Region: Augsburger Land

Blick über den Tellerrand

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Die Bike-and-Ride-Plätze am Bahnhof nach ADFC-Richtlinien entstanden auf Initiative des Energieteams.

Die Stadt Bobingen wurde mit dem „European Energy Award“ für ihre Bemühungen um Umwelt- und Klimaschutz ausgezeichnet.
Am 5. November reisten einige Mitglieder des Bobinger Energieteams mit Bürgermeister Bernd Müller an der Spitze nach Lindau, wo sie den „European Energy Award“ (eea) vom Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber entgegennehmen konnten. Es war nach 2015 das zweite Mal, dass Bobingen diese Auszeichnung erhielt. Der „Award“, auf Deutsch „Europäischer Energiepreis“, behält seine Gültigkeit nur für vier Jahre, deshalb muss man sich danach wieder neu bewerben. Verliehen wird er, wenn eine Kommune mehr als 50 Prozent der möglichen Punkte in verschiedenen Handlungsfeldern erreicht hat. Zu den Handlungsfeldern gehören etwa die Gebäude oder die Ver- und Entsorgung einer Stadt. Bobingen hat 62,9 Prozent erreicht und liegt damit im Mittelfeld aller 28 teilnehmenden Städte, Gemeinden und Landkreise in Bayern. Wie viel eine Kommune erreicht hat, wird anhand zahlreicher Kennzahlen überprüft. Deshalb ist der eea nicht nur ein Preis, sondern auch ein Hilfsmittel für das Qualitätsmanagement der Kommunen. Zudem erhalten die Teilnehmer fortlaufend Beratung bei der Planung von umweltpolitischen Maßnahmen.
Besonders gelobt wurde Bobingen für sein Energiemanagement. Wie Christian Peiker, Architekt im städtischen Hochbauamt und für das Energiemanagement zuständig, auf Anfrage erläuterte, werden hierfür die Verbrauchswerte für Wasser, Strom und Heizenergie der städtischen Liegenschaften monatlich erfasst, an eine Datenbank übertragen und ausgewertet. „Zunächst werden die Witterungseinflüsse heraus gerechnet, um dann erkennen zu können, ob der Verbrauch im langfristigen Durchschnitt lag. Zeigt sich ein ungewöhnlicher Wert, wird die Ursache umgehend gesucht und zeitnah behoben. Mittlerweile sind auch die stadteigenen Wohngebäude in der Datenbank erfasst. Die Daten der eigenen Gebäude werden mit denen gleichartiger Gebäude von eea-Kommunen in ganz Deutschland verglichen, so dass man auch weiß, wie man im Vergleich abschneidet“, so Peiker weiter.

Energieeinsparung in städtischen Gebäuden

Bobingen wurde 2009 zur eea-Kommune. In den Jahren danach wurden die Laurentius-Grundschule, ein Gebäudetrakt der Dr.-Jaufmann-Mittelschule und die Sporthalle am Willi-Ohlendorf-Weg energetisch saniert, was in erster Linie das Aufbringen einer Wärmedämmung bedeutet. Seit 2015 wurden die Turnhalle der Grundschule in Straßberg und das Wohngebäude an der Hochstraße, Ecke Wolfsgässchen, saniert. Das Feuerwehrgerätehaus, der Kindergarten St. Felicitas und das Generationenhaus an der Greifstraße wurden zum Teil über dem aktuellen energetischen Standard neu gebaut. Die Sporthalle an der Jahnstraße, die Turnhalle in Straßberg und das Rathaus wurden mit stromsparender LED-Beleuchtung ausgestattet. 2018 und 2019 wurden zwei städtische Wohngebäude neu errichtet, eines mit Solarunterstützung der Heizanlage an der Südlichen Fraunhoferstraße und eines mit einer Holzpelletheizung an der Koloniestraße. Der Anteil von Ökostrom beim Verbrauch der städtischen Liegenschaften ist bisher mit 9,2 Prozent recht gering. Der Stadtrat hat jedoch 2018 beschlossen, für die Jahre 2020 bis 2022 die Lieferung von 100 Prozent Ökostrom auszuschreiben.
Ein neuer Weg werde bei der Heizung der geplanten Kindertagesstätte im Neubaugebiet an der Wertachstraße beschritten, wie Peiker weiter berichtete. Da ein Landwirt in der Nähe eine Biogasanlage betreibe, könne die Kita über eine vergleichsweise kurze Fernwärmeleitung versorgt werden, ein sogenanntes „Nahwärmesystem“. Das Gebäude wird hochwärmegedämmt sein, eine dichte Gebäudehülle und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung erhalten, so dass es dem Passivhaus-Standard beinahe entsprechen wird. Die Belüftung wird nicht über lange Zuluftkanäle erfolgen, sondern durch Überströmöffnungen zwischen Flur und Gruppenräumen. Im Flur wird die Zuluft wegen der dort installierten Fußbodenheizung vorgewärmt. Nur die Abluft wird durch Kanäle geführt. Dieses System bedeutet einen weit geringeren Energie- und Wartungsaufwand als herkömmliche Anlagen. Die Kühlung des Gebäudes im Sommer wird durch den natürlichen Luftaustausch in der Nacht über spezielle einbruch- und insektensichere Öffnungen in der Außenwand erfolgen.
Zum Bobinger Energieteam gehören Bürgermeister Bernd Müller, Stadträte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und im Umweltschutz engagierte Ehrenamtliche, zusammen 18 Mitglieder. „Allein schon die Sitzungen des Energieteams ermöglichen den Teilnehmern einen Blick über den Tellerrand. Hier erfahren die Mitarbeiter vom Hochbau, woran die Kollegen vom Tiefbau oder von den Stadtwerken gerade arbeiten. Man tauscht sich aus, trägt Kenntnisse und Ideen zusammen. Zudem gibt es im Rahmen des eea-Prozesses Fortbildungen zusammen mit Kollegen aus anderen Kommunen, von denen man immer mit vielen neuen Informationen nach Hause kommt, sowohl über technische Entwicklungen als auch über vertragsrechtliche Aspekte oder finanzielle Fördermöglichkeiten“, beschreibt Peiker die Vorteile des eea aus seiner Sicht. „Sicherlich wären viele Maßnahmen auch ohne eea durchgeführt worden“, so Peiker weiter. „Aber das Qualitätsmanagement motiviert dazu, auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Und auf manche Idee käme man ohne die Beratungen vielleicht gar nicht. Etwa, dass wir auch im sozialen Wohnungsbau Fahrradabstellplätze wie sie der ADFC, der Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club, empfiehlt, eingeplant haben. Auch die Bike-and-Ride-Plätze am Bahnhof und die Fahrradschienen auf den Treppen zur Gleisunterführung wurden auf Anregung des ADFC und ehrenamtlicher Mitglieder des Energieteams verwirklicht.“

Mehr zum Thema

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X