Region: Augsburg Stadt

Die Stadt Augsburg will den "Zigeunerbach" umbenennen

Der "Zigeunerbach" fließt in den Stempflesee im Augsburger Siebentischwald.

Der Stadtrat entscheidet am Donnerstag über eine Umbenennung wegen des diskriminierenden Begriffs.

Der sogenannte Zigeunerbach, ein Zulauf zum Augsburger Stempflesee im Siebentischwald, soll wohl einen neuen Namen erhalten. Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über eine entsprechende Beschlussvorlage. Man wolle in der Stadt künftig bei Ortsbenennungen keine diskriminierenden Begriffe mehr verwenden, heißt es in der Begründung des Finanzreferats, zu dem auch die Forstverwaltung zählt.

Der sogenannte "Zigeunerbach" fließt als Ausleitung aus dem Brunnenbach in den Stempflesee, ein beliebtes Ausflugsziel im Augsburger Stadtwald. Dieser Zu- und Abfluss des Sees ist auch ein Bestandteil des Augsburger Welterberbes. Die Stadt erhielt den Unesco-Titel 2019 für 22 Stationen ihres historischen Wassermanagement-Systems. Eine davon ist der Galgenablass im Siebentischwald, eine Wasserkreuzung, die schließlich auch zum Zigeunerbach führt. Künftig könnten also mehr Touristen als bisher den Bach besuchen.

Der Begriff "Zigeuner" soll dann nicht mehr mit diesem in Verbindung gebracht werden. Denn dieser Ausdruck habe eine stigmatisierende Konnotation, betont das Referat 1 in der Beschlussvorlage. Als Stadt wolle man von solchen diskriminierenden Begriffen Abschied nehmen. Bisher waren vor allem Straßennamen in den Fokus der Stadt gerückt. So wurde die Langemarckstraße bereits wegen ihrer Verbindung zum Nationalsozialismus umbenannt, auch die Umbenennung der Dr.-Mack-Straße ist aus diesem Grund bereits beschlossen. Für Aufsehen sorgte auch Kritik am ehemaligen Namen des Hotels "Drei Mohren", das sich letztendlich ebenfalls für eine Umbenennung entschied und inzwischen "Maximilian's" heißt.

Im Fall des "Zigeunerbachs" ist der Name laut der Beschlussvorlage wohl auf Viehhirten zurückzuführen, die im 18. Jahrhundert jährlich Hunderte Ochsen von Ungarn nach Augsburg trieben. Auf den Weiden im heutigen Siebenbrunn sollten die Tiere an Gewicht zulegen. Wahrscheinlich ab 1765 bezeichnete man den Brunnenbach im Bereich der damals außerhalb des reichsstädtischen Gebietes liegenden Meringer Au deshalb als „Zigeunerbach“. Der Name wurde schließlich ab den 1930er-Jahren für den Zulauf des künstlich angelegten Stempflesees übernommen. Seit den 1980er-Jahren wird allerdings nur noch Zweiterer als "Zigeunerbach" bezeichnet, während der erste Träger des Namens wieder "Brunnenbach" heißt. Einer Verwechslung beider Bachläufe sollte so wohl vorgebeugt werden. Dokumente zu den entsprechenden Kartenkorrekturen seien im Geodatenamt jedoch nicht archiviert.

Als neuen Namen schlägt die Beschlussvorlage nun "Stempflebach" vor. Das verdeutliche aus geografischer Sicht den Zusammenhang zwischen dem Stempflesee und seinem zugehörigen Fließgewässer. Auch der Name "Hirtenbach" sei geprüft worden, erscheine aber als weniger passend, da die historischen Standorte der Ochsenhirten letztendlich an einer ganz anderen Stelle lagen.

Über die Umbenennung wird der Stadtrat nun am Donnerstag entscheiden. Wenn die Vorlage beschlossen ist, werden mehrere Stellen der Stadtverwaltung mit der Umbenennung zu tun haben. Unter anderem wird die Forstverwaltung die Beschilderung anpassen und auch die Waldabteilung "Zigeunerbachkopf" in "Stempflebachkopf" umbenennen. Das Welterbe-Büro wird außerdem beauftragt, die Unesco über die Umbenennung zu informieren.

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