Region: Augsburger Land

Die Region hält zusammen: Interkommunale Bürgerinitiative in Wollbach gegründet

LeserReporter Ludwig Lenzgeiger aus Adelsried
Kampfeslustig wie der Wollbacher Bär auf dem Ortswappen zeigte sich Josef Stöckle als Initiator der überörtlichen Bürgerinitiative bei der Gründungsversammlung

Zusmarshausen. Bürger aus dem Rothtal, Zusmarshausen, Altenmünster und dem Holzwinkel trafen sich in Wollbach, um eine interkommunale Bürgerinitiative zu Gründen. Ziel der Engagierten ist es, den Ausbau der ICE-Strecke Ulm-Augsburg entlang des Bestandes mit deutlichen Verbesserungen für die Anlieger und die ganze Region zu erreichen.

Das Vereinsheim „Alte Schule“ in Wollbach war bis auf den letzten Platz gefüllt und dennoch herrschte große Einigkeit zum Thema Bahnausbau. Die Initiative zur Versammlung hatten Josef und Manuel Stöckle sowie Markus Weindel ergriffen.

Rückblick zum Stand der Debatte

Hubert Kraus, stellvertretender Landrat im Landkreis Augsburg, erhielt viel Beifall, als er Grundsätzliches und Hintergründe zum geplanten Ausbau des Bahnverkehrts im Rückblick auf die bisherige Entwicklung erläuterte. So sei man sich seit Jahren in der Region einig, dass der Ausbau entlang des Bestandes zu erfolgen habe, wie dies durch eine Vielzahl von Resolutionen klar kommuniziert worden sei. „Die Bahnverbindung soll ausgebaut werden, aber nicht auf dem Rücken der Bürger des Landkreises. Ziel ist nach wie vor, dass mit der Belastung durch den Fern- und Güterverkehr auch ein Mehrwert für die Region entsteht: Ausbau des Lärmschutzes, Sanierung der Bahnhöfe und landschaftsschonende Gestaltung der Mobilität.“ Weshalb die Bahn die große Einigkeit der Region nicht als Chance für eine schnelle und effiziente Umsetzung begreife, sei nur schwer nachvollziehbar.

Ziele des Abends: Eine starke Stimme für den ländlichen Raum

Man dürfe sich nicht auseinanderdividieren lassen, sondern müsse gemeinsam an einem Strang ziehen, betonten die Veranstalter und alle anwesenden Bürgermeister der Region einhellig. Das gelte ebenso für die Ortschaften am Bestand, die man nicht nach dem St.-Florians-Prinzip alleine lassen dürfe, wie die Ortschaften entlang anderer Trassen. Denn Gewinner von Uneinigkeit sei einzig die Bahn, die dann ohne Stärkung des Nahverkehres das Projekt realisieren würde. So kam es am Abend auch zur Sondierung für eine gezielt interkommunale Bürgerinitiative, die in enger Abstimmung informieren, sich artikulieren und sich in den Dialog mit den Entscheidern begeben soll. Nicht zu Letzt soll bereits jetzt mit Blick auf Finanzbedarf für rechtliches Vorgehen geplant werden. Bereits in den kommenden Wochen werden sich in den einzelnen Gemeinden Ablieger konstituieren, um so die Interessen des ländlichen Raumes schlagkräftig zu bündeln. Ein besonderer Fokus, so Kreisrat Steppich, solle darauf liegen, die Volksvertreter parteiübergreifend in die Verantwortung für ihre Wählerinnen und Wähler zu nehmen.

Klarstellungen zum Projektgeschehen und den Wünschen der Region

Der Unmut der Anwohner und Kommunalpolitiker, darunter auch Bürgermeister von Gemeinden entlang der Bestandsstrecke, war deutlich. Die Vertreter der DB hätten nachhaltig das im Voraus entgegengebrachte Vertrauen verletzt, indem immer wieder von möglichen Bahnhöfen entlang der Neubaustrecke die Rede gewesen sei. Dies obschon baulich keine Möglichkeiten dafür bestehen und die Bahn hierdurch ohne Zusagen der beschickenden Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) falsche Versprechungen in den Raum gestellt habe. In gleichem Ton würde beim Bestand angedeutet, die Nahverkehrstaktung im Falle einer Neubaustrecke zu steigern, ohne dass dies überhaupt in einem Möglichkeitshorizont liege. Von Entlastung beim Güterverkehr sei zudem immer wieder die Rede, ohne allerdings davon zu sprechen, dass der Güterverkehr und damit der Lärm sich auf beiden Strecken steigere, so auf bis zu 40 täglichen Züge auf der Bestandsstrecke. Dass beim Bestandsbau bereits zum jetzigen Stand die Bahnhöfe in Alt-Neusäß und Dinkelscherben auf einen barrierefreien Ausbau hoffen können, mache dagegen zuversichtlich. Ziel müsse es sein, noch mehr Bahnhöfe in dieses Bauprogramm zu integrieren und mit modernem Schallschutz die gesamte Strecke zu ertüchtigen. Keine Kirchturmpolitik und keine faulen Kompromisse, formuliert es Kreisrat Ludwig Lenzgeiger.

Das klare Fazit der engagierten Bürger war, dass durch eine Neubaustrecke Nachteile für die gesamte Region, ohne entsprechenden Ausgleich oder Verbesserungen zustande kommen würden. Nur über den Weg des Bestandsausbau könne man für die Bürger in Schwaben etwas erreichen und im Sinne der Nachhaltigkeit, des umweltverträglichen Bahnausbaus und der Verbesserung der Mobilität gemeinsam in die Zukunft kommen. Für die Streckenplaner dürfte die Botschaft klar sein: Der Raumwiderstand „Mensch“ meldet sich laut zu Wort.

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