Region: Augsburg Stadt

Transalp 2022 – Q12 des Gymnasiums bei St. Anna klimafreundlich „on tour“

StaZ-Reporter Dinah Aschenbrenner aus Augsburg
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Ankunft auf dem Gaviapass - höchster Punkt des Transalp

Die Beine sind schwer wie Blei, die Lunge brennt, das Herz klopft bis zum Hals. Aber der höchste Punkt ist bereits in Sicht – nur noch wenige Meter – dann ist es geschafft!!! Es gibt kaum Worte, um das überwältigende Gefühl zu beschreiben, das sich einstellt, wenn man einen langen, kräftezehrenden Gebirgspass mit dem Fahrrad erklommen hat. Die erfolgreichen Transalp-Absolventen des Gymnasiums bei St. Anna wissen genau, wie sich das anfühlt. Denn auf dem Weg von Reutte nach Riva del Garda mussten viele Gipfel mit dem Bike erklommen werden. 

Im Rahmen der Studien- und Berufsorientierung wird am Gymnasium bei St. Anna in Augsburg seit über 10 Jahren das Projekt-Seminar „Transalp“ angeboten. Dieses ist aufgrund der großen Begeisterung der SchülerInnen und des Engagements der Lehrkräfte zur festen Tradition an der Schule geworden. Das Seminar beinhaltet nicht nur die Durchführung, sondern auch die selbständige Planung der Alpenüberquerung durch die Kursteilnehmer unter Anleitung der Seminarlehrer. Auch für die jetzigen Q12-SchülerInnen stand vor ungefähr zwei Jahren die Entscheidung an, welches P-Seminar sie wählen sollten: „Für uns war sofort klar, dass es nur Transalp sein konnte. Denn mit dem Fahrrad über die Alpen zu fahren – das können nicht nur die Profis, dachten wir uns! Und in Zeiten des Klimawandels und Energiesparens leistet so eine Alpenüberquerung per Muskelkraft außerdem einen perfekten Beitrag zum Umweltschutz!“ Aufgrund der großen Nachfrage wurden sogar zwei Transalp-Seminare eingerichtet.

Doch bevor es so weit war, mussten umfangreiche Planungsarbeiten erledigt werden. Um die Aufgaben gerecht auf alle zu verteilen, wurden Teams gebildet, für die sich die SchülerInnen je nach Fähigkeiten und Interesse entscheiden konnten. Die Routenplanungsteams beschäftigten sich mit dem optimalen Streckenverlauf. Ein Team entschied sich für den anspruchsvollen Transalp-Klassiker: Reutte – Imst – Scuol – Lago di San Giacomo – Gaviapass – Madonna di Campiglio – Rifugio Nino Pernici – Riva del Garda. Für die rechtzeitige Buchung von geeigneten Unterkünften und der Bustransferfahrten sorgten die Quartierteams. Die technikversierten Werkstattteams hielten die Fahrräder in optimalem Zustand und vermittelten den SchülerInnen im Rahmen eines Reparaturworkshops, wie sie eigenständig kleinere Schäden beheben können. Die Medizin-Teams waren zuständig für die Versorgung von Verletzten und informierten über Gefahren im hochalpinen Gelände bzw. über die richtige Ernährung und Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die Dokumentationsteams verewigten die einmaligen Erlebnisse mit diversen GoPro-Kameras, Drohnen und Smartphones und zeigten die kinoreifen Filme am Präsentationsabend in der Schule einem sehr interessierten und begeisterten Publikum.

Um die nicht unerheblichen Kosten des Projektes in einem finanzierbaren Rahmen zu halten, begaben sich die Kursteilnehmer auf Sponsorenakquise. Unter den vielen Absagen bzw. ignorierten Anfragen waren erfreulicherweise auch einige Zusagen von regionalen und überregionalen Firmen. Von der Firma Deuter erhielten die Seminarteilnehmer eine interessante Werksführung und Rucksäcke zum sensationellen Vorzugspreis. Die Firma Schöffel stattet sie mit einer kompletten Regenmontur aus, die Firma Gonso mit superbequemen Radlerhosen. Die Herrenbach-Apotheke stellte eine umfangreiche Notfallapotheke zur Verfügung. Intersport Förg sponserte Trinkflaschen und Buffs und organisierte Rabatte auf Löffler- und Roeckl-Produkte. Die AOK schenkte einen Rucksack mit Flickzeug, Pflaster und Traubenzucker.

Um für die große sportliche Herausforderung optimal vorbereitet zu sein, standen diverse Trainingseinheiten und ein Fahrtechnik-Training auf dem Programm. Die Westlichen Wälder boten das ideale Terrain für gemeinsame Ausfahrten. Mit jeder Trainingsfahrt steigerten sich Geschwindigkeit, Höhenmeter und Fahrstrecke und damit auch die Fitness der Sportler. Um die komplette Tourenwoche bewältigen zu können, musste jeder zusätzlich in seiner Freizeit trainieren. 10 Wochen vor dem eigentlichen Tourenstart, absolvierten die Teams eine Test-Tour unter Realbedingungen in den Bergen, um das Pensum einer Transalp-Tagesetappe zu simulieren. Viele nutzten die Sommerferien für ein intensiviertes finales Training.

Rucksack gepackt – Bikes gecheckt - Vamos! Nach fast einjähriger Planungs- und Trainingszeit begann Mitte September für die 24 Transalp-DebütantInnen (14 Jungs und 10 Mädels) und ihre vier Begleitlehrer dann endlich das langersehnte Abenteuer. Nach Verladung der Fahrräder ging es an Bord des vorab gebuchten Shuttlebusses dem Startpunkt in Reutte entgegen. Zwei Stunden später schwangen sich die Radsportler auf die Mountainbikes - wohlwissend, dass eine außergewöhnliche Woche vor Ihnen lag: Drei Länder, 8 Tage, 10.500 Höhenmeter, 483 Kilometer und 66 Stunden auf dem Fahrrad waren zu meistern. Die Routen der beiden Transalp-Kurse waren relativ identisch und unterschieden sich quasi nur an den ersten drei Tourentagen. Der Anspruch steigerte sich von gemütlichen Einfahrrunden am Fernpass bzw. im Lechtal auf ziemlich anspruchsvolle Tagesetappen mit bis zu 2.000 Höhenmetern, 100 Kilometern Strecke und 10 Stunden Fahrtzeit in der wunderschönen Bergwelt des Engadin und der Lombardei. Hochalpines Gelände mit kräftezehrenden Anstiegen und spannenden Trails, aber auch rasante Downhillpassagen brachten manche an ihre körperlichen Grenzen und forderten ihr ganzes fahrerisches Können. Wettertechnisch waren die Biker den unterschiedlichsten Bedingungen ausgesetzt: starke Bewölkung und Temperaturen um den Gefrierpunkt wechselten sich ab mit Sonnenschein und mediterranem Ambiente. Für die verdiente Erholung, die wohltuende Dusche und die dringend benötigte Kalorienzufuhr sorgten die Übernachtungsquartiere. In komfortablen Jugendherbergen und urigen Hütten wurden die beiden Teams mit landestypischen Köstlichkeiten verpflegt und verbrachten dort lustige Abende und „traumhafte“ Nächte. Über den spektakulären Gaviapass, Bormio, Madonna di Campiglio und die alpine Bergwelt des Gardasees näherten sich die Gruppe schließlich dem Endziel Riva del Garda. Nach Bewältigung der allerletzten Höhenmeter und einer wunderschönen Abfahrt mit Panoramablick auf den Gardasee gönnten sich die SchülerInnen ein abschließendes Bad im See und feierten beim gemeinsamen Pizzaessen die erfolgreiche Alpenüberquerung. Nach der Rückfahrt mit dem Reisebus erreichten die beiden Teams stolz und müde den Ausgangspunkt ihres acht Tage zuvor begonnenen Abenteuers – den Parkplatz des Gymnasiums bei St. Anna. Doch die Gedanken waren immer noch „on tour“: nie werden die SchülerInnen die intensiven Naturerlebnisse, das tolle Teamgefühl aber auch die schmerzenden Beine und rucksackgeplagten Rücken vergessen. Aber das Wichtigste ist, dass die Erste-Hilfe-Teams keine ernsthaften Verletzungen zu verarzten hatte und auch die Bikes dank der Werkstattteams, den Stresstest überstanden hatten. Insofern bleiben wunderbare Erinnerungen an acht faszinierende Tage in den Alpen.

An dieser Stelle möchten sich die SchülerInnen recht herzlich bei allen bedanken, die dieses einzigartige Projekt unterstützt haben: bei den Sponsoren für die unkomplizierte Kommunikation sowie für die gesponserten Artikel und bei der Schulleitung des Gymnasiums bei St. Anna für die Genehmigung der Tour. Der größte Dank geht an die Seminarleiter, Herrn Sixt und Frau Bolg sowie die Begleitlehrkräfte, Frau Reger und Herr Albrecht. Sie sorgten für die optimale Vorbereitung und die nötige Motivation und haben die SchülerInnen aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung sicher über die Alpen gebracht und ihnen ein unvergessliches Erlebnis ermöglicht.

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