Region: Augsburg Stadt

Bei der Theatersanierung "den Überblick verloren": SPD und Linke kritisieren Augsburger Stadtregierung

SPD und Linke unterstützen die Sanierung des Großen Hauses des Augsburger Staatstheaters, kritisieren aber weiterhin die ebenfalls geplanten Neubauten.

Auf einer Informationsveranstaltung für Stadträte wurde am Montag bekannt, dass die Sanierung des Augsburger Staatstheaters nochmals teurer und rund ein Jahr später fertig werden wird als geplant. Wie viel das Bauprojekt letztendlich tatsächlich kosten wird, ist laut dem Baureferat inzwischen kaum mehr seriös vorherzusagen, denn bereits in den vergangenen Jahren und Monaten sind die Kosten aufgrund von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg stark gestiegen. Aktuell geht man von 340 Millionen Euro aus. Darauf reagierte nun die Oppositions-Fraktion aus SPD und Linken. In einer Pressemitteilung schreibt die "Soziale Fraktion", die schwarz-grüne Stadtregierung habe "den Überblick verloren".

Die Regierungsfraktionen hatten sich bereits zuvor ebenfalls mit einer gemeinsamen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt und dem Projekt ihre weitere Unterstützung zugesagt. Wenn der Stadtrat in seiner Sitzung vom Juni die weiteren Sanierungsschritte beschließen soll, dürfte es deshalb wohl kaum zu Überraschungen kommen. Diskutiert wird das Thema allerdings bereits im Vorfeld. Während CSU und Grüne von einem Bauprojekt für Generationen und einem großen Gewinn für die Augsburger Kulturlandschaft sprechen, kritisiert die Soziale Fraktion das aktualisierte Konzept.

Neben der Sanierung des Großen Hauses entstehen am Staatstheater zwei Neubauten, das "Kleine Haus" mit zusätzlicher Bühne und das Betriebsgebäude, in dem unter anderem Werkstätten und Proberäume untergebracht werden sollen. Im Interim ist das Theater hiermit auf das Gaswerkgelände ausgewichen. An ihre frühere Forderung, statt der Neubauten dauerhaft die bereits für das Theater umgebauten Räume sowie die Brechtbühne am Gaswerk zu nutzen, wiederholt die SPD in der aktuellen Pressemitteilung noch einmal: Die Kosten für die Theatersanierung liefen "aus dem Ruder", wird Fraktionsvorsitzender Florian Freund (SPD) zitiert, und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dirk Wurm (SPD) betont, angesichts der "massiven Kostensteigerungen" und der Unsicherheit darüber, wie hoch diese in Zukunft noch werden, "wäre es klug gewesen, das Gaswerk als dauerhaften zweiten Standort in die Planungen der letzten 18 Monate mit einzubeziehen". Schließlich seien am Gaswerk bereits über 50 Millionen Euro investiert worden und es sei bislang unklar, "wie es an diesem spannenden Ort der Kultur weitergehen wird, wenn das Staatstheater auszieht."

Die Pläne für das Kleine Haus halte die Fraktion architektonisch zwar für "durchaus ansprechend und gelungen", heißt es in der Pressemitteilung. Die geplante Entwicklung eines Theaterviertels sehen SPD und Linke in den neuesten Entwürfen, trotz der Preissteigerung von ursprünglich 186 auf nun 340 Millionen Euro, allerdings kaum mehr umgesetzt. "Städtebaulich ist vom ursprünglichen Gedanken, ein Theaterviertel im Zusammenspiel mit dem Fugger-Boulevard zu schaffen, nicht mehr viel übrig. Nicht nur, weil auch der Fuggerboulevard nicht zu finanzieren sein wird", schreibt die Fraktion. Das vorgestellte Konzept sei "ein herber Schlag" für Anwohner und Gewerbetreibende rund um das Staatstheater, die sich "eine Aufwertung ihres Quartiers erhofft" hätten.

Sorgen mache man sich außerdem darüber, dass die Mehrkosten zu Kürzungen in anderen Bereichen führen könnten – "insbesondere im Sozialen, der Bildung, des Sports und der Verkehrsinfrastruktur", so SPD und Linke. Im Augsburger Stadtrat wird am 23. Juni über die weiteren Sanierungsmaßnahmen des Staatstheaters entschieden. (pm/lat)

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