Region: Augsburg Stadt

Städtische Neubauten in Augsburg bekommen Unisex-Toiletten

In Neubauten der Stadt Augsburg soll es künftig auch Unisex-Toiletten geben.

In städtischen Neubauten soll es künftig auch geschlechtsneutrale Toiletten geben. Das hat der Bauausschuss des Augsburger Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung auf Antrag der Regierungsfraktionen beschlossen. Zusätzlich sollen in den Gebäuden der Stadt und ihrer Tochterunternehmen in Zukunft auch die Männer-Toiletten mit Wickeltischen ausgestattet werden. Eine weitere Forderung des ursprünglichen Antrags, die für kürzere Schlangen vor den Frauen-Toiletten sorgen sollte, wird hingegen wohl nicht umgesetzt.

Der Beschluss soll der Diskriminierung von Menschen vorbeugen, die nicht in die traditionellen Geschlechterrollen passen, und für die die Wahl der Männer- oder Frauen-Toilette oft mit Problemen verbunden ist – von persönlichem Unbehagen über Beleidigungen oder sogar Gewaltandrohungen. "Vor allem für trans-, inter- und nicht-binäre Personen ist das Aufsuchen öffentlicher Toiletten eines der größten Probleme im Alltagsleben", betont Christine Kamm (Grüne). "Unisex-Toiletten bieten einfachen, effektiven Schutz vor Diskriminierung." In anderen Ländern sei die Normalisierung aller Geschlechter bereits Standard. Nun gehe auch Augsburg diesen wichtigen Schritt: "Menschen, zu deren Identität oder Erscheinungsbild die gängigen Geschlechterrollen nicht passen, verdienen unsere Beachtung und unseren Schutz", so Kamm.

Nach der gängigen Arbeitsstättenverordnung sind ausschließlich geschlechtsneutrale Toiletten in Neubauten nicht zulässig. Diese werden künftig also zusätzlich zu den üblichen Frauen- und Männertoiletten geschaffen. Die Kosten für die zusätzlichen Toilettenanlagen könnten aktuell noch nicht genau beziffert werden, da diese je nach Einzelfall ermittelt werden müssten. Das Baureferat rechnet aber jeweils mit Ausgaben im fünfstelligen Eurobereich.

Dass die Unisex-Toiletten laut dem aktuellen Beschluss nur in Neubauten entstehen sollen, nannte der CSU-Fraktionsvorsitzende Leo Dietz einen "guten Kompromiss" zwischen dem Ziel, Menschen im Alltag vor Diskriminierung zu schützen, und den dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten. Der Schlüssel, beziehungsweise die genaue Zahl, wie viele geschlechtsneutrale Anlagen künftig pro Bauprojekt entstehen sollen, müsse noch festgelegt werden, so Dietz.

Als weitere Maßnahme für mehr Geschlechtergerechtigkeit sollen künftig auch in den Männer-Toiletten standardmäßig Wickeltische eingebaut werden. Es sei längst gelebte Realität der meisten jungen Familien, dass auch Väter ihre Kinder pflegen und wickeln, so Christine Kamm. Und auch Leo Dietz bezeichnet die Änderung als "wichtigen Schritt": "Wir schließen damit eine Lücke und tragen zur Lebenswirklichkeit junger Väter bei", so Dietz.

Nicht möglich ist es laut der Prüfung des Hochbauamts bei den aktuellen Richtlinien, die Anzahl der Toiletten in den Frauen- und Männeranlagen anzugleichen, indem die Quadratmeterzahl der Männertoilettenanlagen reduziert und dafür die der Frauenanlagen vergrößert wird. Weil Toilettenkabinen mehr Platz in Anspruch nehmen als Urinale stehen für Frauen aktuell meist weniger Toiletten zu Verfügung, was zu längeren Warteschlangen führt. Der ursprüngliche Antrag wollte durch die Angleichung der Toilettenanzahl auch dieses Problem angehen. Allerdings sei die Anzahl der Frauen- und Männertoiletten durch verschiedene Richtlinien festgelegt. Möglich wäre es also lediglich, zusätzlich zu den vorgegebenen Anlagen die Anzahl der Frauentoiletten zu erhöhen. Da dies mit einem erhöhten Raumbedarf und höheren Kosten verbunden wäre, wurde diese Idee nun allerdings im tatsächlichen Beschluss nicht mehr weiter verfolgt. Es sei "jedoch davon auszugehen, dass zukünftig Arbeitsstättenverordnungen und Baurichtlinien Zug um Zug geschlechtergerechter werden", schreiben CSU und Grüne.

Die Mehrheit des Bauausschusses unterstützte die Beschlussvorlage, obwohl die SPD zuvor die alternative Idee ins Spiel gebracht hatte, die ebenfalls nötigen Behinderten-Toiletten gleichzeitig als Unisex-Toiletten mit Wickeltischen auszuschildern und auszubauen, um so Geld zu sparen. Gegen den Beschluss stimmte nur die AfD. (lat)

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