Region: Augsburger Land

Stadt plant Kinderbetreuung in den Schulferien

Freier Mitarbeiter Ute Blauert aus Bobingen
In der Alten Mädchenschule sollen bald Kinder spielen.

Engpässe bei Kita-Plätzen sollen zunächst durch Provisorien, dann durch Neubauten behoben werden. Die Betreuung von Grundschulkindern wird ausgebaut.
Vor 30 Jahren sollten Kindergärten den Müttern die vormittägliche Hausarbeit erleichtern. Mit Glück kam das Kind mit drei Jahren in den Kindergarten, vielleicht wurde aber auch erst ein oder zwei Jahre später ein Platz frei. Der Kindergarten war vor- und nachmittags geöffnet, über Mittag geschlossen. Heute haben Eltern sehr viel mehr Planungssicherheit, es wird mehrheitlich akzeptiert, dass die Betreuungseinrichtungen die Berufstätigkeit beider Eltern ermöglichen sollen. Die Öffnungszeiten der Kindergärten wurden verlängert und es sind Kinderkrippen für Kleinkinder entstanden.
Seit 1996 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte, kurz Kita, ab 3 Jahren. Seit 2013 haben auch Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres einen Anspruch auf einen Kita-Platz oder die Betreuung durch eine Tagesmutter. Mehr und mehr Familien nehmen diese Möglichkeiten in Anspruch. In Bobingen in diesem Jahr so viele, dass momentan noch etwa 20 Krippen- und zwischen 11 und 25 Kindergartenplätze fehlen. Um diesen Bedarf bis zu Beginn des Kita-Jahres im Herbst decken zu können, wird mit Hochdruck an vorübergehenden Lösungen in städtischen Gebäuden gearbeitet. Eine Kindergartengruppe war bisher schon in der Singoldhalle untergebracht, als Außenstelle des Evangelischen Kindergartens. Diese wird heuer in eine reine Kinderkrippe umgewandelt werden. Im ersten Stock der Alten Mädchenschule richtet das nahe gelegene „Haus für Kinder St. Christophorus“ eine Außenstelle mit 50 Kindergartenplätzen ein, planmäßig für zwei Jahre. Danach sollen die Räume als Ausweichquartier für die Kita der Pfarrei zur Heiligen Familie dienen, die saniert werden soll. Sanierung und Umbau der Alten Mädchenschule werden deshalb auf das Jahr 2024 verschoben. Für die langfristige Lösung des Problems sind Neubauten geplant. 2020 soll in Straßberg eine neue Kita für 90 Kinder fertig sein, ebenso ein Erweiterungsbau am Regenbogenhaus in der Greifstraße. 2021 soll eine neue Kita an der Wertachstraße bezogen werden.

Urlaubsansprüche kürzer als Schulferien

Schwierig wird es für viele Eltern mit der Einschulung. In der Kita kann ein Kind vielerorts von 7 bis 17 Uhr bleiben, die Schule jedoch öffnet um 7:30 Uhr, um 11:20 Uhr kann schon wieder Schluss sein. In Bobingen gibt es zwei Kinderhorte für die Betreuung von Grundschulkindern nach Schulschluss, einen im „Haus für Kinder St. Christophorus“ in der Pestalozzistraße unweit der Laurentius-Grundschule und einen im „Haus für Kinder zur Heiligen Familie“ in der Nähe der Außenstelle Siedlung der Singold-Grundschule. Bei der Singold-Grundschule gibt es keinen Hort, weshalb schon manch eine Familie ihr Kind in der Außenstelle angemeldet hat, obwohl sie nahe der Singold-Grundschule wohnt. In den vergangenen Jahren gab es oft mehr Anmeldungen als Hortplätze. Einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter wird es erst ab 2025 geben, allerdings nicht in den Schulferien. Kitas sind an 30 Werktagen im Jahr geschlossen, das kann mit dem üblichen Urlaubsanspruch zweier Elternteile abgedeckt werden. Die Schule jedoch ist allein schon in den Sommerferien für 30 Werktage geschlossen, insgesamt an 64 Werktagen. Selbst, wenn beide Elternteile auf jeden gemeinsamen Urlaubstag verzichten, schaffen sie es nicht, die Schulferien selbst abzudecken. Wer Glück hat, hat hilfsbereite Verwandte am Ort, alle anderen Eltern haben ein Problem.
Die Stadt will versuchen, der Nachfrage gerecht zu werden. Es gibt bereits an jeder Grundschule eine Mittagsbetreuung bis 14:00 oder 14:15 Uhr. „Zum Schuljahresbeginn 2018/2019 konnten alle Anmeldungen für die Mittagsbetreuung berücksichtigt werden“, antwortete Stadtkämmerer Alexander Ziegler auf Nachfrage. Weiter berichtet er, dass im Februar dieses Jahres eine Umfrage nach den gewünschten Betreuungsangeboten für Grundschüler durchgeführt wurde. Die Eltern konnten den Möglichkeiten Hort, Mittagsbetreuung, Gebundene Ganztagsschule, also mit Nachmittagsunterricht, oder Offene Ganztagsschule bis 14 oder bis 16 Uhr Punkte geben. Eine Offene Ganztagesschule kann am Nachmittag in Anspruch genommen werden für Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote. Die meisten Punkte entfielen auf die Mittagsbetreuung. Dies mag damit zusammenhängen, dass die Mittagsbetreuung etwas preisgünstiger ist als ein Kinderhort, da hier auf das Engagement von Ehrenamtlichen gesetzt wird, die von einer Fachkraft angeleitet werden, während in einem Hort ausschließlich Fachpersonal arbeitet. Daneben wurden auch die Wünsche nach einer Betreuung während der Schulferien abgefragt. Hier wurde ein Bedarf vor allem in den Oster- und Sommerferien sichtbar.
Entsprechend diesen Erkenntnissen plant die Stadt Bobingen, die Mittagsbetreuung in ihrer bisherigen Form weiter zu führen und um eine Langgruppe bis 16 Uhr an der Laurentius-Grundschule zu erweitern. Außerdem soll ein bedarfsgerechtes Ferienbetreuungsangebot aufgebaut werden. Diesen Plänen hat der Hauptausschuss in seiner Sitzung am 19.03.2019 zugestimmt. Die größte Hürde auf dem Weg zur Verwirklichung sei die Personalfindung, so Ziegler, da pädagogische Fachkräfte derzeit schwer zu finden seien. Sollte es damit klappen, können sowohl die längere Mittags- als auch die Ferienbetreuung schon ab dem Schuljahr 2019/20 verwirklicht werden.

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