Region: Augsburger Land

Demokratie am Abend

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Freie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Standen den Bürgern für Fragen zur Verfügung: Bruno Landgraf, Leiter von Ordnungsamt und Bürgerbüro, Roman Schröter, Technischer Leiter der Stadtwerke, Rainer Thierbach, Leiter des Stadtbauamts, Alexander Ziegler, Leiter der Stadtkämmerei, Thomas Ludwig, Leiter des Hauptamts, Gerald Guggenberger, Technischer Leiter der AVA, und Bürgermeister Bernd Müller (v.l.n.r.).

Weit über 100 Bobinger nahmen am Mittwoch vergangener Woche an der Bürgerversammlung in der Singoldhalle teil. Nicht wenige hatten Fragen und Vorschläge mitgebracht. Auf der Bühne saßen Bürgermeister Bernd Müller und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und gingen auf alle Wortmeldungen ein. Hinzu kamen zwei Gastvorträge zu den Themen Kriminalität und Abfallentsorgung.
Bürgermeister Bernd Müller setzte die im Vorfeld schriftlich eingereichten Fragen an den Beginn der Versammlung. Es gab mehrere Fragen zum Thema Schwimmbad. Sie wurden von Müller und Stadtkämmerer Alexander Ziegler zusammengefasst wie folgt beantwortet: Das „Begegnungsland Lech-Wertach“ hat am Tag der Bürgerversammlung ein Gutachten in Auftrag gegeben, das herausfinden soll, ob es sinnvoll wäre, wenn die Bäder im südlichen Landkreis zusammenarbeiten würden und, wenn ja, in welchen Bereichen und in welcher juristischen Form. Dabei geht es um wirtschaftliche Vorteile bei den Betriebskosten. Die Investitionskosten trägt die Stadt Bobingen. Da das Ganzjahresbad der ganzen Region zugute kommen wird, besteht eine gewisse Hoffnung, dass sich der Landkreis an den Investitionskosten beteiligen wird. Dies ist jedoch noch völlig offen. Unabhängig davon soll mit der Planung des Ganzjahresbades im nächsten Jahr begonnen werden. Der Abriss des Hallenbades und der Neubau des Ganzjahresbades sollen planmäßig von 2021 bis 2023 dauern. Der Abriss soll nach Möglichkeit nicht in der Freibadsaison stattfinden, damit das Freibad während der ganzen Bauzeit weiter genutzt werden kann. Für die Sportvereine wird es Nutzungszeiten in benachbarten Hallenbädern geben. Die augenblicklichen Eintrittspreise von Frei- und Hallenbad liegen im Mittelfeld der Preise in der Region und sollen beibehalten werden, bis das neue Bad steht. Von einer Kostendeckung ist das Aquamarin weit entfernt. Der Spätschwimmertarif soll wieder eingeführt werden. Am 31.10. wird das Hallenbad geschlossen sein, weil ein Statiker die Stützen der Halle überprüfen wird. Bei einem guten Ergebnis kann am nächsten Tag wieder geöffnet werden. Sollten jedoch Schäden festgestellt werden, müsste das Bad für Ausbesserungsarbeiten geschlossen bleiben.

Kranke Bäume

In den letzten Monaten wurden im Singoldpark und in den Wohngebieten einige große Bäume gefällt, was ein Bürger nicht für richtig hielt, da die Bäume gesund ausgesehen hätten. Müller und Stadtbaumeister Rainer Thierbach legten dar, dass die gefällten Eschen vom Eschentriebsterben befallen waren. Wegen dieser Krankheit werden in nächster Zeit noch mehr Eschen gefällt werden müssen. Von außen sind nur dunkle Triebe zu sehen, doch die befallenen Bäume verfaulen innerlich. Eine Fichte war von Borkenkäfern geschwächt worden, eine mehrstämmige Weide hatte Risse und drohte auseinander zu brechen. Ein anderer Bürger plädierte dafür, einige Bäume an den Alleen in der Point zu fällen, weil sie sehr viel Laub abwerfen, die Häuser verdunkeln und den Asphalt des Bürgersteigs anheben. Die Antwort des Stadtbaumeisters lautete, dass der Bauausschuss beschlossen hat, Bäume nur zu fällen, wenn sie krank sind. Aufgebrochene Bürgersteige werden repariert, die Beschädigungen in der Regensburger Allee sollen so bald wie möglich repariert werden. Sollten sich die Asphaltschäden sehr häufen, könne die Frage dem Bauausschuss nochmals vorgelegt werden.
Ein Bürger hatte schriftlich nach der Kreisstraße A13 gefragt. „Wir wurden informiert, dass sich die Arbeiten an der Wertachbrücke verzögert haben. Augenblicklich wird als Termin für die Öffnung der Durchfahrt der 4. November angegeben“, so der Bürgermeister. Eine Bürgerin fragte, ob die Stadt nicht etwas unternehmen könne, damit der Bahnhof barrierefrei umgebaut wird. Müller berichtete, dass ihn das Thema schon seit rund 20 Jahren beschäftige. Die Stadtverwaltung habe in der Zeit das Menschenmögliche versucht. Die Stadt sei sogar in Vorleistung gegangen und habe eine Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen. Politiker unterschiedlicher Parteien und bis zum Ministerrang seien angesprochen worden und hätten sich für den Umbau eingesetzt, doch ohne Erfolg. Das Bundesverkehrsministerium fördere aktuell den barrierefreien Umbau kleiner Bahnstationen mit 80 Millionen Euro. Seit letzter Woche sei bekannt, dass in Bayern 20 Bahnhöfe dabei sind, Bobingen leider nicht. „Die Begründung lautete, halten Sie sich fest: Der Bahnhof sei in gutem Zustand“, so Müller, sichtlich verärgert.

Stadt zahlt Negativzinsen

Zwischen zwei Blöcken mit Bürgerfragen hielt zunächst Erster Polizeihauptkommissar Artur Dachs ein Referat, in dem er mit Zahlen belegen konnte, dass Bobingen ein sehr sicherer Wohnort ist. Näheres dazu im nebenstehenden Bericht. In einem interessanten Vortrag von Gerald Guggenberger, dem Technischen Leiter der Abfallverwertung Augsburg, kurz AVA, erfuhren die Zuhörer, was mit dem Bobinger Müll geschieht, nachdem die Tonnen geleert sind. Der Stadtkämmerer präsentierte die Zahlen des städtischen Haushalts, der ein Volumen von gut 35 Millionen Euro aufweist. Die Stadt gehörte bereits zu den Großanlegern, von denen die Banken sogenannte „Negativzinsen“ verlangen, die Stadt zahlt also der Bank Geld anstatt Zinsen zu bekommen. Daher hält es Ziegler für sinnvoll, im nächsten Jahr einen guten Teil der Rücklagen in Bauvorhaben zu investieren. Die Gesamtverschuldung der Stadt liegt bei 12,2 Millionen Euro, was rechnerisch pro Einwohner rund 700 Euro ausmacht. Damit liegt Bobingen etwas über dem bayerischen Durchschnitt, allerdings stehen dem Rücklagen von rund 400 Euro pro Kopf gegenüber.
Anschließend führte der Bürgermeister aus, dass ein großes Problem in der ganzen Region die Wohnungsnot sei. Die Stadt habe deshalb neue Baugebiete ausgewiesen und selbst in sozialen Wohnungsbau investiert. Vor kurzem wurde der Rohbau eines Gebäudes an der Kolonie-, Ecke Greifstraße fertig gestellt mit 36 teilweise barrierefreien Sozialwohnungen. Insgesamt wurden seit 2015 die Bauanträge für 322 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und 188 neue Wohneinheiten in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern genehmigt. Dann zeigte der Bürgermeister die Ursache des fast drei Stunden dauernden Stromausfalls in der ganzen Stadt am 5. September: ein völlig verschmortes Stück Erdkabel. Auf einer Baustelle sollte ein Stück unterhalb eines vorhandenen Kabels ein neues Kabel durchgeschossen werden, doch die Erdrakete landete einen Volltreffer im vorhandenen Kabel. Als die Versammlung geschlossen wurde, war es 22 Uhr. Eigentlich sollte sie in diesem Jahr nicht so spät enden wie in den letzten Jahren, deshalb war der Beginn um eine Stunde auf 19 Uhr vorverlegt worden. Am Ende waren sicher alle Beteiligten müde, konnten aber in dem Bewusstsein nach Hause gehen, an der lebendigen Demokratie in ihrer Stadt mitgewirkt zu haben.

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