Region: Augsburger Land

Biber mitten in der Stadt

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Dem Biber schmeckt's.

Der Biberbeauftragte Hartmut Schütze erklärt das Verhalten der unter Naturschutz stehenden Tiere und findet bei Konflikten eine Lösung.
Der Biber war jahrhundertelang gejagt worden, weil der Mensch sein Fleisch essen und aus seinem Fell Mäntel nähen wollte. 1867 schließlich wurde der letzte Biber in Bayern erlegt. Hundert Jahre lang gab es keinen Biber mehr in Bayern, dann setzte der Bund Naturschutz (BN) in Abstimmung mit dem Freistaat einige Exemplare am Ufer der Donau aus. Daraus wurde das erfolgreichste Wiedereinbürgerungsprojekt, das es bisher in Deutschland gegeben hat. Der Biber breitete sich in ganz Bayern aus, sein heutiger Bestand wird auf rund 20 000 Tiere geschätzt. Im Jahr 2005 wurden im Uferbereich der Singold zahlreiche Spuren von Bibern gefunden. Daher erschien es sinnvoll, einen städtischen Biberbeauftragten zu suchen. Der war schnell gefunden, denn Hartmut Schütze, ein Mitglied der Ortsgruppe des BN, hatte sich schon länger für das faszinierende Säugetier interessiert.
„Anfangs musste ich viel aufklären und überzeugen, denn mit dem Biber war auch das Wissen über seine Lebensweise verschwunden“, sagte Schütze im Gespräch. „Viele glaubten, der Biber fresse Fische, tatsächlich ist er jedoch Vegetarier“, so Schütze weiter. „Im Sommer ernährt er sich von Grünpflanzen und Blättern, als Futtervorrat für den Winter befestigt er ein sogenanntes „Futterfloß“ vor seinem Bau unter Wasser, ein Bündel aus Ästen und Zweigen.“ Früher wurden die Wiesen entlang der Singold bis an den Rand des Wasserlaufs gemäht. Kurz geschorener Rasen ist jedoch nicht das, was ein Biber braucht. Er sucht neben Jungtrieben, Blättern, Wasserpflanzen und Wurzeln auch Gräser und Kräuter. Die fand er damals beispielsweise in einer nahe gelegenen Kleingartenanlage. Schütze konnte erreichen, dass ein Uferstreifen nicht gemäht wird, so dass die Tiere ihr Futter direkt am Ufer finden. Die blühenden Wildblumen erfreuen heute nicht nur den Magen der Biber, sondern auch das Auge des Menschen. „Ich bin sehr froh über die gute und verständnisvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den Mitarbeitern des Bauhofes“, so Schütze.
Anfangs waren einige Bobinger der Meinung, Biber müssten abgeschossen werden, da sie massenhaft Bäume vernichten würden. Ein Biber fällt jedoch nicht sinnlos einen Baum nach dem anderen. Vielmehr fällt er einen Baum im Schutz der Dunkelheit. Wenn der Tag anbricht, zieht sich der Biber zurück, der Baum bleibt liegen. Damals war es üblich, einen umgefallenen Baum umgehend zu zersägen und weg zu transportieren. Am nächsten Abend kam der Biber wieder, um sich die Zweige zu holen, doch der Baum war verschwunden, also musste er einen weiteren Baum zu Fall bringen. Schütze konnte die Verantwortlichen davon überzeugen, solche Bäume liegen zu lassen. Der Biber selbst sorgt nach und nach für den Abtransport.

Unentgeltlich arbeitende Landschaftsgärtner

„Das Tier bevorzugt das weiche Holz von Weiden, die schnell wieder austreiben, die Bäume sind also nicht zerstört. So sorgt der Biber für eine Verjüngung der Vegetation“, erläutert Schütze. Damit die Rinde ihrer Bäume nicht abgenagt wird, stellen die Kleingärtner heute ein Drahtgeflecht um den unteren Teil der Stämme. Auch die Bäume entlang der Wege im Park werden aus Sicherheitsgründen vom städtischen Bauhof eingezäunt.
Einen Biberdamm gab es in Bobingen nur einmal, im November 2011. Einem Biber gefiel das Holz eines Baumes jenseits des Kaltenbachs besonders gut. Für einen Transport des Holzes bis zur Singold war aber das Wasser des Bachs zu niedrig. Der Biber benötigt eine Wassertiefe von mindestens 80 Zentimetern. Daher musste er den Kaltenbach aufstauen. So entstand der lauschige Kaltenbach-Teich im Singoldpark. Der Damm wurde schon 2012 von Unbekannten zerstört, daher ist der Teich heute fast verlandet. Sollte einmal ein Biberdamm eine Überschwemmung verursachen, weiß Schütze auch für dieses Problem eine Lösung: Durch den Damm wird ein Rohr gelegt, das dafür sorgt, dass das Wasser ab einem bestimmten Pegelstand abfließt.
„Der Flusslauf der Singold zwischen dem Industriegebiet im Süden und dem Fischereiverein im Norden ist in drei Biberreviere aufgeteilt. In jedem wohnt ein Biberpaar, das lebenslang beisammen bleibt, mit seinem Nachwuchs. Die Jungen wohnen zwei Jahre lang im Bau der Eltern, dann müssen sie sich eigene Reviere suchen“, so Schütze. „Der Bau eines Bibers liegt im Ufer oberhalb des Wasserspiegels, aber der Eingang liegt unter Wasser. Die Wohnhöhle in seinem Bau kann bis zu einem Meter im Durchmesser groß sein.“ Mehrmals im Jahr bietet Schütze Führungen entlang der Singold an, in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband (LPV). Im Sommer sind die Biberbaue von dichtem Grün bedeckt. Doch bei den Führungen von November bis März kann man sie gut erkennen. Außerdem besucht Schütze die ersten Klassen vieler Grundschulen in Bobingen und den Nachbarorten, um den Biber vorzustellen, wenn die Kinder den Buchstaben „B“ durchnehmen.

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