Region: Augsburger Land

Bahnausbau: Bundesregierung fordert kein viertes Gleis

StaZ-Reporter Tobias Mayr aus Dinkelscherben
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Die Bundesregierung fordert kein durchgängiges viertes Gleis. Durz sieht durch 15-Minuten-Takt erste Erfolge für einen besseren Nahverkehr in der Region

Berlin. Das Bundesverkehrsministerium fordert keinen Bau eines vierten Gleises zwischen Dinkelscherben und Augsburg und bestätigt, dass im Rahmen der Entwicklung des Deutschlandtaktes die geplante Fernverkehrsleistung im Abschnitt Ulm-Augsburg reduziert wurde. Das teilte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrs-ministerium, Michael Theurer (FDP), auf Nachfrage des Wahlkreisabgeordneten Hansjörg Durz (CSU) mit. „Es bleibt jedoch offen, welche Auswirkungen dies auf die Infrastrukturplanung hat und warum DB Netz weiterhin mit einem viergleisigen Ausbau plant“, kritisiert Durz.

In dem Antwortschreiben des Staatssekretärs Theurer wird ausgeführt, dass im derzeitigen Konzeptentwurf lediglich die Errichtung eines dritten Gleises zwischen Dinkelscherben und Augsburg enthalten ist. „Ein durchgehender viergleisiger Ausbau ist also nicht unter-stellt“, heißt es in dem Schreiben des Verkehrsministeriums. Und weiter: „Allerdings ist ein zumindest teilweiser Ausbau der Bestandsstrecke berücksichtigt worden.“ Laut Durz steht dies in klarem Widerspruch zu den Aussagen der DB Netz AG, die einen durch-gängigen viergleisigen Ausbau zwischen Ulm und Augsburg für zwingend erforderlich hält. Für Durz ist das paradox: „Das Ministerium plant weniger Fernverkehr, die Bahn fordert dafür aber mehr Gleise.“

Widersprüche zwischen Bahn und Bund

Es ist nicht der einzige Widerspruch, den das Schreiben von Staats-sekretär Theurer aufdeckt. Denn es steht laut Durz zu befürchten, dass das Ministerium und die DB Netz AG mit unterschiedlichen Datengrundlagen arbeiten. Schließlich hatte die Deutsche Bahn nicht wie heute mit 26 Minuten, sondern mit ursprünglich 27 Minuten Fahrtzeit geplant und gibt im Faktencheck auf der Internetseite des Projektes Ulm-Augsburg an, dass sich das Ziel von 27 Minuten Fahrtzeit zwischen Ulm und Augsburg aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 ergab. Diese 27 Minuten als Fahrziel können vom Ministerium gemäß dem Schreiben "nicht nachvollzogen" werden. Stattdessen gibt das Haus an, dass der Bundesverkehrswegeplan 30 Minuten Zielfahrtzeit vorgesehen habe.

„Was nach einer Kleinigkeit klingt, könnte am Ende enorme Aus-wirkungen auf den erfolgreichen Abschluss des Projektes haben“, warnt Durz. Denn bei der Streckenplanung sei man auf eine minutengenaue Planung angewiesen. Laut Durz scheint die Äußerung des Staatssekretärs darauf hinzuweisen, dass Ministerium und Bahn nicht abgestimmt vorgehen. „Wenn beide nicht schnellstmöglich die Datengrundlagen für dieses Bahnprojekt klären, ist das Chaos perfekt“, befürchtet Durz. „Wie soll unsere Region mit den Verantwortlichen von Bahn und Bund einen seriösen Dialog führen, wenn die Annahmen und Grundlagen für dieses Projekt nicht geklärt sind?“

Erfolg für Region: "Mit Geschlossenheit beharrlich ans Ziel"

Einen ersten Erfolg für die Region sieht Durz mit Blick auf das Theurer-Schreiben hingegen beim Ausbau des Nahverkehrs. „Erst-mals ist schriftlich festgehalten, dass der Freistaat Bayern tatsächlich die Herstellung eines 15-Minutentaktes zwischen Dinkelscherben beziehungsweise Gessertshausen und Augsburg angemeldet hat“, so Durz. Der Wahlkreisabgeordnete hatte stets dafür geworben, dass die Region geschlossen beim Thema Bahnausbau auftritt, um eine Verbesserung des Nahverkehrs durchzusetzen. „Dass unsere Forderung, die wir seit 1996 als Region geschlossen einfordern, vom Frei-staat übernommen wurde, ist ein erster großer Erfolg. Wir müssen aber gemeinsam beharrlich weiterkämpfen, damit der 15-Minutentakt auch tatsächlich Realität wird.“

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