Region: Augsburger Land

Vergewaltigung nach dem Plärrer-Besuch: 20-Jähriger verurteilt

Der Angeklagte (links) bespricht sich im Vorfeld der Verhandlung mit seinem Verteidiger.

Amtsgericht Augsburg verurteilt 20-Jährigen zu Bewährungsstrafe

Ein damals 19-Jähriger bringt ein Mädchen nach dem Plärrer-Besuch im September 2019 nach Hause nach Bobingen, doch gute Absichten hat er dabei nicht: Er fordert die 16-Jährige, im Treppenhaus auf dem Weg zur elterlichen Wohnung, zum Oralverkehr auf. Als sie ablehnt, packt er die junge Frau am Hals, schlägt ihr gegen die Wange und drückt sie auf die Knie, bis sie seiner Forderung schließlich für rund zehn Sekunden nachkommt. Nach einem erzwungenen Kuss soll sie ihn mit der Hand weiter befriedigen, der 19-Jährige schlägt ihr zwei weitere Male ins Gesicht. Auch zum vaginalen Verkehr will der 19-Jährige sie offenbar noch zwingen, öffnet ihr die Hose. Als die 16-Jährige vorgibt, gerade ihre Monatsblutung zu haben, lässt der Angreifer schließlich von ihr ab. Vergewaltigung und vorsätzliche Körperverletzung warf die Staatsanwaltschaft dem heute 20-Jährigen am Donnerstag vor dem Augsburger Amtsgericht vor. Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger schließlich erklären, dass die Vorwürfe so auch zuträfen.

In einem Rechtsgespräch hatten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht unter Vorsitz von Richter Bernhard Kugler zuvor bereits auf einen Deal verständigt: Nicht mehr als zwei Jahre Haft, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden könnten, wurden dem Angeklagten versprochen, sollte er ein Geständnis ablegen - was der 20-Jährige schließlich über seinen Verteidiger tat. Der Angeklagte selbst verhielt sich während der Verhandlung ruhig, ließ seinen Verteidiger sprechen. Sein Mandant habe seine Bedürfnisse in diesem Moment klar über die der Frau gestellt, sagte Verteidiger Ralf Schönauer, "was nicht geht". Zumindest sei das ganze allerdings kurz vor der Eingangstüre der Eltern und in der Nähe der Nachbarn passiert, nicht etwa zuvor im Auto. "Die Gefahr, dass dabei Schlimmeres passiert, bestand also nicht", meinte Schönauer. Im Namen seines Mandanten sagt er dann auch, dass diesem die Tat leidtue.

Was der 20-Jährige wirklich denkt, das konnte auch die Jugendgerichtshilfe nicht wirklich feststellen, die einen Bericht für das Gericht erstellt hat. Im Gespräch habe sich der Angeklagte knapp aber höflich zu seinen persönlichen Verhältnissen geäußert. Demnach sei sein Vater vor rund zwei Jahren verstorben, zu seiner Mutter und älteren Schwester habe er aber ein gutes Verhältnis. Der Angeklagte schloss eine private Wirtschaftsschule mit der Mittleren Reife ab und macht aktuell eine Ausbildung in einem Autohaus. "Zur Tat hat er sich nicht geäußert", erzählte die Berichterstatterin. "Darüber konnten wir mit ihm nicht sprechen". Der 20-Jährige habe sich "nicht in die Karten blicken lassen" - wohl auch wegen des schweren Tatvorwurfs. "Schädliche Neigungen" hätte man deshalb vorerst nicht feststellen können.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich nach Jugendstrafrecht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Der Geschädigten muss er 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen, außerdem soll er sechs Monate lang von der Brücke Augsburg betreut werden. Dabei handle es sich um eine "sehr intensive Weisung", sagte Richter Kugler, einmal die Woche werde ein Betreuer bei ihm vorbeikommen. Denn: "Da scheint es viele Baustellen zu geben", schloss der Richter aus der Verhandlung. Der Angeklagte sei "ein sehr verschlossener junger Mann", und auch sein Frauenbild gebe ihm "zu denken". Schädliche Neigungen seien laut Ansicht des Gerichts durchaus vorhanden.

Dass die Strafe zur Bewährung ausgesprochen werden konnte, lag deshalb vor allem an dem Geständnis. "Es gibt Geständnisse, die sind sehr viel Wert", sagte Richter Kugler. Dazu gehörten solche, durch die man jugendlichen Vergewaltigungsopfern eine Aussage erspare. Wäre eine Beweisaufnahme nötig geworden, hätte es für den Angeklagten deshalb wohl auch zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren kommen können, betonte der Richter. Die Betreuung in den kommenden Monaten solle der heute 20-Jährige deshalb nicht als Strafe sehen, sondern als Chance, sich weiterzuentwickeln.

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