Region: Augsburger Land

Schule wird digital

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Freie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Eric Reif, Ralf Kaulfuß und Studienrat Helge Hoffmann, der Teamleiter des Modellprojekts „Digitale Schule 2020“ am Gymnasium Königsbrunn (v.l.n.r.) in der Tür eines Computerraums der Schule.

„Die Schüler finden die Digitalisierung super“, resümierte Eric Reif, der Schülersprecher des Königsbrunner Gymnasiums, in seinem Vortrag. Er sprach vor Lehrkräften der Realschulen und Gymnasien, die am Modellprojekt „Digitale Schule 2020“ teilnehmen, und in der vergangenen Woche zu einer zweitägigen Arbeitstagung in Königsbrunn zusammen gekommen waren.
Das Projekt wird von 2017 bis 2020 durchgeführt. Es geht darum auszuloten, wie digitale Medien im Unterricht und bei Tests genutzt werden können. Für die Königsbrunner Schüler bedeutet dies, dass sie kostenlos das Programmpaket „Office 365“ erhalten. „Dazu gehören die Programme „Word“ und „Power Point“, die man als Schüler wirklich sehr gut brauchen kann“, so Reif. Eine weitere Neuerung sind die rollenden „Medienwagen“, die mit Beamer und White Board ausgestattet sind. Mit einem solchen Wagen kann eine Lehrkraft eine vorbereitete Präsentation oder den Anschrieb der letzten Unterrichtsstunde groß an der Wand zeigen. „Diese Wagen werden sehr viel genutzt und sind aus dem Unterricht bei uns kaum noch wegzudenken“, berichtete Reif. Eine „Riesenhilfe“ sei auch die Lernplattform „Mebis“, insbesondere für die Oberstufe. Hier können Schüler viele Lernhilfen abrufen, etwa Videos zu Unterrichtsthemen oder Prüfungsaufgaben.
Zudem haben die Schüler Zugang zum „Bayern-WLAN“. Das bedeutet, dass Lehrkräfte den Schülern die Aufgabe stellen können, Informationen zu einem bestimmten Thema im Netz zu suchen. „Für uns ist es viel interessanter, selbst zu recherchieren, als dem Lehrer im hergebrachten Frontalunterricht zuzuhören“, berichtete Reif. Die anwesenden Lehrkräfte sagten übereinstimmend: „Ab der sechsten Klasse können wir damit rechnen, dass die Kinder ein Smartphone dabei haben.“ Notfalls könnten auch zwei Kinder zusammen ein Handy nutzen. Und natürlich kann man für solche Aufgaben auch in die Computerräume der Schule gehen. Einige Lehrkräfte sorgten sich wegen der Ablenkungsgefahr durch Handys. Diese Sorge konnte ein Teilnehmer zerstreuen mit dem Hinweis, dass es auch im analogen, also handyfreien, Unterricht Ablenkungen gebe. Schulleiterin Eva Focht-Schmidt verriet die Regel, die im Königsbrunner Gymnasium gilt: „Wer sich unterrichtsfremd mit dem Handy beschäftigt, bekommt es für den Tag abgenommen. Es kann dann bei Unterrichtsende im Sekretariat abgeholt werden.“ Focht-Schmidt nannte weitere digitale Projekte ihrer Schule: „Bereits genutzt werden ein neues Portal für Eltern und die Plattform „Feedback Schule“, auf der Schüler Unterrichtsstunden nach verschiedenen Kriterien bewerten können. Die „bargeldlose Schule“ hingegen steckt noch in den Kinderschuhen.“ Ralf Kaulfuß, der Geschäftsführer der Stiftung „Bildungspakt Bayern“, die für das Projekt verantwortlich zeichnet, berichtete von großem Interesse der Abgeordneten des Landtags an diesem Schulversuch.

Prüfung am Computer

Maria Girschick, Oberstudienrätin und Mitarbeiterin der Geschäftsstelle der Stiftung „Bildungspakt Bayern“, stellte die Prüfungssoftware „ILIAS“ vor. An Hochschulen wird sie schon länger genutzt, an Schulen soll sie im Rahmen des Modellprojekts erprobt werden. Wie können digitale Medien bei Leistungsabfragen genutzt werden? „Zunächst können Tests, wie sie bisher auf Papier ausgegeben wurden, auf Bildschirmen erscheinen“, so Girschick. Ein Beispiel dafür konnten die Tagungsteilnehmer in einem Computerraum des Gymnasiums sehen: Die Kinder erhielten von der Lehrerin das Passwort für den Test, und dann ging’s los: Sieben Wörter mussten auf dem Bildschirm so verschoben werden, dass sie eine korrekte mathematische Aussage ergeben. Wer fertig war, klickte auf „weiter“. Nächste Aufgabe: „Du möchtest das oben stehende Rezept für 5 Personen kochen. Schreibe eine Einkaufsliste.“
Aber natürlich solle nicht nur Fachwissen, sondern auch Medienkompetenz geprüft werden, so Girschick. Dazu diene etwa die Aufgabe, im Netz Informationen zu einem bestimmten Thema zu suchen. Das Ergebnis könne als Datei oder auf Papier abgegeben werden. „Wichtig ist auch die Aufgabe, Webseiten zu beurteilen“, so Girschick. „Als Kriterien kann man sich vorstellen: Glaubwürdigkeit, Zielsetzung, Zielgruppe, oder auch Gestaltung, Sprache und Aussagekraft von Bildern und grafischen Elementen. Bewährt haben sich digitale Medien bereits beim Erlernen von Sprachen. Mit Audiodateien kann das Hörverstehen geübt werden, beim Vokabellernen übernimmt es das Programm, nicht gekonnte Vokabeln immer wieder abzufragen, bis die Antworten richtig sind. Dass ähnliche Programme auch zum Überprüfen von Wissen genutzt werden können, ist leicht vorstellbar. Bei fortgeschrittener Medienkompetenz kann das Erstellen von Videos zu einem vorgegebenen Thema eine Prüfungsaufgabe sein“, erläuterte Girschick weiter.
Fünf Schüler der 12. Klassen stellten eine Aufgabe vor, die sie selbst vor kurzem in Gruppenarbeit gelöst hatten. Zum Geschichtsthema „DDR“ erstellten sie ein Wiki, wie man sie von der Plattform „Wikipedia“ kennt. Sie sichteten originale Stasi-Akten, jede Gruppe bekam einen bestimmten Fall zugeteilt. Der Inhalt der Akten wurde zu einem Wiki-Text zusammengefasst, mit Überschriften unterteilt, Fotos wurden zugeordnet, Quellen mussten korrekt zitiert und sinnvolle Links eingebunden werden. Lehrerin Katrin Grün hat sich für die folgende Art der Benotung entschieden: Wenn sie das Ergebnis insgesamt mit 10 Punkten bewertet, was einer 2- entspricht, gibt sie einer fünfköpfigen Gruppe 50 Punkte. Wer wie viele von diesen 50 Punkten bekommt, müssen die Gruppenmitglieder selbst festlegen. Es könnten alle je 10 Punkte bekommen, oder manche bekommen 12, andere 8 Punkte. „Das fühlt sich bisher noch komisch an“, sagte eine Schülerin, hält es aber für eine Gewöhnungssache. Zudem konnten die Schüler die Wikis der anderen Gruppen mit bis zu 5 Sternen für Sprache, Struktur, fachliches Niveau oder Formalia bewerten. Wie die Lehrerin berichtete, war ihre eigene Bewertung denen der Schüler sehr ähnlich. Die Schüler fanden diese Art des Lernens interessanter und intensiver als etwa das Auswendiglernen von Hefteinträgen. Das Ergebnis kann sich bisher nur die Klasse selbst auf der Plattform „ILIAS“ ansehen. An einer Erweiterung des Nutzerkreises muss noch gearbeitet werden.

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