Region: Augsburg Stadt

Stadt Augsburg könnte Teil des Localbahn-Netzes kaufen

Das Augsburger Localbahnnetz wird bislang nur für den Güterverkehr genutzt. Womöglich könnten Teile der Gleise künftig aber auch für den Nahverkehr eingesetzt werden.

Könnten auf den Schienen der Augsburger Localbahn künftig nicht nur Güter, sondern auch Personen transportiert werden? Dieser Idee widmet sich aktuell wieder die Augsburger Stadtpolitik. Wie Baureferent Gerd Merkle in der jüngsten Sitzung des Augsburger Bauausschusses bekannt gab, hat die Localbahn der Stadt einen Teil ihres Schienennetzes zum Kauf angeboten

Umgesetzt werden könnte die Umnutzung des Localbahnnetzes für den Personennahverkehr nach Vorstellung des Baureferats im Zuge der Internationalen Bauausstellung (IBA) für die Metropolregion München bis zum Jahr 2032. Die IBA ist ein zehnjähriges Projekt für Stadt- und Regionalentwicklung, getragen von einer zeitlich begrenzt gegründeten IBA Gesellschaft, die wiederum größtenteils von Kommunen als Gesellschafter getragen werden soll. Gegründet werden soll die Gesellschaft voraussichtlich im Herbst 2022. Im Jahr 2032 sollen dann die umgesetzten Vorzeigeprojekte präsentiert werden.

Das Baureferat erhofft sich bei einer Teilnahme unter anderem zusätzliche Fördermittel für Augsburger Mobilitätsprojekte wie Fahrradschnellwege und die Umnutzung des Localbahnnetzes für den ÖPNV. In der im Bauausschuss beschlossenen Vorlage heißt es, das Localbahnnetz solle für den schienengebundenen Güterverkehr ausgebaut werden, um gewerbliche Strukturen zu erschließen. Aber auch "weitere Entwicklungspotentiale" sollen geprüft werden, etwa die Nutzung für den Personenverkehr oder den Tourismus.

Die Augsburger Localbahn unterhält ein etwa 40 Kilometer langes, innerstädtisches Schienennetz und transportiert bislang als Industriebahn Güter für Augsburger Unternehmen. Wie das Baureferat berichtet, werden inzwischen allerdings viele der ursprünglich angelegten Gleisanschlüsse nicht mehr bedient. Es sei zu Veränderungen bei Transport, Logistik und den Unternehmensstrukturen gekommen, einige Unternehmensstandorte mussten schlichtweg schließen. Eine Reaktivierung der Bahn für den Güterverkehr sei deshalb "nicht mehr im früheren Umfang möglich".

Laut dem Baureferat könnte die Localbahnstrecke stattdessen für den Personenverkehr eingesetzt werden. Anders als das Straßenbahnnetz, dessen Linien allesamt durchs Zentrum am Königsplatz führen, bietet die Localbahn eine Ringstruktur, die unterschiedliche Stadtteile und Straßenbahnlinien direkter miteinander verbinden könnte. Hierzu müssten aber wohl diverse Regularien für den Eisenbahnverkehr überwunden werden. Hierbei erhofft sich das Baureferat Unterstützung von der IBA. Die Beschlussvorlage betont aber auch: Die konkrete Auswahl der Projekte und deren Ausrichtung erfolge letztendlich durch die IBA Gesellschaft. Zudem wurde noch nicht bekannt gegeben, welche Teile des Localbahnnetzes tatsächlich zum Verkauf stehen.

Die Augsburger Stadtratsfraktion aus SPD und Linken hat infolge der Ankündigung, die Localbahn wolle einen Teil ihres Schienennetzes verkaufen, nun aber bereits den Antrag gestellt, mit der Localbahn in Verhandlungen zu treten, "um die angebotenen Flächen zu erwerben". Unabhängig von der IBA fordert die Fraktion eine Machbarkeitsstudie, die prüfen soll, wie die freiwerdenden Gleise genutzt werden könnten.

Insbesondere erhoffen sich die beiden Parteien eine Entlastung der Linie 3, die seit kurzem auch nach Königsbrunn fährt. Die Linie sei "bereits am Ende ihrer Kapazität", wird Fraktionsvorsitzender Florian Freund (SPD) in einer Pressemitteilung zitiert. "Für weitere Firmen-Ansiedlungen im Universitätsviertel und für das neue Viertel Haunstetten Südwest, wäre eine Entlastungslinie mehr als wünschenswert." Eine solche "Entlastungslinie" könnte laut der SPD theoretisch durch eine Verknüpfung des Localbahn- und Straßenbahnnetzes vom Alten Postweg zur Messe und in Richtung Gögginger Straße zur Linie 1 führen. Von der Kongresshalle aus könne die Linie dann bis zur Rosenaustraße fahren, im Bahnhofstunnel münden und so schließlich auch zum Königsplatz weitergeführt werden.

Diese theoretische neue Linie könne eine Kapazitätssteigerung für den Verkehr in Richtung Universitätsviertel und Haunstetten Süd-West sowie "eine wesentliche Fahrzeitverkürzung für diese Gebiete zum Hauptbahnhof" bedeuten, so die "Soziale Fraktion". Durch die Nutzung der Localbahngleise könne dafür gesorgt werden, dass das Stadtentwicklungsprojekt Haunstetten Südwest nach seiner Fertigstellung "bestmöglich" durch den ÖPNV an die Stadt angebunden ist. Für die tausenden Einwohner und Arbeitsplätze, die in diesem neuen Stadtviertel vorgesehen sind, müsse die Stadt "bereits jetzt in die Planungen gehen", schreiben SPD und Linke. (lat)

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