"Therapie statt Knast": Landgericht Augsburg spricht Urteil im Prozess um Beinahe-Brandstiftung

Der 59-Jährige, der sich vor Gericht wegen versuchter schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes verantworten musste, wurde nun lediglich wegen versuchter schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung und versuchter schwerer Sachbeschädigung verurteilt.

Weder versuchter Mord noch versuchte schwere Brandstiftung: Zu diesem Schluss kam das Augsburger Gericht im Prozess um den 59-Jährigen, der die Party seiner Nachbarn mit einer Flasche Benzin und einer Streichholzschachtel beenden wollte. Nun soll der chronische Alkoholiker in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

von Lilian Schneider

Das Urteil fällt am Donnerstag vor dem Augsburger Landgericht: Der Angeklagte muss sich einer zweijährigen Therapie in einer Entziehungsanstalt unterziehen. Verurteilt wird er wegen versuchter schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung und versuchter schwerer Sachbeschädigung. Die übrigen Anklagepunkte – versuchter Mord und versuchte schwere Brandstiftung – lässt das Gericht allerdings fallen.

"Das hätte ganz schlimm enden können und Sie wären vielleicht eine Ewigkeit weg gewesen", erklärt Richter Roland Christiani dem 59-Jährigen. Doch der Versuch, die Wohnung seiner Nachbarn in Brand zu setzen, scheiterte. Verletzt wurde dabei niemand.

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte Richter Christiani vermutet, dass der Angeklagte eine zu laute Party beenden wollte und nicht die Absicht hatte, jemanden umzubringen. Bei dieser Einschätzung bleibt das Gericht auch am letzten Prozesstag – dennoch sei zu bedauern, dass der 59-Jährige sich im Verlauf des Gerichtsverfahrens nie zu seinen Absichten am Tattag geäußert hat.

Doch nach mehreren Verhandlungstagen kommt das Gericht nun zu dem Schluss: "So gefährlich war das jetzt noch nicht". Eine Explosion sei nicht möglich gewesen und auch die drei Personen in der Wohnung hätten nicht in Brand geraten können. Stattdessen habe der Angeklagte seine Nachbarn dazu nötigen wollen, ihre Feier frühzeitig zu beenden, als er eine Flasche Benzin durch ihr Küchenfenster warf. Doch sein Versuch, ein Streichholz zu entzünden und ein Feuer in der Nachbarswohnung zu entfachen, scheiterte.

Deshalb war der 59-Jährige ursprünglich auch wegen versuchter schwerer Brandstiftung angeklagt worden. Diesen Vorwurf halte das Gericht inzwischen allerdings für unbegründet: Ein Großbrand sei nicht beabsichtigt gewesen. Darauf lasse vor allem die Lage der Wohnung des Angeklagten schließen, die beim Ausbruch eines großen Brandes ebenfalls in Flammen aufgegangen wäre. Das hält Richter Christiani dann doch für "zu abenteuerlich". Und auch der versuchte Mord aus der ursprünglichen Anklageschrift könne dem 59-Jährigen nicht nachgewiesen werden.

Zudem wurde im Verlauf der Verhandlungen klar: Bei dem 59-Jährigen handelt es sich um einen chronischen Alkoholiker. Auch am Tattag sei er betrunken gewesen und habe deshalb sehr unüberlegt und impulsiv gehandelt. "Ohne Besäufnis hätten Sie natürlich geklingelt", richtet sich Richter Christiani an den Angeklagten, der zu den sogenannten Quartalstrinkern zähle, die phasenweise exzessiv Alkohol konsumieren. Zum Tatzeitpunkt habe er mindestens 2,4 Promille intus gehabt.

Da sein Alkoholproblem maßgeblich zur Tat beigetragen habe, hält das Gericht die Unterbringung in einer Entzugsanstalt für angebracht. Bereits nächste Woche soll der 59-Jährige, der sich momentan noch in Untersuchungshaft befindet, mit der Therapie beginnen. So soll auch verhindert werden, dass sich eine seine Tat wiederholen könnte.

"Therapie statt Knast", fasst Richter Christiani das Urteil zusammen, welches der Angeklagte nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt auch annimmt. Weitere Rechtsmittel wolle er nicht einlegen.

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