Region: Augsburger Land

Zusammenarbeit statt Zwietracht: Initiativen der geplanten Trassen im Gespräch

StaZ-Reporter Ludwig Lenzgeiger aus Adelsried
Als StaZ-Reporter berichten Vereine, Organisationen und Privatpersonen. Jeder kann mitmachen.
Ein erster Schritt zur Zusammenarbeit ist getan – Vertreter von Bürgerinitiativen am Bestand und an den möglichen Neubaustrecken trafen sich in Kutzenhausen.

Kutzenhausen. Vertreter von Bürgerinitiativen rund um das Bahnprojekt Ulm-Augsburg trafen sich am Bahnhof in Kutzenhausen. Entgegen anderslautenden Presseäußerungen fanden sich gemeinsame Ziele und Verständnis für Probleme. Die Dimension des Projektes ebenso wie die Informationspolitik der Bahn stehen in der Kritik.

Auf Initiative von Josef Stoeckle trafen sich Vertreter von Bürgerinitiativen aus Adelsried, Kutzenhausen, Neusäß, Zusmarshausen, Streitheim, Horgau, Rommelsried und Hirblingen. Der Diedorfer Vertreter hatte sich im Voraus entschuldigt, sagte aber Gesprächsbereitschaft für weitere Treffen zu. Einig war man sich zunächst über die teils unglückliche Presseberichterstattung, die Aussagen nicht immer stimmig vermischt habe. So habe sich die interkommunale Bürgerinitiative entlang der Autobahn keineswegs zur sogenannten orangen Trasse entlang der A8 bekannt und zudem habe keiner der BI-Vertreter die Trassenplanungen im Nachbarlandkreis Günzburg beeinflussen wollen. Man spreche jeweils für die Betroffenen vor Ort und habe Verständnis für die dortigen Problemstellungen, betonte Stöckle. „Wir dürfen uns von gezielten oder versehentlichen Missverständnissen in der Berichterstattung nicht gegeneinander aufbringen lassen, deshalb ist dieser Termin zentral.“

Konkreter Mehrwert für die Region statt Bahnhofsversprechen und mehr Güterverkehr für den Bestand

„Das Treffen der BI-Vertreter verlief dabei zwar durchaus kontrovers im Hinblick auf die Streckendiskussionen, aber offen, ehrlich und auf Augenhöhe“, resümiert Heiko Mohr. Mohr betonte, dass der Mehrwert für die Region im Fokus stehen müsse, der aus seiner Sicht eng mit dem barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe und dem Lärmschutz für den Bestand zusammenhängt. „Der Güterverkehr auf einer Neubaustrecke wird – wenn er überhaupt stattfindet – kaum vorhanden sein, das bedeutet eine zusätzliche Belastung für den Bestand und das kann man der Bahn nicht durchgehen lassen. Mit dem dritten Gleis am Bestand gewinnt die Region“, so der Adelsrieder. Stefan Vogg aus Streitheim bewertete aus Sicht der interkommunalen BI die Debatten um einen Bahnhof im Streitheimer Forst: „Keine Zuwegung, keine infrastrukturelle Anbindung, ein Standort mitten im Wald, mindestens 14 Hektar Flächenfraß, keine Beschickung – das sind Luftschlösser, die die ehrliche Debatte vernebeln. Versprechungen von Bahnhöfen, für die die Bahn andere bezahlen lässt, können wir nicht ernst nehmen.“ So löste dieser Vorschlag des Vertreters aus Neusäß-Westheim Erstaunen aus, insbesondere deshalb, weil dadurch indirekt signalisiert wurde, dass für ihn ein Bahnausbau auch völlig ohne Stärkung des Bestandes möglich wäre.

Unklarheiten beim Bestand und beim Gesamtprojekt

Der BI-Vertreter für Kutzenhausen, namentlich Thomas Druckmiller, meldete als Landwirt grundsätzliche Bedenken an den aktuellen Planungen an, die unabhängig von den Trassen enormen Flächenverbrauch mit sich brächten. Unzulänglichkeiten bei der Streckenplanung machte er am Beispiel Kutzenhausen deutlich, wo die neue Trasse ohne stimmigen Grund sich von der Bestandsstrecke entferne und durch die Landschaft verlaufe. Katja Wunderwald aus Rommelsried, selbst regelmäßige Bahnfahrerin, stimmte in die Kritik am Flächenverbrauch und der Dimensionierung des Projektes ein. Aufgrund der bislang unzureichenden Einbindung von Experten wie etwa Herbert König befürchte man, dass das Projekt langfristig ebenso wenig funktional sei, wie den Bedürfnissen der Bahnfahrer entspräche. Letztere Perspektive brachte Christine Arnold aus Hirblingen ein, die damit den Appell verband, die Planungen grundsätzlich mit Blick auf die angeblich fixierten 26 Minuten ebenso wie auf die Gleiszahl hin zu überdenken. Diesbezüglich brachte Hubert Kraus aus Wollbach auch die Aussage des Landrats Sailers zur Sprache, der auf die Planungsmängel bereits nachdrücklich verwiesen hatte und welche die Bahn bislang nicht stichhaltig entkräften konnte.

Gemeinsam gegen ein Verkehrsdebakel

Einigkeit bestand über die BI-Grenzen hinweg darin, dass Bahnausbau sowie Deutschlandtakt grundsätzlich zu begrüßen seien und dass nur durch gegenseitige Unterstützung unabhängig von dem genauen Trassenverlauf die Bahn überhaupt in Richtung Bürgerfreundlichkeit bewegt werden könne. „Wir wollen endlich, dass das Gutachten zum Deutschlandtakt zugänglich gemacht wird, wir wollen Flexibilität mit Blick auf die 26 Minuten zugunsten der betroffenen Bürger, wir wollen, dass Schluss ist mit den Versuchen, durch falsche Versprechungen und verkürzte Aussagen die Bürger gegeneinander aufzuhetzen, wir wollen, dass mit Blick auf den Hauptbahnhof nicht aufgrund von Kapazitätsmängeln der Nahverkehr dem Fernverkehr geopfert wird und wir wollen die Bahn zurück auf Los setzen. Nur so kann ein verkehrspolitisches Waterloo in Schwaben verhindert werden“, fasst Josef Stöckle zusammen. Dies könne man im Rahmen der überregionalen Initiative der BISCHT erreichen, betonte der Wollbacher. Gesprächsbereitschaft diesbezüglich signalisierten alle BI-Vertreter mit Ausnahme des Sprechers der BI-Westheim-Vogelsang. Dieser wollte die bestehende Betroffenheit im Fokus halten und nicht gegenüber anderen Ansichten und Problemen abgewogen wissen. Er kündigte an, ohne Zusammenarbeit mit Bestands- oder Neubaubetroffenen die eigene Linie weiter zu verfolgen. Die Gefahr bestehe hierbei, so andere Teilnehmer, dass eine solche Haltung dazu führe, dass Verbesserungen am Bestand und damit die Bewohner von Neusäß und Westheim in der Diskussion abgehängt würden und damit ohne Stimme blieben.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X