Region: Augsburger Land

Stadt Bobingen würdigt jahrzehntelanges kulturelles Engagement

Freier Mitarbeiter Ute Blauert aus Bobingen
Bürgermeister Klaus Förster (links) überreicht Peter Sedlacek den Bobinger Kulturpreis.

Im Park des Unteren Schlösschens erhielt Peter Sedlacek den Kulturpreis der Stadt Bobingen.

„Kommt, lasst uns feiern“ sang ein kleines Ensemble unter der Leitung von Jacqueline Burckhardt zur Eröffnung des Sommerempfangs der Stadt Bobingen. Es ist ein Lied aus dem Theaterstück „Jedermann“ und gefeiert werden sollte der Hauptdarsteller des Stücks in der Aufführung der Theater-Schmiede im Jahr 2019, denn ihm wurde im Rahmen des Empfangs am vergangenen Sonntag der Kulturpreis der Stadt Bobingen überreicht.

Bürgermeister Klaus Förster begrüßte die geladenen Gäste zum alljährlichen Empfang der Stadt. „Endlich kann Kultur wieder stattfinden. Die Menschen sehnen sich nach Begegnungen und nach Kultur, nach dem, was das Herz bewegt und was uns 16 Monate lang gefehlt hat“, sagte Förster. Dann sangen Musikensemble und Gäste zusammen im Kanon „Viel Glück und viel Segen“, denn der Preisträger hatte Geburtstag. In seiner Laudatio führte Förster aus, dass Peter Sedlacek in der Bobinger Siedlung aufwuchs. Schon als Jugendlicher wurde er nach dem Tod seines Vorgängers zum Organisten der Kirche „Heilige Familie“. Er hatte gelernt, die Heimorgel zu spielen, das Bedienen der Register und Pedale der Kirchenorgel brachte er sich selbst bei. Heute, 40 Jahre später, ist er immer noch Organist der Gemeinde. Seit 1986 ist er Mitglied der Theaterschmiede. Auf der Bühne stand er zum ersten Mal 1989 als Pizzabäcker Fernando im Stück „Pizza à la Schrapfing“. Nach 2001 entwickelte sich das Repertoire des Amateurtheaters vom Bauern- zum Boulevardtheater und schließlich zu ernsten Stücken. Drei Jahrzehnte lang glänzte Sedlacek in vielen Hauptrollen, etwa 2007 als blinder Kriegsheimkehrer im Stück „Wegkreuz“. In 42 Stücken spielte er bei 192 Aufführungen mit. Der größten Herausforderung stand er 2019 gegenüber. Mit der Hauptrolle im Stück „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ von Hugo von Hofmannsthal lieferte Sedlacek sein „Meisterstück“ ab, so Förster. Es war der Beitrag der Theater-Schmiede zum Festprogramm des 50. Jubiläums der Stadt Bobingen. In vier Vorstellungen begeisterte er in dieser Rolle mehr als 2000 Zuschauer. „Am 15.6.2020 beschloss der Stadtrat einstimmig, den Kulturpreis Peter Sedlacek zu verleihen“, berichtete Förster. „Wir verneigen uns vor einem Theatermann aus Leidenschaft. Wir würdigen sein Können, seine Begabung und seine Identifikation mit den Menschen vor Ort.“

In 192 Aufführungen von 42 Theaterstücken mitgewirkt

Nach der Übergabe der Urkunde des Kulturpreises schlüpfte Peter Sedlacek noch einmal in die prunkvolle Jacke, die er in der Rolle des Herrn Jedermann getragen hatte, und spielte die Begrüßung der Gäste zum „Fest der Ewigkeit“. Dann bedankte er sich für die große Ehre, die ihm mit diesem Preis zuteilwurde. Einen besonderen Dank richtete er an Kulturamtsleiterin Lisa Morhard dafür, dass sie seinerzeit das Jedermann-Stück vorschlug und die Theatergruppe trotz vieler Einwände von der Idee überzeugte. Er dankte Altbürgermeister Bernd Müller für sein Vertrauen in das Können der Schauspielgruppe und den Enthusiasmus, mit dem er in einer Nebenrolle mitspielte. „Eigentlich gebührt der Preis dem ganzen Ensemble, denn alle haben ihr Bestes gegeben und großartig mit mir zusammengespielt“, so Sedlacek. Er erinnerte sich lebhaft an den Abend vor fast genau zwei Jahren, als die Gruppe für die Premiere hinter der Freilichtbühne vor dem Rathaus stand und es in Strömen regnete. Die Absage der Aufführung war so gut wie beschlossen, als um punkt neun Uhr der Regen aufhörte und die Vorstellung beginnen konnte. Er dankte seiner Frau Ingrid, der Leiterin der Theater-Schmiede, die ihn von der Rolle überzeugt und ihn stets unterstützt habe. Er versprach, trotz seines Wegzugs mit seiner Frau nach Hiltenfingen, Bobingen treu zu bleiben, sowohl als Organist als auch als Mitglied der Theater-Schmiede.

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