Region: Augsburger Land

Schön war’s!

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Waltraut Wellenhofer neben ihrem Baum mit Frühäpfeln.

Waltraut Wellenhofer verabschiedet sich nach 42 Jahren aus dem Bobinger Stadtrat und auch von anderen Ehrenämtern.

„Ich hatte sehr großes Glück. Bei all meinen Reisen mit vielen Kindern und Jugendlichen ist nie etwas Schlimmes passiert. Das ist ein großes Glück“, sagt Waltraut Wellenhofer im Rückblick auf Jahrzehnte als Lehrerin an der Realschule, Vorsitzende des Vereins „Freunde von Aniche“, Mitglied der Freien Wähler und Stadträtin. Eigentlich hat Wellenhofer keine Zeit für Gespräche mit der Zeitung, denn das Obst muss eingekocht, der Gartenschuppen aufgeräumt und die Frühäpfel im Garten aufgesammelt werden, aber: „Wenn Sie von meinen Äpfeln welche pflücken und mitnehmen, können Sie sofort kommen. Unser Baum trägt dieses Jahr so viele Äpfel, ich weiß gar nicht, wohin damit.“ Damit war das Zeitproblem gelöst. Im großen Wellenhoferschen Garten in Straßberg gab es nicht nur Äpfel, sondern auch Johannisbeeren, Stachelbeeren und Sauerkirschen in Hülle und Fülle. „Ich lebe hier wie eine Bäuerin, nur Nutztiere fehlen. Ich hätte gern Hühner gehabt, aber das habe ich nicht geschafft.“ Vieles andere hat sie allerdings geschafft.

Wellenhofer kam nach Bobingen durch den Beruf ihres Mannes, der als promovierter Physiker in der Forschungsabteilung der Firma Höchst arbeitete. Sie selbst arbeitete ab 1976 als Lehrerin für Naturwissenschaften in der Realschule, ihre beiden Söhne wurden von einer Kinderfrau betreut. „Eines Tages kam mein Mann nach Hause und sagte: ,Die suchen eine Frau für den Stadtrat. Sie haben dabei an dich gedacht.‘ Ich war gar nicht begeistert, meine Kinder waren ja noch klein und mein Mann war oft monatelang im Ausland. Auf der ganzen Welt, von Amerika bis Südafrika, hat er Zweigwerke seiner Firma aufgebaut. Aber dann dachte ich mir, das wird sowieso nichts, mich kennt ja hier keiner. Aber von wegen, 1978 wurde ich beim ersten Anlauf gewählt“, erzählt Wellenhofer lachend über ihre Anfänge in der Kommunalpolitik, während ihre beiden Katzen auf dem Rasen liegen und zuzuhören scheinen. „Und dann war immer was los. Es wurde etwas für Kinder getan und viel gebaut, mal ging es um eine Turnhalle, mal um einen Sportplatz.“ Ganz besonders lag ihr die Neugestaltung der Bobinger Innenstadt am Herzen. „Rainer Naumann war ein ehemaliger Schüler von mir. Ich habe ihm zugeredet, im neuen Zentrum eine Gaststätte zu bauen, wo früher das alte Feuerwehrhaus stand. Und nun steht dort das Bistro an diesem schönen Platz mit dem Brunnen und den Sitzbänken. Hier halten sich die Menschen gerne auf. Im Sommer könnte man dort abends meinen, irgendwo im Süden Europas zu sein. Durch dieses Zentrum wurde aus einem Dorf ein Städtchen. Dank der Neugestaltung gehört Bobingen zu den wenigen Kleinstädten, die noch eine belebte Innenstadt mit vielen Geschäften haben“, so Wellenhofer. Achtmal wurde sie in den Stadtrat gewählt, zuletzt in diesem Jahr, 85-jährig. Einige Monate später gab sie ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen auf, nach 42 Jahren. Der Stadtrat verlieh ihr zum Abschied die Ehrenbezeichnung „Altstadträtin“.

„Es war immer was los!“

Wellenhofer engagierte sich nicht nur im Stadtrat, sondern auch für die Partnerschaft mit der französischen Stadt Aniche, im TSV und in der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Sie ist zwar in München aufgewachsen, doch ihr Vater war Sudetendeutscher. Im TSV bleibt sie Vorsitzende noch bis zum nächsten Frühjahr. „Bis dahin muss jemand neues gefunden werden. Im Moment suchen wir jemanden für das Kinderturnen. Für ein Dorf wie Straßberg ist es ganz wichtig, dass es so ein Angebot gibt.“ Zur deutsch-französischen Städtepartnerschaft kam sie 1983 durch den damaligen Bürgermeister Hartmut Gärtner. Er fragte, ob sie Französisch könne. Sie hatte in der Schule Französisch gelernt und übersetzte für ihn einen Brief aus Aniche. Damit begann ein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, das ihr und ihrer Familie unvergessliche Erlebnisse bescherte. Während ihrer Fahrten in die Partnerstadt mit Gruppen von jeweils 20 bis 30 Schülerinnen und Schülern besuchte Wellenhofer viele Sehenswürdigkeiten, wie Paris oder die Steilklippen des Cap Blanc-Nez, auf Deutsch „Kap der weißen Nase“, von dem aus man bis zu den Kreidefelsen der englischen Südküste blicken kann. Und heute? „Wenn ich jemandem begegne, der auf gemeinsame Erlebnisse mit mir zurückblickt und sagt: ,Schön war‘s!‘, dann ist das für mich die größte Freude.“

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