Region: Augsburger Land

Der Entwurf des „Boulevards“ erhält sehr viel Zustimmung

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Die Planerin Bettina Steinbacher, am Tisch rechts in rosa, präsentiert ihren Entwurf im Bürgergespräch. Am Tisch von links: Werner Lohmann und Alwin Jung.

Beim „Gespräch zur Stadtentwicklung“ wurden die Pläne den Bürgern vorgestellt.
Königsbrunn. Über 50 interessierte Königsbrunner fanden sich am Mittwoch letzter Woche im großen Sitzungssaal des Rathauses ein, um am „Gespräch zur Stadtentwicklung“ teilzunehmen. Bettina Steinbacher vom Planungsbüro Steinbacher Consult aus Neusäß stellte an diesem Abend den Entwurf ihres Teams zur Umgestaltung eines Teils der Bgm.-Wohlfahrt-Straße vor. Der Straßenabschnitt zwischen Römerallee und Königsallee soll ein „Boulevard“ werden, eine Flaniermeile mit großstädtischem Flair. Moderiert wurde das Gespräch von Alwin Jung, Mitglied des Stadtrats und Referent für Stadtentwicklung und Ortsbild.
Bürgermeister Franz Feigl begrüßte die Teilnehmer und erläuterte, dass der Verkehr während der ganzen Bauzeit weiter durch die Straße fließen soll. Eine Komplettsperrung soll es nicht geben. Statt Abschnitt für Abschnitt vorzugehen, wie sonst oft üblich, soll erst die eine Straßenseite auf ganzer Länge und dann die andere Straßenseite umgebaut werden. Die Bauarbeiten werden nach gegenwärtigem Planungsstand 2020 beginnen. Der Boulevard hat im Gesamtprojekt „Vision Zentrum 2030“ oberste Priorität, da sowohl die Entwässerungsrohre als auch der Straßenbelag marode sind. Der Boulevard soll also spätestens 2022 Wirklichkeit sein.
Im Oktober letzten Jahres gab es das erste „Gespräch zur Stadtentwicklung“ zum Thema Boulevard. Damals war die Kreativität der Bürger gefragt, und viele nutzten die Gelegenheit und stellten ihre Ideen und Wünsche in Modellen, Zeichnungen und Texten dar. Diese wurden so weit wie möglich in der Planung berücksichtigt. Ein Wunsch war eine Bushaltestelle vor dem Kino, diese wurde eingeplant. Einige schlugen eine Fußgängerzone vor. Dies sei bei den gegenwärtigen Verkehrsströmen nicht möglich, werde aber für die fernere Zukunft nicht ausgeschlossen, so Bürgermeister Feigl. Gewünscht wurde auch die Umbenennung der Straße, etwa in „Brunnenallee“. Darüber zu diskutieren wird Aufgabe des Stadtrats sein. Es gab auch viele Gestaltungsvorschläge, die zum Namen der Stadt passen, etwa Sitzgelegenheiten, die an einen Thron erinnern, oder einen „königlichen“ Brunnen. Diese Vorschläge will das Büro Steinbacher in der Detailplanung berücksichtigen. In der weiteren Planung wird es auch um Farbe, Blumenschmuck und Beleuchtung gehen sowie um das genaue Verkehrskonzept, also wo wird geparkt, wohin kommt eine Fußgängerampel und ähnliches.

Die Straße und damit auch die Stadt werden ein neues Gesicht bekommen.

Der Straßenabschnitt ist rund 900 Meter lang. Er wurde von den Planern unterteilt in mehrere Bereiche, die sie „Sinnabschnitte“ nennen. Die Sinnabschnitte an den beiden Enden haben vor allem die Aufgabe, das Tor zur Innenstadt zu markieren. Es soll auf den ersten Blick deutlich werden: Hier ist die Mitte der Stadt, hier pulsiert das Leben. Am südlichen Ende bei der Römerallee soll dies durch die Aufstellung großer Kunstwerke geschehen, am nördlichen Ende bei St.Ulrich sollen Sitzgelegenheiten und Wasserspiele ein Zeichen setzen. Ein Teilnehmer im Saal lobte diese Vorgehensweise. Er wusste aus wissenschaftlichen Studien, dass das Fahrtempo in erster Linie nicht durch Verkehrsschilder, sondern durch den Eindruck, den die Umgebung macht, beeinflusst wird. Wenn also eine Straße aussieht wie eine Rennstrecke, wird entsprechend gefahren, sieht es aus wie in einer Fußgängerzone, wird abgebremst. Im Abschnitt zwischen Johanneskirche und der Kreuzung beim Kino sind auf den privaten Grundstücken Gärten, hier sollen auch auf den Bürgersteigen grüne Inseln entstehen.
Der Straßenraum ist 21 Meter breit. Vorgegeben war, dass zwei sich begegnende Busse aneinander vorbeifahren können müssen. Daher ist die Fahrbahn 6,50 Meter breit geplant. Damit bleibt auf den Bürgersteigen viel Platz für Fußgänger, Tische, Stühle, Bänke, Blumenkästen und unterschiedliche Wasserelemente wie Springbrunnen, Schwengelpumpe oder Wasserrinne. Die Fahrbahn wird asphaltiert werden, die Bürgersteige gepflastert. Wenn die Eigentümer der Gebäude mit Arkaden entlang der Straße einverstanden sind, soll bis unter die Arkaden gepflastert werden. „Schöner wäre eine gepflasterte Fahrbahn“, merkte ein Bürger an. Dies sei aus Kostengründen nicht vorgesehen, erklärte Werner Lohmann, der in der Stadtverwaltung für Stadtplanung und Stadtentwicklung zuständig ist. Eine Ausnahme wird im Abschnitt „Neue Mitte“ zwischen Europaplatz und der Kreuzung beim Marktplatz gemacht. Hier soll auch die Fahrbahn gepflastert und Tempo 20 vorgeschrieben werden. Diese Zone sei im Juristendeutsch ein „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“, erläuterte Steinbacher. Ein solcher Bereich dürfe nicht länger als 400 Meter sein, daher werde nördlich und südlich der „Neuen Mitte“ Tempo 30 gelten. Die Bordsteinkanten neben der Fahrbahn werden niedrig genug sein, dass sie für Rollatoren und Rollstühle kein Hindernis darstellen, gleichzeitig aber so hoch, dass sie mit einem Blindenstock ertastet werden können. Fahrräder sollen auf der Fahrbahn fahren, denn eigene Radwege sind nur in Tempo-50-Zonen zulässig. Es wird keine Schwellen im Straßenbelag zur Verlangsamung des Verkehrs geben.
Dass die Straße wieder eine Allee werden soll, wie sie es vor dem vierspurigen Ausbau zur alten B17 schon einmal war, darin bestand von Anfang an Einigkeit. Die Bäume sind im Lageplan bereits eingezeichnet. Schnurgerade neben der Fahrbahn aufgereiht in den Tempo-30-Abschnitten, aufgelockert im Tempo-20-Bereich. Zusätzlich wurden einzelne „markante Bäume“ eingeplant, die auf Plätzen mit Sitzgelegenheiten Schatten spenden sollen, etwa vor den beiden Kirchen und auf Stadt- und Marktplatz, die beide rundum erneuert werden sollen.
In vielen Wortmeldungen wurde der Entwurf gelobt. Eine Sorge, die immer wieder geäußert wurde, betraf den zukünftigen Verkehrsfluss. Wohin werden die Kraftfahrzeuge ausweichen, wenn es durch die Bgm.-Wohlfahrt-Straße nur noch langsam geht? „Diese Frage kann noch nicht beantwortet werden, da ein neues Verkehrskonzept noch erarbeitet werden muss“, sagte Werner Lohmann. Bürgermeister Feigl berichtete von Plänen für die fernere Zukunft, die Wertachstraße bis nach Haunstetten zu verlängern, wodurch mehr Verkehr an der Innenstadt vorbei gelenkt werden wird. Das nächste „Gespräch zur Stadtentwicklung“ wird im April stattfinden zu einem anderen Thema.

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