projekt "Moderation". Es sei ein Impuls für die Radikalisierunsprävention und Deradikalisierung im Bereich „Rechtsextremismus“ in der Stadt. Der Projektname steht für "Modulare Organisation der Deradikalisierung Extrem Rechter Ansichten – Task Force der Interventions-Orientierten Netzwerkarbeit."

„Wir möchten mit diesem Vorhaben den gesellschaftlichen Frieden in unserer Stadt stärken", sagt Ordnungsreferent Frank Pintsch. Er betrachte aktuelle Polarisierungsprozesse und extremistische Entwicklungen mit Sorge und sehe eine große Chance für das Projekt, "weil es auf die Schaffung von Präventionsstrukturen setzt und eine professionelle Anlaufstelle für Deradikalisierung in Augsburg bietet".

Während der einjährigen Projektlaufzeit soll ein Leitfaden zur Kooperation zwischen staatlichen Stellen und einer zivilgesellschaftlich getragenen Beratungsstruktur geschaffen werden. Ziel sei es, rechtsstaatliche Maßnahmen mit pädagogischer Intervention zu verschränken. Daher soll zur Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus ebenso eine Schnittstelle geschaffen werden, wie zur Landeskoordinierungsstelle „Bayern gegen Rechtsextremismus". Die Stadt wolle dafür auch das gut aufgestellte Netzwerk des Büros für Kommunale Prävention nutzen, sagt dessen Leiterin Janina Hentschel. Wie sie erläutert, soll die konkrete pädagogische Deradikalisierungsarbeit von Experten des Vereins Violence Prevention Network durchgeführt werden. Dieser verfüg über breite Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich verschiedener Extremismusformen und sei bereits langjähriger Kooperationspartner des Büros für Kommunale Prävention. (pm)

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